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Typisch Marschacht, weiter Blick über die Elbe auf den Geestrücken. Am anderen Ufer ist Geesthacht zu erkennen. Einst gehörten beide Orte zusammen, bis im 13. Jahrhundert eine Sturmflut die Elbe in ihr altes Bett zurücktrieb, der Mutterort Hachede in den Fluten versank. Foto: sel
Typisch Marschacht, weiter Blick über die Elbe auf den Geestrücken. Am anderen Ufer ist Geesthacht zu erkennen. Einst gehörten beide Orte zusammen, bis im 13. Jahrhundert eine Sturmflut die Elbe in ihr altes Bett zurücktrieb, der Mutterort Hachede in den Fluten versank. Foto: sel

Sturmflut ließ alte Siedlung Hachede versinken

sel Marschacht. Zwei Orte an der Elbe feiern demnächst ihr 800-jähriges Bestehen: Geesthacht und Marschacht. Sie könnten ihre Geburtstagssause auch gemeinsam begehen, denn tatsächlich waren die beiden Orte ursprünglich einer: 1216 wird Hachede erstmals in einer Urkunde erwähnt. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts dann entsteht am nördlichen Ufer Gesthachede, was zunächst noch „Hacht“ genannt wird. Der Begriff „Gesthachede“ ist aus dem Jahr 1402 überliefert. Gegenüber von Geest-Hacht liegt Marsch-Hacht, wobei der Begriff „Hacht“ so viel bedeutet wie das „Gehegte, Umzäunte“. „Wir hätten unser Jubiläum gerne mit Geesthacht zusammen gefeiert“, erklärt Marschachts Bürgermeister Claus Eckermann. „Schade, dass es nicht klappt.“

Aber auch im Alleingang hat Eckermann mit einem zwölfköpfigen Arbeitskreis einige Jubiläumshöhepunkte vorbereitet. Los geht es am 1. Mai mit dem traditionellen Frühschoppen der Feuerwehr, der im Laufe des Tages zu einer Art Dorffest mit Musik und Verpflegung werden soll. Gemeinsam mit Ortsbrandmeister Matthias Dittmer will Eckermann auf dem zentralen Küsterplatz einen Stein enthüllen, der mit einer Zeichnung von Karl-Heinz Guseck versehen ist: Die Zeichnung zeigt den einstigen Standort des Mutterortes Hachede (heute in der Elbe) und der beiden Töchterorte Geesthacht und Marschacht, letzterer mit seiner Aufteilung in Nieder- und Obermarschacht.

Die eigentliche Festveranstaltung steigt am 12. Juni in der Petri-Kirche. Dort wird Ilona Johannsen die spannende Geschichte Hachedes beleuchten, dessen Teil Obermarschacht seit dem 13. Jahrhundert zum Herzogtum Sachsen-Lauenburg gehörte — und zwar infolge einer Lösegeldzahlung für den gefangenen Herzog Otto. Nieder- oder Untermarschacht blieb im Eigentum des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg. „Bis zur Gebietsreform im Jahr 1972 verlief die Grenze zwischen dem Landkreis Harburg und dem Landkreis Lüneburg durch Marschacht, genauer gesagt bildete die Fährstraße die Grenze zwischen den beiden Landkreisen“, berichtet Eckermann.

Mit diesen und anderen interessanten Details der Hacheder Geschichte werden sich die Grundschüler im Rahmen einer Projektwoche beschäftigen. Unter Federführung ihres Schulleiters Axel Kliemann werden sie ihre Resultate am 12. Juni präsentieren. Außerdem legen Eckermann und seine Mitstreiter aus den örtlichen Vereinen, Verbänden und der Kirchengemeinde eine Broschüre auf, die die unterschiedlichen Themenbereiche des Ortes — von der Landwirtschaft über Handel, Gewerbe und Kunst bis hin zur Infrastruktur — behandelt. Eckermann, der neben seiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Bürgermeister Vermessungstechniker bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau ist, wird das Thema Straßenbau beackern. „Erst im Jahr 1908 wurde die Straße durch unseren Ort gebaut. Bis dahin fuhr man auf dem Deich“, verrät er ein Detail.

Aber wodurch und wann ist es eigentlich zu der „Entzweiung“ Hachedes gekommen? Wahrscheinlich geht sie auf eine Sturmflut im Jahre 1248 zurück, von der der zeitgenössische Chronist Albert von Stade berichtet. Sie hat sich in der Nacht vom Allerkindleinstag, also am 28. Dezember, ereignet. Bis dahin lagen Hachede, genauso wie die Dörfer Avendorf, Tespe, Rönne, Schwinde, Krümse und Stove, allesamt nördlich der Elbe. Durch die Sturmflut wurde der mächtige Fluss in seinen ursprünglichen Hauptarm zurückgetrieben — und der zerteilte die Ortschaft Hachede, ließ die alte Kirche in seinen Fluten versinken. Wahrscheinlich stand das Gotteshaus, das womöglich durch Karl den Großen als christliches Zentrum der Missionierung gegründet worden war, da, wo heute das Seniorenheim lokalisiert ist. Die Sturmflut hinterließ ein rund ein Hektar großes Brack. Außer der Kirche wurden zahlreiche Häuser weggespült, „und auf beiden Ufern der Albia ertranken sehr viele Menschen“, so berichtete Albert von Stade. Nach dieser Naturkatastrophe siedelten sich viele Hacheder auf dem Nord­ufer im späteren Geesthacht an.

Erst 1428 taucht dann erstmals der Name Merschhachede auf. Die neue Kirche wurde zunächst in der Turmkuhle nahe dem Deichhaus errichtet, aber auch dort war sie zu sehr den Launen der Elbe ausgesetzt. Im Jahr 1615 wurde die Petri-Kirche, in deren Mauerwerk wahrscheinlich Back- und Feldsteine ihrer geschichtsträchtigen Vorgängerin verbaut wurden, eingeweiht. Und da der Ort zur einen Hälfte dem Herzogtum Sachsen-Lauenburg und zur anderen Hälfte den Lüneburgern gehörte, entstand zwischen beiden Herzoghäusern Streit um die Besetzung der Pastorenstelle. Man einigte sich erstaunlich fortschrittlich: Die Stelle wurde abwechselnd besetzt.