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Blick aus Richtung Reppenstedt nach Lüneburg in Höhe der Schnellenberger Allee: Damit Reppenstedt nicht mit dem Mittelfeld zusammenwächst, ist es aus Sicht der Stadt wünschenswert, dass die Gemeinde auch in einem kleinen Bereich einen Grünstreifen vor Bebauung sichert. Foto: t&w
Blick aus Richtung Reppenstedt nach Lüneburg in Höhe der Schnellenberger Allee: Damit Reppenstedt nicht mit dem Mittelfeld zusammenwächst, ist es aus Sicht der Stadt wünschenswert, dass die Gemeinde auch in einem kleinen Bereich einen Grünstreifen vor Bebauung sichert. Foto: t&w

Wohnraum für Lüneburg oder grüner Westen?

as Lüneburg. Knapp zwei Jahre ist es her, dass die rot-grüne Mehrheitsgruppe im Rat den Antrag für einen Grüngürtel West stellte. Damit sollten Flächen an der westlichen Stadtgrenze in Lüneburg von Bebauung frei gehalten und für Naherholung und Landschaftsschutz gesichert werden. Die Verwaltung gab nun im Bauausschuss einen Zwischenbericht, Quintessenz: Es gibt bereits einen vernetzten grünen Bereich im Westen der Stadt, zwei Lücken müssen aber noch geschlossen werden.

Das Stadtgebiet umfasst rund 70 Quadratkilometer. Ein Drittel davon ist Siedlungs- und Verkehrsfläche, zwei Drittel sind landwirtschaftliche, Forst-, Grün- und Wasserflächen, erläuterte Tobias Neumann vom Bereich Stadtplanung. Dabei seien aber die Siedlungsflächen nicht komplett versiegelt. Mittels eines Luftbildes zeigte er auf, dass sich an der westlichen Stadtgrenze ein vernetzter grüner Bereich aus Waldflächen, Grünanlagen, Landschaftsschutz- und Naturschutzgebieten sowie Ausgleichsflächen entlangzieht, der an der schmalsten Stelle 300 Meter breit ist. All das sei über den Flächennutzungsplan bereits gesichert. Um die Vernetzung des Grüngürtels zwischen Reppenstedt und dem Königsweg zusätzlich zu sichern, schlage die Verwaltung vor, die dort bestehende landwirtschaftliche Fläche in den sogenannten Ökopool aufzunehmen. Der Ökopool hält Ausgleichsflächen für künftige Bauprojekte vor, die Stadt ist zurzeit dabei, diesen einzurichten. Damit wäre die landwirtschaftliche Fläche vor Bebauung gesichert. Die Politik müsse allerdings dazu ihr Votum geben.

Neumann richtete auch den Blick auf die Gemeinde Reppenstedt. Damit diese nicht an der Stadtgrenze mit dem Mittelfeld zusammenwächst, gelte es mit ihr zu sprechen, um auf Seiten Reppenstedts für einen kleinen Bereich einen 200 bis 300 Meter breiten Grünstreifen zu sichern.

Ulrich Blanck (Grüne) dankte für die Informationen, „mit denen wir auf die Kollegen in Reppenstedt zugehen können, um den Lückenschluss hinzubekommen, wir werden die Verwaltung unterstützen“. Sein Fraktionskollege Ulrich Löb unterstrich die große Bedeutung des Grüngürtels für Menschen, Tiere und Klima gleichermaßen. Wichtig sei auch die Aussage der Verwaltung, dass der Lückenschluss auf städtischer Seite mittels des Ökopools erfolgen solle. Hubert Meißner (SPD) dankte Neumann für die Ausführungen, denn die zeigten, „in welch priviligierter Situation wir hier leben“. Nur ein Drittel der Stadtfläche sei bebaut. Er sei schon erstaunt über jene, die stets kritisierten, in Lüneburg werde alles zugebaut.

Neumann hat ausgerechnet, dass allein der Grüngürtel 17 Prozent der Stadtfläche ausmacht. Michèl Pauly (Linke): „Gut, dass die Stadt den Grünbereich dargestellt hat, damit nicht unbeabsichtigt hineingeplant wird.“ Für die Kommunalpolitik sei dies ein Handwerkszeug bei der Ausweisung neuer Flächen für Baugebiete.
Oberbürgermeister Ulrich Mädge sagte: Das grüne Band ist wichtig, „aber wir müssen auch Wohnraum schaffen“. Das Neubaugebiet Wienebütteler Weg komme. Den Forderungen nach einem Stadtentwicklungskonzept Rot-Grün hatte es im Gruppenvertrag festgeschrieben hielt er entgegen: Statt langwieriger Pläne müsse man auf sich verändernde Situationen schnell reagieren. Zudem verursache ein solches Konzept erhebliche Kosten, die man besser in die Wohnraumbeschaffung investieren könne. „Die Hamburger haben ihr Konzept in die Tonne geworfen.“

2 Kommentare

  1. Oh Mann,

    Wenn ich solche Aussagen ,wie die von Hr.Meißner: „Er sei schon erstaunt über jene, die stets kritisierten, in Lüneburg werde alles zugebaut. “ lese, frage ich mich tatsächlich, ob manche Kommunalpolitiker nach Ihrem Aufstieg in „ihren“ Elfenbeinturm überhaupt noch auf den Boden sehen können.
    Wahrscheinlich nicht.
    Es geht nämlich manchmal auch um die gefühlte Wahrnehmung und Ängste der Lüneburger Bürger bei solchen Angelegenheiten.
    Na klar wenn man nur auf die nackten Zahlen schaut: 33% der Stadtfläche bebaut und 17% Grüngürtel nicht bebaut und geschützt, klingen 50% – abzüglich Wasserflächen – natürlich nach einem großzügigem Spielraum für weitere Betonfantasien.
    Aber müssen wir dahin kommen das irgendwann vielleicht 50%, 60% der Stadtfläche zugebaut sind?
    Ständig hört man von vielen Stellen:“ Der Markt erfordert es!“ und „Die Nachfrage am Markt ist da!“ aber
    wäre das auch noch so wenn die Lüneburger Grundstücks-und Immobilienpreise so hoch wären wie in
    Hamburg? Bestimmt nicht.
    Man bekommt immer mehr das Gefühl, das die „alteingesessenen“( ich weiß, der Begriff ist sehr schwammig oder gefährlich vielleicht sogar völlig falsch) Bürger nicht mehr richtig ernstgenommen werden und das ihre Anliegen als überbesorgt, falsch oder sogar querulantenhaft bloß gestellt werden.

  2. Ich stimme voll und ganz zu. Wie lange wird das Geklüngel und Hin-und Herschieben noch geduldet? Jedes lukrative Neubaugebiet wird von der Sparkasse verwaltet. Ein Zufall? Oder hat es nicht doch etwas damit zu tun, dass Herr Mädge im Verwaltungsrat der Sparkasse sitzt? Wo bleibt die Sozialpolitik und die Politik der Grünen? Wann hat der Größenwahn unseres OBs und seiner Politiker endlich ein Ende? Wird Zeit, dass die Lüneburger geschlossen auf die Straße gehen. Hier wird sämtliche Umwelt an der Peripherie aufgrund privater, nicht gemeinwirtschaftlicher, Interessen zerstört.