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Julia (3, v.l.), Frederik (5), Julian (5), Matti (5) und Fina (4) aus dem Rullstorfer Kindergarten sehen zum ersten Mal einen Maikäfer. Noch beobachten sie das dicke, braune Insekt etwas skeptisch. Foto: t&w
Julia (3, v.l.), Frederik (5), Julian (5), Matti (5) und Fina (4) aus dem Rullstorfer Kindergarten sehen zum ersten Mal einen Maikäfer. Noch beobachten sie das dicke, braune Insekt etwas skeptisch. Foto: t&w

Der erste Maikäfer krabbelt schon

emi Rullstorf. Da staunten Karin und Klaus-Dieter Neben nicht schlecht: Kürzlich wollten sie in ihrem Rullstorfer Garten eine Staude in die Erde setzen, als ihnen plötzlich ein Maikäfer entgegenkrabbelte. „Wir dachten sofort, das ist etwas für die Kinder“, erzählt das Ehepaar. Kurzerhand packten die 69- und der 72-Jährige das Insekt in eine Schachtel und brachten es zum Kindergarten Rullstorf, wo es von den Kleinen neugierig, aber doch etwas skeptisch beäugt wurde. Schließlich war die Begegnung mit dem dicken, braunen Käfer für Julia, Frederik, Julian, Matti und Fina eine absolute Premiere.

„In meiner Kindheit gab es Tausende Maikäfer“, sagt Klaus-Dieter Neben, „wir haben damit immer die Hühner gefüttert.“ Übrigens kamen die eiweißreichen Krabbeltiere noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts auch bei Menschen auf den Tisch. Maikäfersuppe war früher ein beliebtes Arme-Leute-Essen, sogar roh wurden die Insekten verspeist oder kandiert zum Nachtisch. Doch diese Zeiten sind vorbei.

„Jetzt gibt es hier nur noch wenige Maikäfer“, sagt Klaus-Dieter Neben aus Rullstorf. In den vergangenen 16 Jahren seien nur zwei Exemplare in seinem Garten aufgetaucht, beide schafften es bis in die Landeszeitung. Zwar freute sich der 72-Jährige jedesmal über die seltenen Besucher. Aber er weiß auch, dass die bis zu zweieinhalb Zentimeter großen Insekten nicht nur Freunde haben. Vor allem die Engerlinge sind bei Landwirten und Holzbauern gefürchtet, denn sie können extremen Schaden anrichten.

Die bis zu fünf Zentimeter großen Maikäferlarven leben meist drei bis vier Jahre lang im Boden, fressen Wurzeln und machen damit so mancher Pflanze den Garaus. Schon zwei bis drei Engerlinge pro Quadratmeter gelten als kritisch. Maikäfer waren von den 1950er- bis 1960er-Jahren eine echte Plage in Deutschland und wurden bekämpft. Ende der 1970er-Jahre galten sie als fast ausgestorben. Heute ist das Vorkommen der hierzulande verbreiteten Wald- und Feldmaikäfer regional sehr unterschiedlich ausgeprägt.

In Baden-Württemberg etwa löste eine Maikäferplage im vergangenen Jahr einen Hubschrauber-Einsatz aus. So wurde am Kaiserstuhl bei Freiburg eine Fläche von rund 2400 Hektar mit Gift besprüht. Auch in Rheinland-Pfalz treibt die rasante Vermehrung der Insekten Förstern seit Jahren Sorgenfalten auf die Stirn: Im Forstamt Bienwald in Kandel in der Südpfalz leben angeblich schon fast eine Milliarde Käfer auf 4500 Hektar. In der Region um Lüneburg kommen Maikäfer zwar vor, in Massen treten sie aber nicht auf.

Die Jungkäfer, Mitglieder der Familie der Blatthornkäfer, überwintern bis zu einen Meter tief im Erdreich. Ende April, Anfang Mai ist traditionell die Zeit, in der sie aus dem Boden schlüpfen, auf Bäume und Balkone steigen und schwerfällig umherfliegen. Wenn es wärmer wird, könnte also das eine oder andere Exemplar auch in weiteren Gärten des Landkreises Lüneburg auftauchen. Und dann für Freude, aber auch für skeptische Blicke bei Groß und Klein sorgen.