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Baugebiete wie dieses auf dem Gelände der früheren Wittenberger Bahn in Lüneburg sind sehr begehrt  solange sie den Wünschen der Käufer gerecht werden. Foto: phs
Baugebiete wie dieses auf dem Gelände der früheren Wittenberger Bahn in Lüneburg sind sehr begehrt solange sie den Wünschen der Käufer gerecht werden. Foto: phs

Lüneburg: Ostkreis nur wenig attraktiv

us Lüneburg. Ob Lüneburgs Nähe zu Hamburg mehr Vorteile als Nachteile hat, ist mit Blick auf den Immobilienmarkt stets auch eine Frage des Standpunkts. Während die einen steigende Mieten beklagen, erfreuen sich die anderen an den Wertsteigerungen ihrer Häuser und Eigentumswohnungen. Die Bedeutung Hamburgs für den hiesigen Immobilienmarkt hob jetzt auch Regina Trope vom Immobilienmakler Grossmann & Berger hervor. Dessen Lüneburger Filiale hatte erneut zu einem Stelldichein Lüneburger Makler und Investoren beim dritten „Marktfrühstück“ eingeladen.

„Alles, was mehr als 30 bis 40 Minuten zwischen Wohnort und Arbeitsplatz in Hamburg braucht, fällt raus“, machte Regina Trope vor den rund 40 Gästen deutlich, die in die Event-Etage des Modehauses Roy Robson am Markt gekommen waren. Denn es seien vornehmlich Arbeitnehmer aus Hamburg, die wegen der steigenden Mieten und Immobilienpreise in der Elbmetropole den Wechsel nach Lüneburg oder gut erreichbare Randgemeinden planten. Die A39 und die schnelle Metronom-Verbindung nach Hamburg trage daher wesentlich dazu bei, dass Lüneburg sich auf dem Immobilienmarkt weiter gut entwickelt, ließ die Vertriebsleiterin die Anwesenden wissen. Doch es gelte auch der Umkehrschluss: Immobilien, die diese Kundenwünsche nicht erfüllten, hätten kaum eine Chance, ähnliche Wertsteigerungen wie vergleichbare Objekte in Lüneburg zu erfahren. Während Randgemeinden wie Adendorf noch mit dem Lüneburger Niveau mithalten könnten, „wird alles östlich von Barendorf weiter an Attraktivität verlieren“, brachte Trope die Situation auf den Punkt.

Verstärkt werde dieser Effekt zudem durch Ältere, die den Wechsel aus Gemeinden des Landkreises nach Lüneburg planten und dazu ihr Eigenheim zum Kauf anbieten. Doch die dabei erzielten Preise reichten häufig nicht aus, eine adäquate Eigentumswohnung in Lüneburg zu erwerben.

Dass der Lüneburger Immobilienmarkt weiter attraktiv ist, machte Trope an aktuellen Zahlen des Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Landkreis Lüneburg fest: So hat der Durchschnitts-Gesamtkaufpreis pro Kaufvertrag in 2015 mit 228761 Euro einen neuen Höchststand erreicht. Zugleich gab es eine Verschiebung bei der Verteilung des Geldumsatzes. Während der Anteil der Ein- und Zweifamilienhäuser von 46,1 Prozent in 2014 auf 38,5 Prozent in 2015 schrumpfte, stieg parallel der Anteil der Mehrfamilienhäuser von 6,7 auf 15,0 Prozent. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 1620 Verträge mit einem Volumen von rund 358 Millionen abgeschlossen, im Jahr zuvor waren es 1503 Verträge mit einem Umfang von 297 Millionen Euro.

Einen Zuwachs von sechs Prozent gab es auch bei den Durchschnitts-Quadratmeter-Kaufpreisen bei Ein- und Zweifamilienhäusern ab Baujahr 2012/2013. Dieser kletterte von 2445 Euro in 2014 auf 2602 Euro in 2015. Dass diese Werte auch in absehbarer Zeit noch steigen werden, machte die Vertriebsleiterin mit Blick auf ausgewählte Neubauprojekte in Lüneburg deutlich. So wurden im Speicherquartier Verkaufspreise bis 3540 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche erzielt, im Hanseviertel bis 4300 Euro. Zu den Spitzenreitern gehören Neubauprojekte wie die „Lessing Residenz“ im Roten Feld. Hier mussten bis zu 5000 Euro pro Quadratmeter auf den Tisch gelegt werden. Und auch das Neubaugebiet Ilmenaugarten gehört mit bis zu 4200 Euro zu den Lüneburger Favoriten. Dass selbst diese Lage unweit der Bahntrasse Hamburg-Hannover gut angenommen wird, zeigt sich daran, dass die geplante Riegelbebauung parallel zur Bahnstrecke bereits komplett verkauft ist, wie Jürgen Harms von der Hamburger Sparkasse erklärte.

Ob das von der Stadt geplante Wohnungsbauprogramm bis 2021 sollen in Lüneburg 2100 neue Wohnungen entstehen, um Druck aus dem angespannten Mietwohnungsmarkt zu nehmen auch für eine Entspannung auf dem Immobilienmarkt sorgen wird, vermochte die Immobilien-Expertin nicht zu sagen: „Ob die Wohnungen bis dahin überhaupt gebaut sind, muss sich erst noch zeigen.“