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Der spannende Moement: Mit Hilfe eines Holzgreifers wird die Plane vom Holzpolter entfernt. Foto: kre
Der spannende Moement: Mit Hilfe eines Holzgreifers wird die Plane vom Holzpolter entfernt. Foto: kre

Qualität oder Gammel? Holzpolter in Göhrde enthüllt

kre Röthen. Es ist nur ein in Silage-Folie eingepackter Holzpolter für Thomas Zielinski aber ist es gefühlsmäßig die größte Pralinenschachtel der Welt: „Ich bin so was von gespannt, was wir gleich zu sehen bekommen werden“, sagt der Holzeinkäufer neugierig. Er ist an diesem Morgen nicht der einzige, dem die Spannung ins Gesicht geschrieben steht. Ein gutes Dutzend Förster, Waldarbeiter und Pressevertreter haben sich auf dem Forstwirtschaftsweg in der Revierförsterei Röthen versammelt. Denn jetzt schlägt die Stunde der Wahrheit: Jetzt entscheidet sich: Qualität oder Gammel?
Forstwirtschaftsmeister Peter Kalesse greift zum Messer, schneidet die Folie rundherum auf. Ein Holzgreifer zieht die zentnerschwere Plane vom Stapel. Oder, um im Sprachbild von Zielinski zu bleiben er öffnet den Deckel der Pralinenschachtel.
250 Festmeter Kiefernstämme erblicken wieder Tageslicht. Eingepackt worden waren sie vor drei Jahren im Rahmen eines groß angelegten Feldversuchs. Kann man Nadelholz über Jahre hinweg luftdicht einpacken, ohne dass die Qualität leidet? Die Frage stellt sich dann, wenn etwa Orkane durch den Wald toben, massenhaft Windwurf-Holz aufgearbeitet werden muss. Bislang werden solche Mengen vor allem auf extra eingerichteten Beregnungsplätzen gelagert, damit das Holz nicht leidet. Einen solchen Platz für insgesamt 40000 Festmeter gibt es auch in der Göhrde. „Wir müssten bei Bedarf nur die wasserrechtliche Genehmigung einholen“, erklärt Forstamtsleiter Dr. Uwe Barge.
Zusätzliche, vor allem dezentrale Lagerkapazitäten soll die Planen-Technik bieten. „In Süddeutschland haben die Kollegen damit bei der Fichte gute Erfahrungen gemacht“, berichtet Barge. Jetzt also testen die Göhrder Forstleute die Planen-Alternative mit der Kiefer.
Zwei jeweils 250 Festmeter große Polter verschwanden vor drei Jahren unter Plane. Von unten zusätzlich gesichert durch einen Mäuseschutz. Denn das ist Grundvoraussetzung für das Gelingen: Die Plane muss dicht sein, es darf kein Sauerstoff in den Polter gelangen.
Was dann im Holz passiert, erklärt Dr. Barge so: „Bakterien und Pilze, die sich im Holz befinden, brauchen den Sauerstoff in etwa 14 Tagen auf. Dafür steigt der Kohlendixoydgehalt unter der Plane auf bis zu 40 Prozent an.“ Ein lebensfeindliches Klima für Organismen.
Konzipiert sind soche Polter für eine Lebenszeit von bis zu fünf Jahren. Vorteil: Das Holz muss bei einem Überangebot nicht zu ruinösen Dumpingpreisen verkauft werden, sondern kann dann „jenseits der Marktstörungen“ veräußert werden. Dass nun der erste Polter vorzeitig schon nach drei Jahren geöffnet wird, geschieht nicht ganz freiwillig. Vandalismus, herabfallende Äste und nicht zuletzt Waschbären setzten der Haltbarkeit der Plane zu: „Die Waschbären hatten offenbar das Regenwasser auf dem Polter als Spielplatz genutzt“, sagt Rainer Baumgart, Pressesprecher der Landesforsten „und dabei mit ihren spitzen Krallen die Folie aufgeschlitzt.“
Die wurde zwar repariert, trotzdem schien jetzt der Zeitpunkt gekommen, das Geheimnis des Polters zu lüften: Und das, was die Holzexperten zu sehen und zu riechen bekommen, ist genau das, was sie sich vom Experiment erhofft hatten: „Top-Qualität, wie beim Frischeinschlag“, lautete das Urteil der Forstleute. Zur Sicherheit wird ein Stamm längs aufgesägt. Doch auch hier gilt: Das Holz hat die Prozedur tadellos überstanden. Holzeinkäufer Thomas Zielinski ist zufrieden, lässt die Stämme in den nächsten Tagen abholen: „Die gehen in unser Sägewerk nach Wismar“! Der zweite Stapel bleibt noch unter Folie, wird erst in zwei Jahren ausgepackt.