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Die Fahnen  wehen: Am 1. Mai ziehen anlässlich des Tags der Arbeit wieder Gewerkschafter durch Lüneburg. Foto: A/t&w
Die Fahnen wehen: Am 1. Mai ziehen anlässlich des Tags der Arbeit wieder Gewerkschafter durch Lüneburg. Foto: A/t&w

Die neue Kraft der Gewerkschaften

ca Lüneburg. Jahrelang litten Gewerkschaften an Auszehrung und dem Image der Verhinderer. Dieser Trend scheint aus ihrer Sicht gestoppt. Lüneburger Arbeitnehmervertreter berichten, dass sie sich inzwischen wieder über steigende Mitgliederzahlen freuen. Das gilt für den ver.di-Bezirkschef Matthias Hoffmann ebenso wie für Rainer Näbsch von der IG Metall und Rajko Pientka von der Gewerkschaft BCE. Es gibt für die Gewerkschafter also guten Grund, mit Zuversicht in den 1. Mai, den Tag der Arbeit, zu starten.

Pientka, der Arbeitnehmer in der Chemie- und Energiebranche vertritt, sagt: „Wir werden stärker, die Kollegen merken, dass Gewerkschaft bedeutet mitzumachen, um die eigenen Bedingungen in Unternehmen zu verbessern.“ Das gelte vor allem, da Arbeitgeber stärker auf einen konfrontativen Umgang setzten. Aktuell stehen Verhandlungen in der Kautschuk-Verarbeitung an, da geht es etwa um die New York-Hamburger-Gummiwaaren-Fabrik im Hafen, auch die Chemie-Sparte startet in den kommenden Wochen in neue Tarifverhandlungen, betroffen sind in Lüneburg beispielsweise der Autozulieferer Yanfeng, der Klebstoffspezialist Fuller und die Firma Lohmann, die sich unter anderem auf Futtermittel spezialisiert hat.

Auch Hoffmann weiß, dass ver.di von Konflikten profitiert: Die Streiks um eine bessere Eingruppierung und damit mehr Geld für Erziehungsberufe und Sozialarbeiter im vergangenen Jahr haben der Gewerkschaft mehr Mitglieder beschert: „In Tarifrunden merken Beschäftigte, dass sie mit uns nicht alleine stehen.“ Die Erfolge wiederum führten zu „einem gestiegenen Selbstbewusstsein“. Auch in die laufenden Verhandlungen für den öffentlichen Dienst und die Mitarbeiter der Telekom geht ver.di entsprechend breitbeinig. Im vergangenen Mai und Juni haben die Erzieherinnen bekanntlich über Wochen die Arbeit niedergelegt, die Kommunen mussten bei der Kinderbetreuung auf ein Notprogramm setzen.

Bei den Metallern geht es schon lange etwas robuster zu. Und so rechnet Rainer Näbsch, dass es nicht nur bei Verhandlungen am Konferenztisch bleibt. Neben Warnstreiks seien auch längere Arbeitsniederlegungen eine Möglichkeit des Protestes.

Für den Gewerkschafter geht es auch nicht nur um ein Lohnplus, sondern auch um die Frage der Arbeitszeit. Die Metaller haben sich früh auf die Anforderungen der Unternehmen eingestellt und sich flexibel gezeigt. Ein Stichwort sind Arbeitszeitkonten. Die hätten in der Krise 2008/09 geholfen, Freizeit statt Kündigung. Doch heute seien diese Konten übervoll. Angebracht wären Neueinstellungen: „Doch da verschließen die Arbeitgeber die Augen.“ Näbsch plädiert für Qualifizierungen, um Leute fit zu machen und für eine intensive Nachwuchsarbeit.

Denn aus seiner Sicht reagieren Chefs kurzsichtig, wenn sie glauben, am Markt Facharbeiter finden zu können. Das werde eben angesichts des demografischen Wandels schwieriger. Überdies nutze mancher die Rente mit 63 oder die Altersteilzeit.

Lüneburgs DGB-Geschäftsführer Dr. Matthias Richter-Steinke sagt für den Dachverband der Gewerkschaften, dass es am 1. Mai und darüber hi­naus eben auch um gesellschaftspolitische Themen gehe. Eine große Herausforderung sei die Altersarmut, die immer größere Teile der Bevölkerung treffen könne. Denn bekanntlich soll das Rentenniveau über die kommenden Jahre sinken.

Doch nicht nur das führe zu Problemen, sondern eben auch Arbeit in Teilzeit und Erwerbslosigkeit, in denen nur geringe Beiträge entrichtet werden. Davon seien nicht nur Frauen, sondern verstärkt auch Männer betroffen. Hier gelte es beispielsweise, einen Versicherungsschutz zu schaffen: „Es kann nicht sein, dass immer mehr Menschen zu Aufstockern werden müssen.“

Verstärkt werden müsse auch der soziale Wohnungsbau. Stadt und Kreis hätten zu lange nichts getan, es sei gut, dass sie nun umsteuern. Die Beschäftigung in Werks- und Leiharbeitsverträgen werde ebenso thematisiert wie das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP.

Trommeln für den 1. Mai

Unter dem Motto „Die Zukunft der Arbeit gestalten“ rufen die Gewerkschaft zu Kundgebungen am Sonntag, 1. Mai, auf. Hauptredner in Lüneburg ist der Regionalleiter der BAU-Gewerkschaft, André Grundmann. Der Hamburger spricht um 10.30 Uhr auf dem Lambertiplatz. Dort versammeln sich wieder Gewerkschaften und Initiativen, neben Informationen lockt ein Angebot für Kinder. Musik macht die Band Ecoustika. Los geht es, wie auch in den Vorjahren, um 10 Uhr am Theater an der Lindenstraße mit einem Umzug. Den Marsch-Rhythmus dafür liefern die Schrotttrommler.

One comment

  1. Wenn die Gesetzgebung solche Dinge wie Altersarmut zulässt, warum unterstützt dann der DGB die etablierten Parteien und redet ihnen nach dem Mund.
    Gabriel und Merkel werden gelobt und Faltblätter mit 10 Fragen gedruckt, bei denen man dann „dankbar“ sein sollte, eine Wohnung und überhaupt ein Rente oder Unterstützung zu erhalten.
    Das einem alles zusteht, weil man in alle staatlichen Versicherungen einzahlt, wird nicht erwähnt. Kritk an der fortschreitenden Altersarmut oder dem Fehlen von bezahlbaren Wohnungen oder dem Übertreten der Asylgesetzgebung, der ständigen Kompetenzverlagerung nach Brüssel , durch die Parteien in Berlin= Fehlanzeige!