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48 Jahre lang war diese Postkarte unterwegs: Heike Doebler freut sich zwar über die verspätete Post, wundert sich aber auch, wie der Urlaubsgruß den Weg in ihren Briefkasten fand. Foto: t&w
48 Jahre lang war diese Postkarte unterwegs: Heike Doebler freut sich zwar über die verspätete Post, wundert sich aber auch, wie der Urlaubsgruß den Weg in ihren Briefkasten fand. Foto: t&w

Postkarte nach 48 Jahren angekommen

ap Lüneburg. Eine Urlaubskarte aus Goslar von zwei Jugendfreundinnen: Eigentlich nichts Ungewöhnliches für Heike Doebler jedoch schon. Denn der Urlaubsgruß wurde im Jahr 1968 abgeschickt, erreichte aber erst 48 Jahre später, also vor wenigen Tagen, den Briefkasten der Doeblers in Lüneburg.

„Das ist sehr mysteriös“, findet die 65-Jährige, denn die Postkarte, die ein Haus in der Innenstadt Goslars zeigt, steckte in einem Briefumschlag, darauf eine Briefmarke und ein Poststempel vom Briefzentrum in Hannover. Die Karte selbst ist mit einer ganz alten Adresse von Heike Doebler versehen. Und die Hausnummer wurde offensichtlich nachgetragen. „Auf dem Umschlag steht mein jetziger Name und meine richtige Adresse“, wundert sie sich. Denn zwei Jahre nachdem die Karte verschickt wurde, heiratete Heike Doebler, die damals Witt mit Nachnamen hieß, ihren Mann Ingolf und zog um. „Seitdem sind wir vier Mal innerhalb von Lüneburg umgezogen, von Hagen zum Kreideberg, dann nach Kaltenmoor, und in Deutsch Evern haben wir dann gebaut“, erzählt sie. Zu der Zeit, als die Karte verschickt wurde, sei sie 17 Jahre alt gewesen.

Mit den zwei Mädchen aus der Nachbarschaft hat Heike Doebler schon seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr. „Das letzte Mal habe ich die beiden Schwestern 1970 auf unserem Polterabend gesehen“, erinnert sie sich. Über die verspätete Botschaft freut sie sich deshalb umso mehr. „Wir waren damals viel zusammen in Diskotheken, es ist also lustig, dass die beiden in der Karte schreiben, sie wären mit zwei Jungs in Goslar feiern gewesen“, erzählt sie. Durch die Heirat habe man sich leider aus den Augen verloren, Interessen hätten sich geändert und „ich bin natürlich auch nicht mehr in die Disko gegangen“.

Ingolf Doebler hat schon Nachforschungen angestellt, für ihn ist absolut unverständlich, wie eine Ansichtskarte ohne Hausnummer im Nachhinein noch richtig vermittelt werden konnte. 40 Jahre hat er für die Post in Hamburg und Lüneburg gearbeitet, ein so altes Schreiben aber nie in der Hand gehabt.

„Hätte das Briefzentrum Hannover die Karte verschickt, wäre da eigentlich ein Einschreiben dabei gewesen“, erklärt er. Denn das sei eigentlich das Prozedere, wenn etwas stark verspätet bei der Post auftaucht. „Dem Einschreiben liegt dann der Sachverhalt für den Empfänger bei.“

Seine Vermutung: Vielleicht hat einer der alten Nachbarn die Karte in Empfang genommen und sie weiter verschickt. Nur zu gern würde das Paar erfahren, wie die Karte 48 Jahre zu spät ihren Weg in den richtigen Briefkasten fand.

Rat weiß auch Jens-Uwe Hogardt, Pressesprecher des zuständigen Postzentrums in Hamburg, nicht. Auch er findet die späte Zustellung der Postkarte ungewöhnlich. „Es gibt eine Ermittlungsstelle für unanbringliche Sendungen in Marburg, wenn der Empfänger beispielsweise nicht mehr identifizierbar ist. Dort wird aber mit öffentlichen Mitteln gearbeitet. Das ist auch die einzige Stelle, die die Briefe aufmachen darf. Wenn anhand des Inhalts allerdings nicht herauszufinden ist, wem das Schreiben zuzuordnen ist, wird es für sechs Monate aktenkundig gemacht und anschließend vernichtet.“

Und selbst wenn die Karte über Marburg zu Heike Doebler gelangt sei, würde auf dem Umschlag keine Briefmarke kleben. „Dort wird mit dienstlichen Umschlägen gearbeitet.“ Für Hogardt sei die einzig plausible Erklärung, dass eine Privatperson die Karte gefunden, sie in einen Briefumschlag getan und schließlich an den Adressaten gesandt hat. „Die neue Adresse lässt sich ja über das Melderegister herausfinden“, fügt er hinzu.