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Daumen hoch -- gefällt uns? In arabischen Ländern, aber auch in Griechenland, sollte man diese Geste meiden. Dort hat sie eine obszöne Bedeutung ähnlich dem ausgestreckten Mittelfinger. Grafik: nh
Daumen hoch -- gefällt uns? In arabischen Ländern, aber auch in Griechenland, sollte man diese Geste meiden. Dort hat sie eine obszöne Bedeutung ähnlich dem ausgestreckten Mittelfinger. Grafik: nh

Die Tücken der Kommunikation

kre Lüneburg. Diese Bilder gingen um die Welt: Ein locker aufgelegter Barack Obama, der bei der Eröffnung der Hannover-Messe eine ernst blickende deutsche Bundeskanzlerin öffentlich nur mit Vornamen anspricht. Der amerikanische Präsident, ein Mann mit schlechten Manieren? Wohl nicht! Es sind die kulturellen Unterschiede eines jeden Landes die – falsch interpretiert – schnell zu Missverständnissen führen. Beim Aufeinandertreffen von Staatschefs achten Protokollchefs genau darauf, dass die Gespräche nicht peinlich enden.

Für Unternehmen, deren Mitarbeiter immer häufiger international agieren müssen, bietet Wiebke Krohn von der „Arbeitgeberberatung für Personalentwicklung und soziale Innovation“ in Lüneburg ein EU-gefördertes Seminar an. Unter anderem auch mit Ilona Crystal Häusler, Inhaberin der Sprachschule English incorporated mit Sitz an der Stadtkoppel. „Dabei geht es in erster Linie um die Vermittlung interkultureller Kompetenzen“, erklärt Krohn.

Im Rahmen eines von der EU geförderten Seminars vermittelt Ilona Crystal Häusler den Teilnehmern interkulturelle Kompetenzen. Foto: nh
Im Rahmen eines von der EU geförderten Seminars vermittelt Ilona Crystal Häusler den Teilnehmern interkulturelle Kompetenzen. Foto: nh

Aus gutem Grund: „Viele Geschäftskontakte führen nicht zum Erfolg, weil die Gesprächspartner zu wenig über die Befindlichkeiten, Gebräuche und Sitten ihres Gegenübers wissen“, weiß Ilona Crystal Häusler. Ein schwieriges Terrain also, auf dem man schnell ungewollt von einem Fettnäpfchen ins nächste geraten kann.
Und peinliche Fehler können schon gleich zu Beginn des Gesprächs passieren: „Das ist ein Fauxpas, wenn man auf dem nordamerikanischen Kontinent Frauen nach ihrem Alter fragt“, erklärt Ilona Crystal Häusler. Ob dieses Tabu auch bei Interviews gilt, kann die gebürtige Kanadierin allerdings nicht mit Sicherheit sagen. Sie macht aus ihrem Alter ohnehin kein Geheimnis: „Ich bin 54.“

Gut, das wäre geklärt, also gleich zur nächsten Frage: Was macht denn gute Kommunikation aus? Und warum sind viele Menschen, auch Top-Manager aus fernen Ländern, höchst irritiert, wenn deutsche Gesprächspartner Kritik klar und präzise äußern? Ilona Crystal Häusler schmunzelt, sie weiß: Dieses Problem ist der Klassiker. „In den USA denkt man grundsätzlich positiv.“

Einem Mitarbeiter oder Geschäftspartner zu sagen, „Nein, das geht nicht!“, ist so in den Staaten völlig undenkbar. Dort werde die Absage deutlich freundlicher formuliert. Beispielsweise: „Dein Gedanke ist nachvollziehbar und gut, aber wir sollten überlegen, ob….“ Häusler sagt: „Da hören Deutsche gar nicht mehr hin.“ Noch gravierender sei der Umgangston in asiatischen oder arabischen Ländern: „Gute Kommunikation findet dort zwischen den Zeilen statt, auf keinen Fall direkt“, weiß die Kanadierin.
Auch in Mexiko könne die direkte deutsche Art verstörend wirken: „In einem Fall hat ein mexikanischer Mitarbeiter nach dem Tadel eines Deutschen sogar gekündigt.“
Als typisch Deutsch gilt die Detailverliebtheit bei Vorträgen. „Vom Hundertsten ins Tausendste“ – da hören Nicht-Deutsche kaum noch zu. Wer in den USA punkten will, formuliert erst das Ziel, am besten in Form einer Vision. Details? Die werden später geklärt.

Pünktlichkeit: Ilona Crystal Häusler weiß – das ist ein weiteres heikles Thema: „Verschwenden Sie meine Zeit nicht“ – eine Redensart, die man über Deutschlands Grenzen hinaus kaum kennt. Das kann dann zu Problemen in internationalen Teams führen, wenn Mitarbeiter aus verschiedenen Nationen zusammenarbeiten müssen, wie in einem Unternehmen in der Lüneburger Region: Deutsche, Franzosen und Inder. „Jeder schimpfte über die anderen“, berichten Wiebke Krohn und Ilona Crystal Häusler – die Deutschen, dass die Franzosen zu chaotisch und zu unpünktlich seien, die Inder über die Franzosen, weil die viel zu genau arbeiten und viel zu sehr auf die Uhr schauen würden.

Am Ende des Tages aber funktioniert‘s. Jedenfalls dann, „wenn Vorgesetzte verinnerlichen, dass Menschen aus anderen Nationen anders, aber nicht unbedingt schlechter arbeiten“, sagt Wiebke Krohn und fügt hinzu: „Vorgesetzte müssen lernen, ihren Führungsstil anzupassen, sonst geht das mit Sicherheit schief.“
Diese Botschaft kam übrigens bei einem der Lehrgangsteilnehmer an: „Ich werde also mit meinen Mitarbeitern künftig so reden wie mit meiner Frau…“, sagte der Inhaber eines Unternehmens aus der Lüneburger Region schmunzelnd.

Missverständnisse, die Ärger bringen

Wer Missverständnisse meiden will sollte Folgendes beachten:

  • direkter Blick- und Augenkontakt mit japanischen Gesprächspartnern, das gilt als respektlos
  • das „Daumen-Hoch-Zeichen“ – in Griechenland, Syrien, Sardinien, aber auch im Libanon und in Saudi-Arabien wird diese Geste als äußerst öbszöne Beleidigung empfunden, ähnlich dem „Mittelfinger“ zeigen
  • das „Victory“-Zeichen – nicht überall ein Ausdruck des Erfolgs und Durchhaltewillens. In Griechenland sagt man seinem Gegenüber so „Fahr zur Hölle“. Vorsicht ist mit diesem Zeichen auch in Australien geboten. Wer dabei den Handrücken zum Gegenüber hält, sagt ihm so „F…off“. Dem ehemaligen US-Präsidenten George Bush passierte 1993 dieser Fauxpas bei einem Australienbesuch
  • von wegen „OK-Zeichen“: der geformte Kreis aus Daumen und Zeigefinger symbolisiert in der Türkei, in Griechenland und in Russland eine menschliche Körperöffnung. In Frankreich und Tunesien zeigt man seinem Gegenüber so, dass man ihn für eine „Null“ hält.

One comment

  1. Verstanden nicht gleich Einverstanden