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Udo Maschmann erledigt einen eiskalten Job: Bei schneidendem Wind hängt der Feinmechaniker Glocken in den Rathausturm und bringt mit seinem Kollegen Michael Dieckmann die elektrische Anlage wieder zum Laufen. Foto: t&w
Udo Maschmann erledigt einen eiskalten Job: Bei schneidendem Wind hängt der Feinmechaniker Glocken in den Rathausturm und bringt mit seinem Kollegen Michael Dieckmann die elektrische Anlage wieder zum Laufen. Foto: t&w

Das Glockenspiel kehrt auf den Rathausturm zurück + + + Mit Video

ca Lüneburg. Der Wind bläst schneidend durch den Rathausturm, der Regen und manchmal ein paar Schneeflocken machen es droben noch ungemütlicher — ein mistiger Job, den Udo Maschmann und Michael Dieckmann erledigen. Der Feinmechaniker und der Monteur für Turmuhren bringen den Lüneburgern das Glockenspiel zurück. Am Montag bauten sie mit Kollegen einen neuen Glockenstuhl, also die Aufhängung, ein, jetzt folgen die 41 Glocken aus Meißener Porzellan. Dieckmann sagt: „Ich denke, Freitag werden wir fertig.“

Am Mittwoch hatte die Stadt zum Höhen-Ausflug eingeladen, um Lüneburgs klingende Botschaft zu präsentieren. Oder besser, die Vorbereitungen dafür. Drei Walzen für Frühling, Sommer und Herbst spielen morgens, mittags und abends Weisen des Lüneburger Komponisten Johann Abraham Peter Schulz, darunter seine berühmteste, „Der Mond ist aufgegangen“.

Wie berichtet, war der Glockenstuhl in die Jahre gekommen. Die Stadt hat das alte morsche Gebälk gegen ein neues aus Eiche ersetzen lassen. Mit der alten Holz-Version gab es Misstöne, weil die Balken verzogen und gerissen waren, die Glocken hingen schief. Im Herbst wurde alles abgebaut, Zeit für eine Erneuerung.

„Vom alten Stuhl war nichts mehr zu retten“, sagt Dieckmann. „Es war ein weiches Holz, jetzt ist es Eiche, die hält länger.“ Die Glocken seien gereinigt worden, erzählt der 59-Jährige. Zudem habe man, wie jedes Jahr, das Leder der Anschlaghämmer ausgetauscht

Sein Kollege Maschmann hängt derweil eine Glocke ein. Der 55-Jährige ist durchgefroren, er bedauert mit Blick auf den quatschnassen Himmel: „Wir hatten hier schon schöneres Wetter.“ Immerhin ist der Ausblick über die Dächer der Stadt eine Entschädigung.

Sarah Cramer von Clausbruch vom Pressereferat der Stadt berichtet, dass der veranschlagte Kostenrahmen von 40000 Euro eingehalten wurde. Es gibt aber eine große technische Veränderung. Der alte Glockenspieltisch, der zwei Etagen tiefer am Fürstensaal steht, wird künftig nicht mehr benötigt. Statt der Walzen kommt nun digitale Technik für die Steuerung zum Einsatz, die könne für knapp 100 Lieder programmiert werden. Lüneburg könnte also noch vielfältiger klingen.

Das Glockenspiel wurde 1956 anlässlich der Tausendjahrfeier in den Turm gehängt. Über Winter muss es schweigen: Wenn Reif und Frost auf den Porzellanglocken liegen, würden sie bei Anschlägen durch die Klöppel zerspringen. Noch ist nicht ganz klar, wann die alten Lieder wieder über die Stadt wehen — Petrus muss bessere Laune bekommen.