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Markus Brückner hat auf dem Areal an der Ritterstraße viele Tierknochen gefunden. Die Bewohner hielt vor Jahrhunderte Schafe und Ziegen und schlachteten dieses auch dort. Die Viehaltung wich weiterer Bebauung, der Boden wurde immer wertvoller. Foto: t&w
Markus Brückner hat auf dem Areal an der Ritterstraße viele Tierknochen gefunden. Die Bewohner hielt vor Jahrhunderte Schafe und Ziegen und schlachteten dieses auch dort. Die Viehaltung wich weiterer Bebauung, der Boden wurde immer wertvoller. Foto: t&w

Lüneburg: Schwindgruben erzählen Stadtgeschichte

ca Lüneburg. Die Heiligen Drei Könige waren das Zeichen der Pilger, die nach Köln aufbrachen, um dort Reliquien ihre Ehrerbietung zu zeigen und ihre Nähe zu Gott zu demonstrieren. Zwischen 1300 und 1339 wurde den Gläubigen in der Stadt ein Symbol verkauft, das an das Heiligen-Trio erinnern sollte, deren Gebeine angeblich am Rhein ihre Ruhe gefunden hatten. Und eben so ein Pilgerzeichen fanden Archäologen um Markus Brückner, als sie im Herbst 2014 auf dem Areal des Ostpreußischen Landesmuseums in die Tiefe gingen. Auf dem Gelände steht nun die museale Abteilung der Deutsch-Balten.

Brückner berichtet über seine Entdeckungen im Heft zur Denkmalpflege 2015, das der Verein Stadtarchäologie in gewohnt ansprechender Form herausgibt. Er beschreibt, wie sich die Nutzung der 277 Quadratmeter großen Fläche zwischen Heiligengeist- und Ritterstraße über die Jahrhunderte änderte.

Anfänglich bauten die Bewohner offenbar noch Gemüse an, darauf lassen Pflug- und Spatenspuren schließen, welche die Altertumsforscher im Erdreich ausmachten. Auch Vieh hielten die Hausherren, dafür sprechen Knochen von Schaf und Ziege. Doch dafür war der Boden offenbar später zu kostbar. So wie heute steht die „Hinterbebauung“ im immer teurer werdenden Lüneburg hoch im Kurs: Die Heiligengeiststraße gehört zum teuren Pflaster. Innenstadtlage. Von 1473 bis 1496 gehörte die Parzelle der Patrizierfamilie Töbing, die auch Bürgermeister stellte. Später, von 1521 bis 1899, lässt sich ein Brauhaus nachweisen. Keine Seltenheit in der Salzstadt, die einst mehr als 80 Brauereien zählte.

Die Forscher legten auch Kloaken frei, also Abfallgruben. Die erste mittelalterliche Schwindgrube dürfte vermutlich im 14. Jahrhundert entstanden und im 16./17. Jahrhundert mit Bauschutt verfüllt worden sein. Der Grund: Die Eigentümer hatten ein Hinterhaus, einen klassischen Flügelbau, der sich überall in den Altstadtgebäuden findet, um einen Anbau erweitert. Damit der Gestank von Fäkalien und anderem Unrat nicht durch den Keller nach oben müffelte, wurde die Grube geleert und mit Schutt verfüllt. Kurz darauf kam der zweite gemauerte vier, fünf Meter tiefe Abfallcontainer zum Einsatz. Solche Ringe wurden über Generationen genutzt und alle paar Jahrzehnte in einem stinkigen Einsatz freigeschaufelt und geleert.

Trotzdem fanden die Wissenschaftler in den verschiedenen (Zeit-) Schichten Krüge und Töpfe, die beispielsweise aus dem Weserraum und aus dem Westerwald stammen. Diese, aber auch weitere Funde von Heiligenfiguren sind für Brückner Indizien dafür, dass der Wohlstand der Bewohner über die Zeit wuchs und sie Kontakte weit über Lüneburg hinaus pflegten.

Andere Themen im Heft sind beispielsweise Fachwerkmalereien in verschiedenen Gebäuden und eine Bilanz der städtischen Denkmalpflege für die vergangenen Jahre. Das Heft ist im Buchhandel erhältlich.