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Neben Fahrrädern sammeln sich so einige Kuriositäten bei Gudrun Puhst im Fundbüro an. Ein Weihnachtsmann wartet auch noch darauf, von seinem Besitzer abgeholt zu werden. Foto: Hansestadt Lüneburg
Neben Fahrrädern sammeln sich so einige Kuriositäten bei Gudrun Puhst im Fundbüro an. Ein Weihnachtsmann wartet auch noch darauf, von seinem Besitzer abgeholt zu werden. Foto: Hansestadt Lüneburg

Fundbüro Lüneburg: Gudrun Puhst geht in Rente

sp Lüneburg. „Haben Sie mal einen Satz Zähne für mich?“ Das war wohl die kurioseste Frage, die Gudrun Puhst zu hören bekam. Denn ab und zu kam es vor, dass im Lüneburger Fundbüro nach Außergewöhnlichem gefragt wurde. Wie in diesem Fall, als ein Zahnloser sein Gebiss suchte, das kurz vorher tatsächlich gefunden wurde – „im Tresorraum der Sparkasse“, wie Puhst mit einem Lachen hinzufügt. Nicht mehr lange wird die 63-Jährige diese Geschichten erleben, denn Freitag, am 6. Mai 2016, hat sie ihren letzten Arbeitstag im Innenhof des Bürgeramtes. Die Mitarbeiterin des Fundbüros der Hansestadt Lüneburg geht nach 25 Jahren bei der Stadt in Rente.

„Die Mutter verlorengegangener Schlüssel und herrenloser Fahrräder“, nennt sich Gudrun Puhst auch gern selbst. Denn bei ihr finden zahlreiche Türöffner und Drahtesel ein vorübergehendes Zu Hause. Ihre Arbeit besteht darin die Fundstücke zu systematisieren, Besitzer ausfindig zu machen, Kontakt zu den Findern zu halten, die Stücke ins Internet zu stellen und natürlich vor Ort für die Menschen da zu sein, die ins Fundbüro kommen. Bevor sie 2011 diese Arbeit aufnahm, war Puhst 20 Jahre im Außendienst des Ordnungsamtes. Und davor war sie bei dem Textilunternehmen Lucia. Schon immer hat sie mit Menschen zu tun gehabt. „Und genau das war es auch, was mir viel Spaß gemacht hat“, fügt Puhst lebhaft hinzu. „Hier waren ganz unterschiedliche Menschen, so dass es mir nie langweilig wurde. Viele haben sich sehr gefreut, ihr Hab und Gut wiederzubekommen. Und ich hab mich immer mitgefreut,“ erzählt die Frau mit funkelnden Augen.

Selbst Tränen gab es in ihrer Zeit beim Fundbüro. „Eines meiner schönsten Erlebnisse war, als wir einem älteren Mann einen Ehering wiedergeben konnten. Seine Frau war kurz vorher gestorben, so dass er ihren Ring mittrug. Der ist ihm vom Finger gerutscht. Über die Gravur im Ring und unter Mithilfe des Standesamtes habe ich dann den Mann ausfindig gemacht. In Tränen aufgelöst holte er sich den Ring und die Erinnerung an seine Frau hier ab. Und das alles ist passiert, kurz bevor die beiden eigentlichen Goldene Hochzeit gefeiert hätten.“

Für die Rente hat Gudrun Puhst schon einige Pläne geschmiedet. Sie will zukünftig viel Zeit mit ihrem Mann verbringen. „Endlich können wir mal all unsere Urlaubsbekanntschaften besuchen. Ich freue mich auf die Zeit, zumal ich im Herbst auch zum ersten Mal Oma werde.“

Für das Fundbüro geht es aber natürlich auch ohne Gudrun Puhst weiter. Derzeit läuft die Ausschreibung für die Stelle. Für die Übergangszeit wird es veränderte Öffnungszeiten geben. Ab Montag, 9. Mai, ist das Fundbüro dienstags von 8 bis 10 Uhr und donnerstags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Abgegeben werden können Fundsachen jederzeit, also auch außerhalb der Öffnungszeiten, am Infoschalter des Bürgeramtes. Über www.hansestadtlueneburg.de/fundsuche können sich alle, denen etwas abhandengekommen ist, informieren, ob sich ihr Hab und Gut im Fundbüro angefunden hat.