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Der Lüneburger Dietmar Klahn (l.) zusammen mit Sadjo, dem Fahrer des IOGT-Schulmanagers, der beeindruckt ist vom Engagement der Dorfbewohner: Nun ist das auch mein Dorf, ich mag die Menschen hier. Foto: nh
Der Lüneburger Dietmar Klahn (l.) zusammen mit Sadjo, dem Fahrer des IOGT-Schulmanagers, der beeindruckt ist vom Engagement der Dorfbewohner: Nun ist das auch mein Dorf, ich mag die Menschen hier. Foto: nh

Lüneburger unterstützt Schulaufbau in Afrika

rast Lüneburg. Es gibt in Madina Hafia in Afrika nur einen Lehrer, der unterrichtet in einer Buschschule eine Klasse morgens und eine zweite am Nachmittag. Dafür erhält er von den Eltern eine kleine Geldsumme, wird aber größtenteils in Naturalien bezahlt. In dem kleinen Dorf mit rund 100 Kindern im Schulalter im Osten Guinea-Bissaus, 140 Kilometer von der Hauptstadt Bissau entfernt, soll sich gewaltig was ändern dank Forut, der Entwicklungshilfeorganisation der deutschen Guttempler. Deren Vorsitzender Dietmar Klahn aus Lüneburg war jetzt in dem Dorf, um sich anzuschauen, welche Baufortschritte es an der neuen Schule gibt.

Das Schulgebäude in Madina Hafia wird in Zementbauweise errichtet. Hier packen die Eltern von Kindern im Schulalter kräftig mit an. Finanziert werden die Materialien von der Hilfsorganisation Forut unter Vorsitz des Lüneburgers Dietmar Klahn. Foto: nh
Das Schulgebäude in Madina Hafia wird in Zementbauweise errichtet. Hier packen die Eltern von Kindern im Schulalter kräftig mit an. Finanziert werden die Materialien von der Hilfsorganisation Forut unter Vorsitz des Lüneburgers Dietmar Klahn. Foto: nh

„Es gibt in Guinea-Bissau eine Schulpflicht von sechs Jahren, die aber eigentlich nur in der Hauptstadt verwirklicht werden kann“, sagt Dietmar Klahn: „Auf dem Land gibt es eine Analphabetenrate von geschätzten 70 Prozent. Der Staat beziehungsweise die bisherigen, ständig wechselnden Regierungen haben es nicht geschafft, flächendeckend ein funktionsfähiges Schulsystem aufzubauen. Ohne Grundbildung ist Entwicklung nicht möglich, und ohne Entwicklung ist kein dauerhafter Frieden möglich.“ Dafür arbeitet die Guttempler-Organisation IOGT Guinea-Bissau mit Unterstützung von IOGT Schweiz und Forut Deutschland, alles kleine nicht-staatliche Organisationen. IOGT Guinea-Bissau hat keine eigenen Finanzmittel für den Schulbau, aber das erforderliche Know-how, bereits Anfang 2015 erreichte IOGT in Bissau eine Anfrage aus Madina Hafia. Und bereits im Februar 2015 war Klahn das erste Mal dort.

Nun konnte er sich ein Bild vom Baufortschritt machen: „Insbesondere Zement ist teuer und die Dachkonstruktion kostet für dortige Lebensverhältnisse viel Geld. Die Dorfbewohner haben ein Baukomitee gegründet und einen Kostenvoranschlag erstellt. Nach unseren Erfahrungen kostet der Schulbau in der Grundversion zwischen 4000 und 6000 Euro inklusive der Holzbank-Sitzelemente. Und die Umsetzung kann sich über zwei Jahre erstrecken. Die Arbeitsleistungen werden von den Eltern selbst erbracht.“

Forut hat Erfahrung mit dem Schulbau in Guinea-Bissau, finanzierte bereits eine neue Schule in Qinak. So ähnlich läuft es nun auch in Madina Hafia. Das gestiftete Geld bekommen die Dorfbewohner aber nicht in die Hand, Klahn: „Es geht direkt dorthin, wo die Materialien beschafft werden.“ So sei gesichert, dass es nicht anderweitig ausgegeben wird. Die Guttempler hatten bereits schlechte Erfahrungen in dem afrikanischen Staat gemacht: 2014 unterstützten sie eine Frauenkommune in Catio, gaben Geld unter anderem für einen Brunnenbau. Dietmar Klahn: „Das wurde undurchsichtig. Bei unserem Besuch dort ein Jahr später waren plötzlich etliche Männer in der Frauenkommune, und es war nicht ersichtlich, wo das Geld geblieben ist.“ Das Projekt wurde von Forut abgebrochen: „Die dafür noch geplanten Gelder können nun nach Madina Hafia fließen.“

Ist der Schulbau fertig, kann sich die Schule registrieren lassen, Klahn: „Nur in einer registrierten Schule gibt es Zeugnisse.“ Dann müsste eventuell auch ein zweiter Bau entstehen, damit in sechs Klassen unterrichtet werden kann. Strom gibt es in dem Dorf nicht, so ist es für die Bewohner eine große Freude, wenn das Schulgebäude mit Solarelementen bestückt wird, sie endlich Licht haben. Klahn: „Dann kann das Gebäude auch abends etwa für Versammlungen oder Unterricht für Erwachsene genutzt werden.“

Das Projekt in Madina Hafia wird auch von einer Realschule in Buchholz i.d. Nordheide unterstützt mit Ideen zur Generierung von Spenden. Forut-Schriftführerin Ulrike Klahn, die Ehefrau von Dietmar Klahn, informiert die Schüler über das Leben, das Arbeiten und den Unterricht in Guinea-Bissau.