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Danika Budde (l.) und Svenja Schiller ermitteln in Sachen Fahrrad-Klau. Die Polizistinnen raten zu massiven Schlössern, denn ein Stahlseil ist mit einem Bolzenschneider schnell durchtrennt. Foto: t&w
Danika Budde (l.) und Svenja Schiller ermitteln in Sachen Fahrrad-Klau. Die Polizistinnen raten zu massiven Schlössern, denn ein Stahlseil ist mit einem Bolzenschneider schnell durchtrennt. Foto: t&w

Lüneburg: Fahrraddiebe haben Konjunktur

ca Lüneburg. Die Polizei Lüneburg konnte sich genau anschauen, wie die beiden Diebe vorgingen: Mit einer Akku-Flex schnitt einer der Täter das massive Schloss einfach durch. „Das dauerte zwei Sekunden“, sagt Oberkommissarin Danika Budde. „Die hat weder der Krach noch der Funkenflug gekümmert.“ In der Nacht haben sie im Fahrradparkhaus am Bahnhof offenbar nicht damit gerechnet, dass sich jemand an ihrem Treiben stört. Einmal verschwanden sie mit vier, ein anderes Mal mit zwei Rädern. Die Täter waren vermummt, aber ihre Kleidung ist auf dem Überwachungsvideo gut zu erkennen. Es hat gedauert, doch inzwischen ermittelt die Polizei gegen die beiden und einen 17-Jährigen. Der sitzt wegen verschiedener Delikte inzwischen in Untersuchungshaft.

Immer mehr Fahrräder werden gestohlen. Der Höhepunkt lag im Jahr 2009, da kamen in Stadt und Kreis 1400 Räder weg. Als die Polizei Kontrollen und Prävention verstärkte, sank der Wert auf rund 900 im Jahr 2011, vergangenes Jahr waren es wieder 1077. Auch die Aufklärungsquote hat sich dramatisch verschlechtert, von 30 auf 15 Prozent. Eine Erklärung: Als im Kommissariat Eigentumsdelikte eine „Ermittlungsgruppe Rad“ angesiedelt wurde, bestand sie aus vier Beamten, sie schrumpfte auf zwei Polizisten – Personalmangel. Polizeichef Hans-Jürgen Felgentreu und seine Mitarbeiter mussten andere Prioritäten setzen: Großprozesse um die russische Mafia, einen blutigen Streit zweier kurdischer Familien und das Auschwitzverfahren kosteten im vergangenen Jahr Kapazitäten.

Es gibt drei Tätergruppen: Kneipenbesucher, die sich ein Rad für den Heimweg schnappen; Drogenabhängige, die ihre Sucht finanzieren; und Profis, die oft für Serien verantwortlich sind.

Nun sollen die Fahrrad-Ermittler wieder Zuwachs bekommen, berichtet Polizeisprecher Kai Richter. Verstärkt will die Polizei zudem in Zusammenarbeit mit der Bereitschaftspolizei wieder auf Kontrollen setzen.

Danika Budde und ihre Kollegin Svenja Schiller haben es als Ermittlerinnen mit drei Gruppen von Tätern zu tun: Da gibt es die, die sich irgendwo ein Rad klauen, um von der Disco oder der Kneipe aus nach Hause zu strampeln, und es dann ins Gebüsch werfen. Dazu kommen Drogenabhängige, die alles Mögliche stehlen, um ihre Sucht zu finanzieren.

Die dritte Gruppe ist schwer zu fassen: professionelle Täter. Gerade erst gab es eine Serie in Rettmer. Diebe sind in ein Dutzend Schuppen eingebrochen und haben knapp zwanzig Räder gestohlen.

Es ist nicht die erste Serie dieser Art, im November gab es eine ähnliche im Moorfeld. Aus Sicht der Ermittlerinnen müssen die Kriminellen selbstsicher sein, denn das Entdeckungsrisiko in einem Wohngebiet ist hoch. Fest steht für die Kommissarinnen auch, dass die Täter mit Transportern vorfahren, um die Beute abzutransportieren. In solchen Fällen kommen zumeist hochwertige Räder weg, der Schaden geht in die Tausende.

Dass es eine kriminelle Szene gibt, die sich auf den Rad-Klau spezialisiert hat, steht für das Duo Budde/Schiller außer Frage. Dafür sprechen Anzeigen in Internet-Portalen, in denen hochpreisige Fahrräder angepriesen werden. Die Polizei stellte auch schon Räder sicher, die aus Köln und Hannover stammten – die Täter scheinen also mobil zu sein. Doch die Polizei kommt nicht in dieses Milieu hinein.

Tipps für Fahrrad-Besitzer

Die Ermittlerinnen raten Fahrradbesitzern, ihr Vehikel codieren zu lassen und grundsätzlich anzuschließen, also an einem Bügel oder an ein zweites Rad. Alles, was das Wegtragen schwierig mache, sei von Vorteil. Auch zu Hause im Carport oder im Schuppen sollten Räder angeschlossen werden, Einbrecher plündern Unterstände. Die Polizei bietet regelmäßig Codieraktionen an. Die Termine veröffentlicht die LZ. Da kann man sich auch informieren, welches Schloss guten Schutz bietet.

Im Internet hilft der Speichenkommissar auf www.speichenkommissar.de. Da kann der Bürger sein Rad ebenfalls eintragen, Rahmennummer und Besonderheiten vermerken. Für die Polizei sind die Eintragungen sinnvoll, weil sie bei Kontrollen schnell feststellen kann, ob der rechtmäßige Besitzer mit seinem Rad unterwegs ist oder eben ein Dieb.