Aktuell
Home | Lokales | Neuer Bedarfsplan für Sporthallen in Lüneburg
Die Sporthalle der Grundschule Hasenburger Berg ist zu klein und in die Jahre gekommen.  Deshalb will die Stadt dort nun eine weitere Halle bauen und die alte sanieren. Foto: t&w
Die Sporthalle der Grundschule Hasenburger Berg ist zu klein und in die Jahre gekommen. Deshalb will die Stadt dort nun eine weitere Halle bauen und die alte sanieren. Foto: t&w

Neuer Bedarfsplan für Sporthallen in Lüneburg

ahe Lüneburg. Axel Papke ist ein wichtiger Mann bei der Stadt Lünebrug. Er schiebt, drückt, prüft, erfüllt Wünsche und sorgt für Enttäuschungen. Vor allem führt er viele Gespräche. Verhandelt mit Schulleitern und Sportfunktionären. Axel Papke ist der erste Ansprechpartner für die Lüneburger Sporthallen. Wer für seinen Verein eine Hallenzeit ergattern möchte, kommt nicht an ihm vorbei. Gleichzeit ist er bestrebt, sicherzustellen, dass die Schulen für ihren Sportunterricht genügend Kapazitäten bekommen. Wie umfangreich sein Aufgabenfeld ist, zeigt der Hallenbedarfsplan, den die Verwaltung heute im Sportausschuss des Rates vorstellt.

Es ist ein umfangreiches Zahlenwerk, das die Mitarbeiter von Dezernatsleiterin Pia Steinrücke vorlegen. Auf 20 Seiten gibt es detaillierte Angaben zur Bevölkerungsentwicklung in den einzelnen Stadtteilen inklusive Prognosen bis zum Jahr 2025, zu Schülerzahlen, zur Größe der Lüneburger Sportvereine, zur Altersstruktur der Vereinsmitglieder, zur Beliebtheit der einzelnen Sportarten und zu Quadtratmeterflächen in den insgesamt 35 Hallen und Sporträumen, die für Schul- und Vereinssport zur Verfügung stehen. Zuletzt hatte die Stadt vor gut drei Jahren einen solchen Plan vorgelegt, doch inzwischen sind neue Angebote in den Vereinen hinzugekommen, andere Gruppen haben sich aufgelöst.

„Es ist nicht so, dass wir große Reserven haben, es müssen eben alle enger zusammenrücken. Wer bislang eine komplette Dreifeld-Halle für seine Klasse zur Verfügung hatte, muss dann eben auch mal mit einem abgetrennten Drittel zurechtkommen.“
Thomas Wiebe

Grundsätzlich ist Axel Papke ein Verwalter des Mangels. Das würden er und seine Vorgesetzten natürlich selbst nie so sagen, doch klar ist: Längst nicht alle Wünsche von Schulen und Vereinen kann er erfüllen, die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Und die Nachfrage dürfte so schnell nicht abebben, dafür sorgt unter anderem die steigende Bevölkerungszahl, die auch manche Schule wachsen lässt. Und auch für die Integration der Flüchtlinge sei Sport ein gutes Mittel, findet Pia Steinrücke. Die Folge: Neue Sportmöglichkeiten müssen her.

Zum Beispiel an der Grundschule Hasenburger Berg. Die hat sich auch durch Neubaugebiete in Oedeme inzwischen zur Grundschule mit den meisten Schülern in Lüneburg entwickelt, hat trotz stabiler Vierzügigkeit aber nur eine kleine Einfeldhalle, soll aber nun auch zur Ganztagsschule werden. Schon heute mus Sportunterricht deshalb auch in der Halle im Lünepark oder beim MTV Treubund an der Uelzener Straße stattfinden. Das ist auch aus Sicht der Stadt auf Dauer nur die zweitbeste Lösung, schon weil durch den Bustransport Zeit verloren geht. Deshalb soll die Grundschule eine weitere Einfeld-Halle bekommen, die alte Halle zudem saniert werden. Zwei Millionen Euro will die Stadt dafür in die Hand nehmen, zum Schuljahresbeginn 2017/2018 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Zusätzliche Kapazitäten eröffnen sich durch zwei weitere Neubauten im Stadtgebiet: Die Sport- und Eventhalle auf dem Areal des alte Schlachthof, die montags bis donnerstags auch für Schulsport genutzt werden soll, sowie die Halle an der Berufsbildenden Schulen, die der Kreis errichtet (LZ berichtete). Zu beiden Bauvorhaben gibt es heute weitere Details in der Ausschusssitzung.

An andere Stelle entsteht allerdings in Kürze eine Vakanz: Die beiden Dreifeld-Sporthallen in Kaltenmoor sind in einem schlechten Zustand. Nach langem Anlauf und Abwägen zwischen Neubau und Sanierung hat die Stadt für die Sanierung eine Förderzusage bekommen, nun sollen beide Hallen für insgesamt 9,1 Millionen Euro auf Vordermann gebracht werden. Thomas Wiebe, Schulfachmann der Verwaltung, kündigt an: „Voraussichtlich nach den Sommerferien werden wir loslegen. Die Sanierung dauert etwa zwei Jahre, zum Schuljahresbeginn 2017/2018 sollen die Hallen fertig sein.“ Der Schulsport werde in dieser Zeit größtenteils in die beiden alten Hallen der ehemaligen Schlieffenkaserne verlegt, betroffen seien die Gesamtschule, die Anne-Frank-Schule und das Johanneum mit seiner Außenstelle. Wiebe stellt klar: „Es ist nicht so, dass wir große Reserven haben, es müssen eben alle enger zusammenrücken. Wer bislang eine komplette Dreifeld-Halle für seine Klasse zur Verfügung hatte, muss dann eben auch mal mit einem abgetrennten Drittel zurechtkommen.“

Wenn die Kaltenmoor-Hallen modernisiert sind, sollen die Hallen der Schlieffenkaserne abgerissen werden, dafür entstehe eine neue Dreifeld-Halle am Rande des Hanseviertels, die dann nicht mitten im Wohngebiet liegt.

Wiebe sagt: „Oberste Priorität hat für uns der Schulsport, für den bauen und sanieren wir unsere Hallen.“ Doch letztlich profitieren natürlich auch die Vereine, die ab dem späten Nachmittag und an Wochenenden mit ihren Angeboten die Hallen nutzen. Seit drei Jahren zum Teil sogar in den Oster-, Sommer- und Herbstferien, Stadt und Kreis öffnen dann jeweils eine Dreifeld-Halle für den Vereinssport.

Papke muss alle unter einen Hut bringen, kein leichtes Unterfangen: „Die meisten, die anfragen, wollen eine Zeit dienstags bis donnerstags von 20 bis 22 Uhr.“ So richtig eng wird es wieder im Winter. „Dann drängen fast 3000 Kinder und Jugendliche aus den Nachwuchsfußballmannschaft zusäzlich in die Hallen.“ Da muss er wieder nach Lücken suchen, die es eigentlich nicht gibt, muss verschieben, tauschen und gut verhandeln.

Auf dem Weg zum Ganztagsbetrieb

Lüneburgs Grundschulen sollen nach und nach Ganztagsschulen werden. Als nächste macht sich die Grundschule Hasenburger Berg auf den Weg (LZ berichtete). Das zeigt sich auch baulich, neben einer weiteren Turnhalle (siehe oben) werden eine Mensa eingerichtet und weitere Unterrichts- und Gruppenräume geschaffen. Die Planungen laufen seit März 2014, seit Dezember 2015 liegt eine Baugenehmigung vor, erste Arbeiten begannen im April.

Im Juli kommenden Jahres sollen die Arbeiten so weit fortgeschritten sein, dass dann der Ganztagsbetrieb starten kann, die Fertigstellung aller Arbeiten inklusive Sporthallen und Außenanlagen hat die Stadt für 2019 auf dem Plan. Sie investiert insgesamt 6,8 Millionen Euro am Standort.