Aktuell
Home | Lokales | Tafel Lüneburg: Frischer Wind für die Chefetage
Frisches Personal: Die Lüneburger Tafel hat einen neuen Vorstand, Jürgen Luxemburger und Marina Kroll (2.v.r.) übergeben die Führung an Cordula Kather, Martina van Clewe und Konstanze Dahlkötter (v.l.). Foto: t&w
Frisches Personal: Die Lüneburger Tafel hat einen neuen Vorstand, Jürgen Luxemburger und Marina Kroll (2.v.r.) übergeben die Führung an Cordula Kather, Martina van Clewe und Konstanze Dahlkötter (v.l.). Foto: t&w

Tafel Lüneburg: Frischer Wind für die Chefetage

ca Lüneburg. Konstanze Dahlkötter, Cordula Kather und Martina van Clewe führen künftig ein mittelständisches Unternehmen mit 70 Mitarbeitern – ehrenamtlich: Das Trio leitet die Lüneburger Tafel. Die Helfer schlagen jeden Monat rund 13 Tonnen Lebensmittel um, mehr als 100 Bedürftige kommen zwischen Dienstag und Freitag an jedem Ausgabetag, um Gemüse, Brot, Käse und Milch zu holen. In der Kundenkartei stehen 3750 Betroffene – hier erhält Lüneburgs Armut Gesichter.
Es ist ein Wechsel an der Spitze der Organisation. Acht Jahre lang haben Marina Kroll und Jürgen Luxemburger die Tafel geleitet, Konstanze Dahlkötter unterstützt sie seit fünf Jahren. Für Luxemburger und Marina Kroll geht es um einen Generationswechsel, sie wollen ihre Ämter in jüngere Hände legen. Zwar stehen sie gern mit Rat und Tat zur Seite, doch für sie ist es Zeit, „ins Glied zurückzutreten“. Luxemburger engagiert sich seit neun Jahren für die Tafel, Marina Kroll ist seit den Anfängen vor 21 Jahren dabei.

Studenten legten den Grundstein

Was als studentische Initiative begann, damals sammelten junge Frauen auf dem Wochenmarkt Obst und Gemüse und gaben alles an andere weiter, ist längst zu einem Faktor auf dem sozialen Markt geworden, der nicht mehr wegzudenken ist. Ein Angebot, das ohne staatliche Zuschüsse Sozialarbeit erledigt.

Hunderte, die sich mit kleiner Rente oder Hartz IV durchhangeln, kommen vorbei, um so ihren Kühlschrank zu füllen. Um Schindluder zu verhindern, muss jeder seine Not etwa mit seinem Rentenbescheid nachweisen. Er erhält einen Mitgliedsausweis und zahlt einen Euro, um sich dann seine Tasche in dem kleinen Laden füllen zu lassen. Neben den „bürgerlichen“ Helfern arbeiten auch Menschen aus dem Klientel der Bedürftigen mit. Hinter allem steckt ein großer logistischer Aufwand: Die Tafel muss Spender finden und abfahren, die aussortierte, aber noch haltbare Lebensmittel zur Verfügung stellen.

Die drei Neuen an der Tafelspitze wissen, dass sie eine Menge Verantwortung übernehmen und noch mehr Zeit als bisher investieren müssen – neben ihren regulären Jobs und der Familie: Konstanze Dahlkötter arbeitet in einem Geschäft in der Innenstadt und im Betrieb ihres Mannes, Martina van Clewe ist Arzthelferin, Cordula Kather Mutter von vier Kindern.

Die Führungsriege will den bewährten Weg weitergehen, es stünden keine großen Veränderungen an. Gleichwohl ist den Frauen klar, dass Veränderungen von außen kommen können. Das hat die Tafel durch den gewaltigen Zustrom von Flüchtlingen erlebt. Man richtete eine Außenstelle in Scharnebeck ein, die mangels Nachfrage wieder geschlossen wurde. Aktuell betreiben die Helfer mit Flüchtlingen eine Außenstelle in der Unterkunft in der ehemaligen Schlieffen-Kaserne.

Eine Herausforderung könnte die zunehmende Altersarmut sein, die gerade mal wieder als Thema in die politische Diskussion rutscht. Bei der Tafel ist sie schon heute Realität. Doch was ist, wenn Senioren so hinfällig sind, dass sie den Weg zur Ausgabe im Tiefen Tal nicht mehr schaffen? Muss dann ein Bringdienst eingerichtet werden? Luxemburger erzählt, dass andere Tafeln in Deutschland diese Unterstützung bereits anbieten. In Lüneburg geht es noch über Nachbarschaftshilfe: Eine Frau nimmt beispielsweise eine Tasche mit Essen für eine gehbehinderte Rentnerin mit. Noch sei der Lieferservice also kein Thema.

Doch wer weiß, was kommt. Weniger dürfte die Arbeit nicht werden. Das wissen die drei neuen Führungsfrauen. Kraft ziehen sie aus dem Ehrenamt. Martina van Clewe sagt: „Ich komme immer gern hierher.“ Wie die anderen motiviert sie die Dankbarkeit und Freundlichkeit der meisten ihrer Kunden – wer gibt, bekommt eben auch viel zurück. Deshalb bleiben auch Luxemburger und Kroll aktiv.

Die Tafel sucht Helfer und Spender. Mehr Informationen bekommen Interessenten unter Tel.: 40 21 80.