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Wunderliche Gestalten wie diese werden zwischen Himmelfahrt und Pfingsten wieder das Wendland bevölkern. Foto: A/oc
Wunderliche Gestalten wie diese werden zwischen Himmelfahrt und Pfingsten wieder das Wendland bevölkern. Foto: A/oc

Wendland wird Eventland

oc Lüchow. Sie haben wieder einen dicken Reisebegleiter verfasst. Er versammelt auf 368 Seiten 564 Ausstellungen, 822 Veranstaltungen und 684 Teilnehmer an 120 Orten im Landkreis Lüchow-Dannenberg. Von Himmelfahrt bis Pfingsten lotst die 27. Kulturelle Landpartie garantiert Massen ins Wendland. „Der Erfolg ist kolossal“, stellen die Veranstalter fest und sind beunruhigt. „Niemand konnte sich Fahrradstaus auch nur vorstellen“ schreiben sie.

Die besondere Anziehungskraft einiger weniger Orte falle der Kulturellen Landpartie nun langsam auf die Füße, heißt es weiter. Verbunden wird das mit einer Bitte: Die Medien mögen doch die großen Orte nicht als touristisches Highlight verheizen. Also gut: Liebe Leser, fahrt nicht nach Salderatzen und Bülitz, entdeckt Klein Grabenstedt und Dünsche — zum Beispiel. Es wird aber wohl ein basisdemokratischer Wunsch bleiben, dass sich „die Aufmerksamkeit der Besucher an den Wochenenden mehr auf kleine wunde.r.punkte ausrichtet, statt in Massen zu den großen Punkten zu streben.“

Als Leitgedanke ausgegeben wurde für dieses Jahr: „Wo kommen wir her, wo geht es hin?“ Wichtig ist den nach wie vor basisdemokratisch organisierten Veranstaltern der KLP, wie die Landpartie im Wendland/Eventland kurz heißt, die Pflege der Wurzeln. Die Erfinder der wunde.r.punkte seien einst aufgebrochen, für einen alternativen Lebensansatz zu werben. Wo aber aber finde „mensch die Zeit für ein Gespräch über Vorlieben und Ansätze, wenn an einem Samstag 10.000 Menschen von der gleichen Idee beseelt sind, ein 75-Seelen-Dorf für sich allein zu entdecken?“

Die Erfinder sind zudem in die Jahre gekommen, und sie richten den Blick nicht nur auf Gorleben und den Atomprotest. Geld wird für Flüchtlinge gesammelt und für einen belagerten Stadtteil in Damaskus. Ganz konkrete Sorgen bestehen auch: Die Wunde.r.punktler hoffen auf Ärzte: „Wir brauchen frisches Blut!“ Junge Ärzte seien hochwillkommen — „die Infrastruktur ist da, Praxen und Patienten warten auf Sie“. Näheres sei in Diahren zu erfahren. Das allerdings ist einer der durchaus beliebten wunde.r.punkte, der ergo vorrangig von Jungmedizinern angesteuert werden sollte. Aber man/frau muss das nicht so genau nehmen. Platz ist viel im Wendland — und am Pfingstfreitag ab 14 Uhr soll es nur bei den Gorlebener Atomanlagen voll werden. Da wird der alte Kampfesgeist angerufen.