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Eberhard Wedler ist überzeugt, dass die Karstadt-Filiale Lüneburg auch weiterhin eine wichtige Rolle im Gesamt-Konzern einnehmen wird. Foto: t&w
Eberhard Wedler ist überzeugt, dass die Karstadt-Filiale Lüneburg auch weiterhin eine wichtige Rolle im Gesamt-Konzern einnehmen wird. Foto: t&w

Karstadt auf Partnersuche — Interview mit Filialgeschäftsführer Eberhard Wedler

Lüneburg. Insolvenz, Umstrukturierungen, Übernahmen, Personalabbau – Karstadt-Mitarbeiter haben in den vergangenen Jahren einiges verkraften müssen. Sanierungskonzepte brachten nicht den erhofften Durchbruch für die angeschlagene Warenhauskette, die Folge war ein erneuter Eigentümerwechsel 2015. Nun will der neue Karstadtchef René Benko den Traditionskonzern wieder auf Kurs bringen. Medienberichten zufolge sollen dazu auch Filialflächen an Dritte vermietet werden. Was kommt davon in Lüneburg an? Über die Situation vor Ort sprach LZ-Redakteur Ulf Stüwe mit Filialgeschäftsführer Eberhard Wedler.

Herr Wedler, fehlt Ihnen etwas, wenn Sie bei Karstadt einkaufen gehen?
Eberhard Wedler: Absolut nicht! Karstadt steht ja gerade dafür, dass ich hier alles unter einem Dach und auf kurzen Wegen bekomme.

Warum will Karstadt dann, wie jetzt in den Medien zu lesen ist, an andere Unternehmen untervermieten?
Wedler: Dieses 30-Prozent-Gerücht ist grober Unfug. Wie unser Finanzchef gerade klargestellt hat, ist in den nächsten Jahren im Unternehmen allenfalls mit einer Untervermietungsquote von um die zehn Prozent zu rechnen. Untervermietungen im Warenhaus sind grundsätzlich nichts Neues. Jeder kennt doch bei Karstadt zum Beispiel Schlüsseldienste, Zeitschriftenläden, Friseursalons oder Bäckereien. Der Unterschied ist jetzt nur das systematische Vorgehen, um erstens das Angebot für die Kunden um Dinge zu ergänzen, die wir selbst nicht anbieten können, und zweitens durch interessante Mieter das Warenhaus insgesamt attraktiver zu machen. Und wir wollen auch Mieteinnahmen erzielen. Wenn wir durch die passenden Mieter zusätzlich Frequenz in unsere Warenhäuser bekommen, ist das doch eine Chance, auch selbst mehr Umsatz zu machen.

Welche Anbieter wären denn für Ihr Haus hier in Lüneburg interessant?
Wedler: Wir haben zum Beispiel schon seit langem Apollo-Optik, den Friseur HairExpress, den REWA TimeCheck Uhrenservice und das Buchangebot von Hugendubel. Ob weitere Angebote hinzukommen, wird sich zeigen. Bei der Entscheidung, welcher Partner und wie viele sinnvoll sind, geht es ausschließlich darum, was die Kunden am jeweiligen Standort wollen und wie das Wettbewerbsumfeld aussieht.

Die neue Karstadt-Devise lautet „Alles unter einem Dach“. Vor fast drei Jahren haben Sie den Bereich Multimedia geschlossen. War das ein Fehler?
Wedler: Nein. Insgesamt betrachtet war das für unser Haus sogar ein Riesenschritt nach vorn, weil wir uns auf das konzentrieren, worin wir gut sind. Mit Blick auf den Wettbewerb hier in Lüneburg glaube ich nicht, dass den Kunden aus diesem Bereich etwas am Standort fehlt.

Wer hier in Lüneburg durch Karstadt schlendert, bekommt den Eindruck, dass nicht nur weniger Kunden, sondern auch weniger Personal da ist. Von wie vielen Mitarbeitern haben Sie sich in den vergangenen Jahren trennen müssen?
Wedler: Die Personalanpassung um 20 Vollzeitbeschäftigte war nötig, um zur Gesundung des Unternehmens beizutragen. Außerdem haben wir durch die Auflösung des Bereichs Multimedia einen deutlichen Überhang im Hause gehabt. Ein solcher Schritt tut weh, und ich bin froh, dass wir die Anpassung sozialverträglich lösen konnten. Ich bin dankbar, dass meine Mannschaft diese Entscheidung mitgetragen hat und in den vergangenen 12 bis 15 Monaten mit den Anforderungen der Neustrukturierung unserer Arbeitsabläufe gewachsen ist. Wir arbeiten künftig in drei Teams: Profis für die Kasse, den Verkauf und den Warenservice. Insgesamt gewinnen wir dadurch Zeit für den Kunden.

Karstadt war lange Zeit unangefochtener Platzhirsch und der Magnet, wenn es ums Einkaufen in Lüneburg geht. Jetzt haben Sie nicht nur durch das Internet, sondern auch direkt hier am Markt durch P&C Konkurrenz bekommen. Trifft Sie das?
Wedler: Nein. Konkurrenz belebt das Geschäft. Und wenn Sie das Sortiment mit unserem vergleichen, werden Sie Unterschiede feststellen.

Welchen Stellenwert hat Lüneburg im Karstadt-Gesamtkonzept? War dieser Standort jemals ein Wackelkandidat bei der geplanten Schließung von Filialen?
Wedler: Aber nein. Wir sind ein sehr wichtiger Baustein. Wir gehören unternehmensweit bei den Häusern unserer Größenordnung zu den Top Ten. Durch die neue Verbundstruktur haben wir jetzt sehr viel mehr Einfluss auf Entscheidungen als früher. Wir werden von der Filiale in Braunschweig aus gesteuert. Das sind kurze, schnelle Wege.

Wie wollen Sie die He­rausforderungen durch neue Anbieter in der Stadt und das Internet denn künftig meistern?
Wedler: Wir setzen auf lokale Stärke: Wir haben das Ohr an unseren Kunden und feilen ständig an unserem Sortiment. Ein Beispiel: In den nächsten Wochen gibt es Neues im Damenoberbekleidungsbereich. Online sind wir übrigens auch präsent: Der Online-Shop ist mit der Filiale verknüpft. Sie können im Internet bestellte Ware in der Filiale hier abholen oder umtauschen.

Mit der Aufgabe des Bettenhauses haben Sie den früheren Expansionskurs in Lüneburg zurückgedreht. Gibt es weitere Überlegungen in diese Richtung?
Wedler: Wir haben eher zu viel als zu wenig Platz. Warenhäuser sind früher mit weiträumigen Verwaltungs- und Logistikbereichen gebaut worden, die wir heute nicht mehr brauchen. Diesen Platz nutzen wir heute besser. Wir haben das Sortiment, das es im Bettenhaus gab, nicht aufgegeben, sondern eine Bündelung betrieben, indem wir die verschiedenen Bettwaren zur Bettwäsche hinzugefügt haben.

Was passiert jetzt mit der freigewordenen Fläche?
Wedler: Zurzeit ist es Lagerfläche, und die Fläche – wir sprechen von rund 230 Qua­dratmetern – brauchen wir für Saisonabteilungen wie Spielwaren, die sich von den Weihnachts- zu den Sommersortimenten verändern. Das wäre ein Kandidat, den man möglicherweise zur Disposition stellen kann.

Wie sieht die weitere Personalentwicklung hier am Standort aus?
Wedler: Wir haben einen Status erreicht, auf den wir aufbauen können. So haben wir hier jetzt eine Spezialisierung vorgenommen und ein Kassenteam, ein Warenserviceteam und ein Verkaufsteam geschaffen. Letzteres soll künftig ausschließlich für den Kunden da sein, ohne Nebenarbeiten wie Warenvorbereitung.

One comment

  1. Das gesamte Modekonzept von Karstadt müsste überdacht werden. Das Angebot ist HAUSBACKEN. Bitte machen Sie einen Besuch bei P& C und sehen sich dort Konzept und Preise an. Personalabbau ist auf keinen Fall eine Lösung. Karstadt ist beliebt wie eh und je und muss auf jeden Fall in Lüneburg bleiben!