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Der Müll wird einfach in der Natur entsorgt. Das ärgert viele Umweltschützer ganz besonders. Foto: nh
Der Müll wird einfach in der Natur entsorgt. Das ärgert viele Umweltschützer ganz besonders. Foto: nh

Der Müll vom Vatertag

kre Lüneburg. Die Reste der Feier sind unübersehbar: Illegale Feuerstellen, leere Bierflaschen, Plastik- und Papiermüll zuhauf das Landschaftsschutzgebiet zwischen Lüneburg und Deutsch Evern gleicht seit Himmelfahrt an vielen Stellen einer einzigen Müllkippe. Alle Appelle von Behörden und Naturschützern haben offenbar wenig gefruchtet und das macht nicht nur Reinhard Dittmann wütend und traurig zugleich: „Seit Jahren stelle ich fest, dass die Vermüllung zwischen dem Bereich Amsel- und Teufelsbrücke erheblich zugenommen hat“, berichtet der Lüneburger. In einer E-Mail an die LZ schildert der 67-Jährige die Vorfälle, wie er sie an „Vatertag“ gegen 14.30 Uhr an der Teufelsbrücke erlebt hat.

Flasche leer --und ab damit in die Ilmenau: Die vornehmlich jüngere Generation hat den Vatertag genossen, auf Kosten der Natur.
Flasche leer — und ab damit in die Ilmenau: Die vornehmlich jüngere Generation hat den Vatertag genossen, auf Kosten der Natur.

„Dort lagen zwei Schlauchboote im Wasser, wovon eines mit diversen Kästen Bier beladen war. Im Brückenbereich wurde fröhlich gezecht und gegrillt; der Grill wurde dann in den Mülleimer in der Nähe des Badeplatzes entsorgt. Der Weg von der Amsel- zur Teufelsbrücke war mit Plastikbechern übersät. Im Brückenbereich selbst standen circa 40 Personen laut grölend mit drei Handwagen. Ein tragbares Radio sorgte für die entsprechende Stimmung…“

Die Schilderung von Reinhard Dittmann passt so gar nicht zu den Ankündigungen des Kreises. Landrat Manfred Nahrstedt hatte vor Himmelfahrt eigens noch einmal darauf hingewiesen, dass der Landkreis nötigenfalls auch Bußgeldbescheide gegen Umweltsünder verhängen werde.

Hinterlassenschaften vom Himmelfahrtstag. Naturschützer fordern strengeres Durchgreifen gegen Umweltfrevler.
Hinterlassenschaften vom Himmelfahrtstag. Naturschützer fordern strengeres Durchgreifen gegen Umweltfrevler.

Bis Montag war der Kreis in diese Richtung aber noch nicht aktiv geworden. „Bei uns sind abgesehen von Herrn Dittmanns Schreiben keine weiteren Anzeigen eingegangen“, sagt Stefan Bartscht von der Unteren Naturschutzbehörde. Wie berichtet, waren die Kanu-Verleiher angehalten, Namen und Anschrift ihrer Bootskunden zu notieren, damit nötigenfalls Umweltfrevler leichter rückverfolgt werden können. Ob diese Aktion dazu beigetragen hat, die Feierwütigen auf und am Ufer der Ilmenau zu disziplinieren, kann Bartscht nicht sagen.

Die Fotos, die Reinhard Dittmann zur Bestätigung seiner Beobachtungen beigelegt hat, lassen nach Bartschts Worten allerdings die Vermutung zu, dass sich die Umweltsünder vor allem von der Landseite in die Büsche und ans Wasser geschlagen, dort Party gemacht und den Müll liegen gelassen haben. „Das sieht erschreckend aus, keine Frage!“, gibt Bartscht zu und räumt ein: „Leider haben wir nicht die personellen Ressourcen, um systematische Kontrollen durchzuführen.“ Auch die Polizei sei an solchen Tagen in der Regel bereits mit anderen Aufträgen mehr als ausgelastet. Bleibt also nur der erneute Appell an das Gewissen und die Einsicht der Feiernden, Rücksicht zu nehmen und den Müll wieder einzupacken.

Das ist nicht nur verboten, sondern auch gefährlich: Waldbrandgefahr durch illegale Grillstellen.
Das ist nicht nur verboten, sondern auch gefährlich: Waldbrandgefahr durch illegale Grillstellen.

Den achtlos weggeworfenen Abfall vom Vatertag hat Reinhard Dittmann zum Teil eingesammelt. „Weil eine Vermüllung des Landschaftsschutzgebietes überhaupt nicht geht“, sagt der Diplom-Sozial­arbeiter im Ruhestand. Vom Kreis will er endlich Taten sehen und nicht nur Appelle hören: „Ich möchte wissen, wie die Behörde künftig auf diese Form des Vandalismus reagieren will.“

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