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Voll sind die drei Beete für die Klärschlamm-Vererdung am Klärwerk Amelinghausen. Die Felder müssen nun geräumt werden. Trotz der Diskussion über mögliche Rückstände hat der Bauausschuss der Samtgemeinde empfohlen, den Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Flächen auszubringen. Foto: t&w
Voll sind die drei Beete für die Klärschlamm-Vererdung am Klärwerk Amelinghausen. Die Felder müssen nun geräumt werden. Trotz der Diskussion über mögliche Rückstände hat der Bauausschuss der Samtgemeinde empfohlen, den Klärschlamm auf landwirtschaftlichen Flächen auszubringen. Foto: t&w

Klärschlamm: Grüne stellen Bedenken zurück

dth Amelinghausen. Viel schlauer als vorher sind Amelinghausens Kommunalpolitiker in einem entscheidenden Punkt nicht, dennoch haben sie sich jetzt mehrheitlich im Bauausschuss der Samtgemeinde dafür ausgesprochen, den Klärschlamm aus dem Klärwerk als Dünger in der Landwirtschaft zu verwerten. Das ist in Niedersachsen gängige Praxis. Und in Amelinghausen steht bald das erste von drei Beeten, jeweils 32 Tonnen, zur Räumung an. Jedoch hatten Amelinghausens Grüne in den vergangenen Wochen eine Diskussion angestoßen über mögliche Arzneimittelrückstände, die das Grundwasser zusätzlich belasten könnten und eine mögliche Verbrennung angeregt. Nun haben nicht nur die Grünen ihre Bedenken zurückgestellt.

„Die Klärschlammerde wurde durchgehend beprobt und kann trotz strengerer Grenzwerte auf landwirtschaftlichen Flächen aufgebracht werden“, sagte Thomas Meyer, Mitarbeiter der Purena, die die Samtgemeinde Amelinghausen beim Betrieb der Kläranlage begleitet. Beprobt wurde aber nicht auf Arzneirückstände — noch nicht.

Hintergrund: Wie berichtet, waren die Amelinghausener 2002 die ersten im Landkreis Lüneburg, die sich für das sogenannte Vererdungsverfahren entschieden hatten. Dabei werden die Abwasserreste aus der Kläranlage in abgedichteten, mit Schilf bepflanzten Becken gelagert — ohne chemische Zusatzbehandlung. Nach einer Trocknungsphase bleibt Klärschlamm-Erde übrig, die sich grundsätzlich als Dünger eigne, heißt es, bei einem Nährstoffanteil von 80 bis 120 Kilogramm Phosphor sowie 40 Kilogramm Stickstoff pro Tonne. Wertvolle Nährstoffe für den Ackerbau. Offen bleibt aber die Frage nach den Arzneimittelrückständen.

Meyer erklärte vor dem Bauausschuss, dass es vom Gesetzgeber weder Grenzwerte noch eine verbindliche Liste von Arzeimittelrückständen gebe, nach denen Klärschlamm beprobt werden solle. „Das gleiche Problem haben wir beim Trinkwasser.“ Weil es aber auch immer wieder Kundenfragen zu dem Thema gebe, habe die Purena auf eigene Faust mit Unterstützung eines Fachinstituts eine Untersuchung des Grundwassers auf Arzneirückstände und Pestizide vorgenommen.

Meyer präsentierte exem­plarisch Trinkwasser-Messwerte aus dem Wasserwerk Amelinghausen aus 2014. Darunter verschiedene Antibiotika bis Betablocker, allesamt mit Messwerten kleiner als 0,00001 Milligramm pro Liter. Gesetzliche Grenzwerte für Trinkwasser gibt es allerdings nicht.

Prof. Dr. Klaus Kümmerer von der Universität Lüneburg sagte zu dem Thema am Mittwoch im Interview mit der Landeszeitung: „Ein Erwachsener müsste allerdings etwa 2000 Liter Wasser am Tag trinken, um eine bedenkliche Wirkstoffmenge einzunehmen. Da wir aber nicht wissen, wie gefährlich einzelne Stoffe sind und wir keine Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge ableiten können bei einer über Jahrzehnte andauernden Stoffaufnahme, müssen wir unbedingt Vorsorge treffen.“ Als größter Verursacher für Arzneien im Abwasser gelten die privaten Haushalte.

So soll in Amelinghausen noch die Beprobung des Klärschlamms erfolgen, um zu erahnen, was das für das künftige Grundwasser bedeuten könnte — nach dem Vorbild der erweiterten Trinkwasser-Analyse. Allerdings wird das für die Entscheidung, die Klärschlamm-Erde auf den Feldern zu verteilen, rund 160 Hektar, keine Rolle spielen. Mit Blick auf Grenzwerte nach der Düngemittelverordnung wurde Eckhard Winkelmann (Grüne) kurz misstrauisch. Der Cadmium-Wert wurde mit 1,33 Milligramm pro Kilo Trockenmasse Klärschlamm angegeben, der Grenzwert liegt bei 1,5. Dazu sagt Amelinghausens Bauamtsleiter Michael Göbel: „Selbst bei Erreichen des Grenzwertes werden Sie nicht gleich anfangen zu strahlen. Ich habe schon Angst vor der Diskussion über Arzneimittelrückstände, für die es keine Grenzwerte gibt, wenn da nachher plötzlich irgendein Wert steht.“

Letztlich gaben sich die Kommunalpolitiker damit zufrieden, dass die Grenzwerte nach der Düngemittelverordnung eingehalten werden. Mit fünf Ja-Stimmen zu einer Nein-Stimme (Winkelmann) empfahl der Ausschuss, die Klärschlammerde landwirtschaftlich zu nutzen. Der größte Teil der Flächen liege ohnehin außerhalb der Samtgemeinde Amelinghausen. Den Antrag, die Reststoffe zu verbrennen, hatten die Grünen längst zurückgezogen — und beließen es dabei.

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2 Kommentare

  1. „…empfahl der Ausschuss die Klärschlammerde landwirtschaftlich zu nutzen. Der größte Teil der Flächen liege ohnehin außerhalb der Samtgemeinde Amelinghausen“.
    Na ja, dann … ist das Problem doch gelöst!?! Aus den Augen, aus dem Wasser. Oder: Nach uns die Schlammflut.

  2. sauereien finden immer außerhalb statt. wer will sie schon in der eigenen ,,wohnung ,,haben? ob wir auch so handeln würden, wenn unser trinkwasser knapp wäre?