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Fotosimulation von der Kreuzung Mühlenstraße/Hamburger Landstraße bei Bardowick mit den geplanten Windrädern in nordwestlicher Blickrichtung. Foto-Montage: A/planungsbüro elbberg
Fotosimulation von der Kreuzung Mühlenstraße/Hamburger Landstraße bei Bardowick mit den geplanten Windrädern in nordwestlicher Blickrichtung. Foto-Montage: A/planungsbüro elbberg

Windpark Bardowick: Handorf möchte sich raushalten

dth Bardowick. Aus seiner Ablehnung macht Handorfs Bürgermeister Peter Herm (CDU) keinen Hehl: „Eine öffentliche Körperschaft sollte nicht Teil eines Industriebetriebs werden.“ Er werde sich dafür einsetzen, dass die Gemeinde Handorf sich nicht an dem geplanten Bardowicker Windpark beteiligt. Auch solle der Samtgemeinde Bardowick die Zustimmung verweigert werden, im Namen der Mitgliedsgemeinden Anteile zu erwerben. Steuergelder seien kein Risikokapital, sagte Herm bei der jüngsten Ratssitzung. Hingegen kann sich Bardowicks Samtgemeindebürgermeister Heiner Luhmann (CDU) vorstellen, den Weg auch ohne Handorf zu gehen. Derzeit werde mit dem Partner Bauernverband Nordostniedersachsen (BVNON) zudem über finanzielle Beteiligungsmodelle für Bürger diskutiert. Auch für die acht geplanten Windkraftanlagen gibt es konkretere Ideen.

Luhmann sagt auf LZ-Nachfrage: „Es ist ganz wichtig, dass zunächst die Verfahren zu Flächennutzungsplan und Bebauungsplan abgeschlossen sein müssen, bevor wir den Anlagentyp festlegen.“ Kommende Woche soll die öffentliche Auslegung des Flächennutzungsplans beschlossen werden. Parallel wird die Öffentlichkeitsbeteiligung für den Bebauungsplan vorbereitet. Gleichwohl hat der Bauernverband bereits einen Favoriten, welches Windrad-Modell es denn sein soll.

Die Windkraftanlagen sollen nordwestlich von Bardowick entstehen – in der Nähe von Radbruch und Wittorf. Karte: Terraweb, hm /A
Die Windkraftanlagen sollen nordwestlich von Bardowick entstehen – in der Nähe von Radbruch und Wittorf. Karte: Terraweb, hm /A

 

Bekanntlich geht es um acht geplante Windkraftanlagen nordwestlich des Domfleckens Bardowick. „Sie werden auf jeden Fall unter 200 Metern hoch sein“, sagt BVNON-Geschäftsführer Wolf Winkelmann. In Rede steht ein Modell von General Electric mit 2,75 Megawatt elektrischer Leistung. Bei einer Turmhöhe von 139 und einem Rotordurchmesser von 120 Metern hätten die Anlagen eine Gesamthöhe von 199 Metern.

Auch für die finanzielle Beteiligung der Bürger schwebt dem BVON, der die Interessen der Flächeneigentümer bündelt, ein Konzept vor. Diskutiert wird ein sogenannter Bürgersparbrief, der Beteiligungen in 500-Euro-Schritten ermöglichen könnte – bis zu maximal 25 000 Euro pro Person. Laut Winkelmann könnten so möglichst viele Bürger an dem Projekt teilhaben. Angedacht ist eine Verzinsung von drei bis 3,5 Prozent für zunächst fünf Jahre. Winkelmann: „Das vergleichsweise hohe Zinsniveau käme durch Transferzahlungen aus dem Windpark zustande.“ Insgesamt könnten interessierte Bürger rund zwei Millionen Euro beisteuern.

Die Gesamtinvestition für die acht Anlagen werden auf rund 36 Millionen Euro taxiert. Laut Winkelmann sei das große Ziel, bis Ende 2016 die Baugenehmigung zu erreichen. Dann sei noch bis 2018 Zeit, die Windräder nach den Modalitäten des alten Erneuerbare-Energien-Gesetzes zu errichten. „Wenn alles rund läuft, sollen die Anlagen aber schon Mitte 2017 stehen.“ Bis es so weit ist, sind noch viele Dinge abzustimmen.

Sobald die Baureife erreicht ist, soll die bisherige Projektentwicklungsgesellschaft aufgelöst werden und die Rechte an eine Betreibergesellschaft verkauft werden. Vorgesehen ist, dass sich die Samtgemeinde an der Betreibergesellschaft mit dem gleichen Anteil einbringt wie bei der Projektentwicklungsgesellschaft – mit 25,1 Prozent.
Rathaus-Chef Luhmann: „Der erste Schritt ist, dass die Mitgliedsgemeinden die Aufgabe an die Samtgemeinde übertragen, sich an dem Wirtschaftsbetrieb zu beteiligen, und die Genehmigung der Kommunalaufsicht.“ Zu der Kritik aus Handorf sagt Luhmann: „Es ist kein einheitlicher Beschluss der Mitgliedsgemeinden notwendig.“ Wenn eine Gemeinde nicht mitmachen wolle, bleibe sie außen vor. Zudem setzt Luhmann auf einen Landeserlass, der eine vereinfachte Beteiligung von Kommunen an Wirtschaftsbetrieben ermögliche. Der Referentenentwurf werde diskutiert. Zur Motivation sagt Luhmann: „Nur für Zinsen brauchen wir das nicht zu machen. Für eine Beteiligung spricht, dass wir uns auch künftig ein Mitspracherecht beim Windpark sichern können.“

Diskussion geht weiter

Mitreden will auch die Bardowicker Bürgerinitiative „Windkraft in der SamBa“, die beispielsweise die Abstände zur Wohnbebauung kritisiert. BI-Sprecher Hans-Peter Luther hat seine Mitstreiter aufgerufen, sich für die Kommunalwahl aufstellen zu lassen. „Mit Sitz im Rat können auch wir Einfluss nehmen auf die politischen Ziele zum Thema Windräder.“ Tuchfühlung zu den bisher parteilosen Windkraftgegnern hat bereits die FDP in Gellersen aufgenommen. Als nächstes beschäftigt sich der Gemeinderat Bardowick mit dem Thema: Es geht um die Beteiligung an der Betreibergesellschaft des Windparks. Die Sitzung beginnt am Donnerstag, 28. April, um 19 Uhr im Sozialraum des Rathauses (Schulstraße 12).

One comment

  1. Steuergelder seien kein Risikokapital,
    welch ein witz, cross border leasing lässt grüßen.