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Jeden Morgen macht sich Lüneburgerin Lisa-Marie Bolz auf den Arbeitsweg nach Hamburg und hinein in den stockenden Verkehr auf der A 39. Foto: kg
Jeden Morgen beginnt für Lüneburgerin Lisa-Marie Bolz der Tag mit Stau und stockendem Verkehr auf der A 39 Richtung Hamburg. Foto: kg

Staureport: Der morgendliche Gruß von der A 39

kg Maschen/Winsen. Frühes Aufstehen und wartende Kollegen kennt Lisa-Marie Bolz nur zu gut, seitdem sie auf dem Weg zur Arbeit wieder jeden Morgen bis zu zehn Kilometer stockenden Verkehr bewältigen muss. Die Lüneburgerin arbeitet als Bankkauffrau in Hamburg-Eppendorf und passiert auf ihrem Arbeitsweg täglich die Bauarbeiten auf der A 39 zwischen den Anschlussstellen Maschen und Winsen-West. Da die Anfahrt mit Bus und Bahn noch länger dauern würde, stellt sich die 25-Jährige jeden Morgen mit Tausenden anderen Autofahrern in die Blechkolonne Richtung Hamburg. Auf LZonline berichtet sie eine Woche lang von ihren Erlebnissen auf der A 39 und davon, wie die Dauerbaustelle ihren Alltag beeinflusst.

Freitag
Ich bin vor genau einer Stunde losgefahren und stehe jetzt auf dem Parkplatz meiner Firma – das ist die absolute Bestzeit für diese Woche! Nun war ich heute sehr spät dran, ich bin erst gegen 8.30 Uhr aus Lüneburg gestartet. Der Grund, warum es so gut lief, war meiner Meinung nach aber die neue Spurführung an der Baustelle.
Seit heute verläuft der Verkehr beider Richtungen auf der Fahrbahn Hamburg Richtung Lüneburg. Für meinen Weg zur Arbeit bedeutet das immer noch eine einspurge Fahrbahn entlang der Baustelle, aber die Auffahrt Maschen ist jetzt gesperrt und so kommen keine Autos mehr dazu, die sich in die Kolonne einfädeln müssen. Obwohl wirklich viele Autos unterwegs waren, sind wir also alle konstant mit 60 km/h in einer Reihe durch das Nadelöhr gefahren.
Ich habe natürlich trotzdem das Navi angemacht. Das tue ich immer, egal wie es läuft, um die angesagte Stau-Länge und die voraussichtliche Ankunftszeit im Blick zu haben. Und tatsächlich gab es keine Stau-Meldung für diesen Abschnitt der A 39!
Ich meine, heute auch schon einige Baustellen-Fahrzeuge mehr also sonst gesehen zu haben. Es soll ja nun auch endlich losgehen mit der Erneuerung der Strecke Lüneburg Richtung Hamburg. Ich bin gespannt. Einen guten Start ins Wochenende wünscht Lisa-Marie Bolz
Donnerstag
Mein Freund braucht heute Abend das Auto, um zum Training zu fahren. Dafür muss ich um 16 Uhr zurück in Lüneburg sein. Also bin ich heute bereits um 5 Uhr aufgestanden, um entsprechend früher zur Arbeit zu fahren und mein Pensum zu schaffen. Um 6.15 Uhr ging es auf die Autobahn. Es wurde gerade erst hell und ich finde das Fahren bei Dunkelheit vor allem bei dem Wetter deutlich anstrengender.
Dafür kommt man um so schneller durch die Baustelle! Es gibt viel weniger Rückstau und das Einfädeln klappt besser. Ich hatte den Eindruck, als seien um diese Zeit vor allem Pendler auf der Straße, die nicht so auf den letzten Drücker losfahren wie diejenigen, die man eine Stunde später hier trifft. Alles läuft entspannter und es sind noch mehr Handwerker unterwegs. In einer Stunde und zehn Minuten war ich in der Firma – das ist kaum länger als zu Normalzeiten. Trotzdem, ich bin einfach kein Frühaufsteher und das frühe Losfahren ist keine Option für jeden Tag, sonst bin ich nur noch müde.
Nun bin ich gespannt auf die Rückfahrt am Nachmittag, da rechne ich heute mit mehr Problemen als sonst, wenn ich erst zwischen 17 und 18 Uhr durch die Baustelle fahre. Aber erstmal wird gearbeitet! Es grüßt Lisa-Marie Bolz
Mittwoch
Eigentlich waren heute gar nicht so viele Fahrzeuge auf der Straße, aber an der Anschlussstelle Maschen standen wir natürlich trotzdem wieder. Regelmäßig versuchen drei bis vier Autos gleichzeitig, sich von der Zufahrt in eine Lücke auf der A 39 zu drängeln. Einer hatte es heute ganz besonders eilig und wollte unmittelbar von der Auffahrt auf die Autobahn wechseln, noch über die durchgezogene Linie. Das Lenkrad hatte er in der einen, sein Frühstücksbrötchen in der anderen Hand. Da kam alles plötzlich zum Halt. Deshalb fahre ich im Stau auch immer eher vorsichtig. Es passiert so häufig, dass sich ein plötzliches Bremsen nicht vorher ankündigt.
Ich bin trotzdem sehr gut durchgekommen, in 15 Minuten hatte ich die Baustelle passiert. Das ist auch für den Rest meiner Strecke nach Hamburg-Eppendorf super. Denn wenn ich auf der A 39 viel Zeit verliere und dadurch erst später nach Hamburg reinfahre, staut es meist auch dort. Heute bin ich früh dran und dann läuft es in der Regel auch in der Innenstadt gut.
Allen eine gute Fahrt, Lisa-Marie Bolz
Dienstag
Heute Morgen war es mit dem Verkehr nicht ganz so schlimm. Ich bin wie gestern um 06.45 Uhr von Lüneburg aus gestartet, habe aber insgesamt nur 20 Minuten durch die Baustelle gebraucht und bin somit deutlich früher bei der Arbeit. Das gibt mir Aufwind für den ganzen Tag!
Auch für heute Abend steht nichts mehr auf dem Programm. Ich kann mein Pensum auf der Arbeit also ganz entspannt erledigen und muss dabei nicht ständig auf die Uhr schauen.
Nur der Fahrer hinter mir hat mich heute früh nervös gemacht. Das war ein junger Typ, der die ganze Zeit mit seinem Handy gespielt hat. Dementsprechend guckte er beim Fahren immer nach unten und der Abstand zwischen seinem und meinem Auto wechselte abwechselnd zwischen 500 Metern und fünf Zentimetern. Ich hing also mit den Augen ständig am Rückspiegel, in Sorge, dass es gleich von hinten kracht. Aber zum Glück ist alles gut gegangen.
Es grüßt von der A 39 Lisa-Marie Bolz
Montag
Stau-Montag auf der A 39. Ab Winsen-Ost ging es nur noch mit 20 km/h voran, aktuell habe ich 45 Minuten Verzögerung. Das Radio verkündet drei Kilometer Stau. Das stimmt vielleicht, wenn man die Strecken zusammenzählt, an denen die Autos wirklich stehen. Addiert man die Abschnitte mit stockendem Verkehr, kommt man mindestens auf das Dreifache.
Ein interessanter Vorausfahrer hat mir die Zeit vertrieben: Ein voll besetzter Handwerker-Bulli, der pausenlos von links nach rechts gependelt ist, in der Hoffnung, das Stauende bald zu erblicken.
Ich habe mich von unterwegs kurz im Büro gemeldet. Das tue ich nur, wenn es wirklich deutlich später wird, so wie heute. Zum Glück zeigen alle Verständnis. Auch ich bin eigentlich schwer zu nerven, aber der Baustellen-Stau bewirkt, dass ich unterschwellig die ganze Zeit gestresst bin, weil mein ganzer Tagesablauf verzögert ist. Heute hat außerdem mein Freund Geburtstag und wir wollen abends essen gehen. Aus gutem Grund haben wir uns erst zu 20 Uhr verabredet, denn die Zeit, die ich morgens zu spät zur Arbeit komme, muss ich abends dranhängen. Und dann noch die Rückfahrt.
Inzwischen bin ich kurz vor Harburg und der Verkehr läuft wieder. Einen guten Wochenstart wünscht Lisa-Marie Bolz

 

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14 Kommentare

  1. Die ersten 10 Minuten verliert man schon, wenn man von Bardowick aus auf die A39 möchte ab 7:30 Uhr. Dort staut es sich auch täglich.

    • In den 10 Minuten könnten sie längst an der Anschlussstelle Handorf sein. Da hätten sie dann schon 3-4 Km Autobahn hinter sich und müssten sich zudem nicht über einen Stau ärgern. Wie wär’s? Einfach mal versuchen. Es schont die Nerven.

      • So ein Quatsch – ich fahre täglich nach Reinbek über das Geesthachter Nadelöhr. Spätestens ab der Abfahrt von zu Hause nach 6:15 habe ich vor der AB-Abfahrt auf die A25 8 km Stop-and-go, weil durch die A39-Situation natürlich viele diesen Weg fahren

        • Sie haben den Hinweis von „Heidi“ eindeutig nicht vollumfänglich verstanden – es geht um die Auffahrt „Handorf“ auf die A39 Richtung Hamburg. Anstatt von Bardowick Richtung Lüneburg im Stau zu stehen, schlägt die pfiffige Dame vor, in die andere Richtung zu starten und dann via o.g. Anschlussstelle auf die A39 zu fahren. Ich halte das nicht für „Quatsch“! Also: Erst kieken, dann quieken!

  2. Habe keine Probleme, ich starte morgens um ca. 06:00 Uhr nach Hamburg und nachmittags gegen 14:30 Uhr wieder zurück. Stau habe ich bisher noch nicht erlebt. Bei der letzten großen Maßnahme ebenfalls alles gut. Zur Not kann man auch Winsen Ost die A39 verlassen und in Tieshope auf die A7 fahren. Funktioniert auch ganz gut, wenn die A39 wirklich mal dicht ist.

  3. Ich fahre immer bis Winsen West, dort dann ab und über Ashausen und Stelle quasi die Nebenstrecke bis Maschen. Dort dann wieder auf die A 39 und weiter geht’s. So dauert mein Weg morgens nur 10 Minuten länger. Funktioniert morgens um 6 Uhr eigentlich ganz gut.

  4. Ganz einfache Lösung: Die verwöhnten Büroangestellten sollten einfach mal „morgens“ losfahren und nicht am Mittag. Um 5.00 Uhr ist alles frei und keine Spur von Staus.

  5. @Maria: Das funktioniert nicht, wenn sie bis 7:30 Uhr ihre Kinder betreuen müssen, ehe die zur Schule gehen.

  6. Mich ärgert dass Kilometer lange Strecken gesperrt sind wo (noch) nicht gebaut wird. Vor ca. Einem Monat wurde Richtung Hamburg noch gar nicht gebaut und der Linke Fahrstreifen war gesperrt.

  7. Hallo Mitleidende, haben Sie sich schon einmal gefragt, warum derzeit an der Auffahrt Maschen der Verkehr von Süden, also Lüneburg/Winsen, nur einspurig vorbeigeführt wird? Das ist der Hauptgrund für den Stau. Der einfädelde Verkehr aus Maschen hindert den Verkehrsfluss. Und das ohne ersichtlichen Grund. Die Baken hätten auch südlich der Auffahrt Maschen aufhören können und/oder der Lüneburger Verkehr hätte auf die linke Fahrspur geleitet werden können. Den Vorschlag habe ich der Nds. Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr telefonisch gemacht. Leider fand dieses kein richtiges Gehör.

    • Johann Johanssen

      Das ist mir auch aufgefallen. Der Stau wird genau dadurch ausgelöst. Aber wenn ich es richtig gesehe habe, wird die Strecke Richtung HH auf die Gegenfahrbahn verlegt und erst nach der Auffahrt Maschen wieder rüber geführt. Damit wären die Autos aus Maschen bereits auf der Autobahn. Ich frag mich nur, ob sich die Autos aus WL & LG problemlos nach rechts einordnen, um auf die A1 zu kommen oder das gleich Problem nur umgekehrt auftaucht?!

      • Das Problem ist beim letzten Bauabschnitt genauso gewesen. Warum man die Auffahrt Maschen entweder sperrt, oder in zweispurig ab Maschen macht ist mir schleierhaft. Der Standstreifen und die rechte Fahrbahn sind ausreichend breit. Warum denkt da keiner nach?

  8. Als Ausweichmöglichkeit steht die Elbfähre Zollenspieker-Hoopte zur Verfügung.

    Viele Berufspendler nutzen unsere Fährverbindung von Niedersachsen/ Hoopte nach Hamburg/ Zollenspieker