Aktuell
Home | Lokales | Bardowick | Zu Pfingsten Kekse knabbern
So ähnlich könnte es gewesen sein bis vor rund 100 Jahren in Bardowick: Bernd Wald (r.) und Uwe Meyer, beide historisch interessiert und vom Windmühlenverein, haben am Ilmenauufer Kekse auf Weidenstöcken aufgespießt und freuen sich auf den Genuss der Backwaren. Foto: t&w
So ähnlich könnte es gewesen sein bis vor rund 100 Jahren in Bardowick: Bernd Wald (r.) und Uwe Meyer, beide historisch interessiert und vom Windmühlenverein, haben am Ilmenauufer Kekse auf Weidenstöcken aufgespießt und freuen sich auf den Genuss der Backwaren. Foto: t&w

Zu Pfingsten Kekse knabbern

pet Bardowick. Pfingstbäume brachten viele Hausbesitzer zum Fest an ihren Haustüren an. Dieser Brauch war im Domflecken Bardowick und nicht nur dort lange Zeit weit verbreitet. Auch heute gibt es ihn noch in mancher Gemeinde, etwa in Reinstorf. Der 1943 in Bardowick geborene Bernd Wald kann sich gut an die Pfingstbäume erinnern. Berichte über andere, viel ältere, Pfingstbräuche hat der 73-Jährige in seinem Bücherschrank gefunden. Einer davon: das Sonnenrad.

Im Jahresheft des „Museumsvereins für das Fürstentum Lüneburg“ von 1887 heißt es dazu: „Am Nachmittage des ersten Pfingsttages sammelt sich der größte Theil der Bewohner von Bardowik, insbesondere die Jugend, gern auch auswärts zum Besuche gekommene Freunde und Verwandte, im besten Putz zu einem Spaziergange, einer Art Corso, auf dem Gelände des alten Herrenhofes und altem Heiligthums.“

Rund um den Eichhof spazieren die jungen und alten Bardowicker mit einem Ziel: „An der östlichen Eingangspforte des Eichhofes sitzen Händlerinnen mit Körben, aus denen sie ein Gebäck aus feinem süssen Teige verkaufen, die sogenannten Räder. Ein solches Rad ist hart gebacken, rund, flach und dünn, etwa 9 Centimeter im Durchmesser, in der Mitte durchlocht, mit zackigem Rand.“

Von denen naschten die Bardowicker dann nicht nur einen sie hatten mächtig Appetit auf mehr: „Besonders die Jugend kauft sich diese Räder, streift sie eines über das andere, möglichst viele, auf weissgeschälfte Weidenstäbchen und nascht sie mit Behagen. Vorsorgliche heben von dem sehr haltbaren Gebäck sich auch Vorrath auf.“
Woher der jahrhundertealte Brauch des „Sonnenrads“ stammt? Auch darüber machte sich der Autor im Jahresheft des Museumsvereins von 1887 seine Gedanken und er vermutet: „Das Rad mit seinem Zackenrande, Sinnbild der Sonne mit ihren Strahlen, war das Zeichen des Sonnengottes Wodan.“ Der Brauch, so der Autor, habe vorchristliche, heidnische Ursprünge.

Die Tradition des „Sonnenrades“ ist längst zu Ende gegangen. Auch von anderen Bräuchen, dem Pfingstochsen, dem Pfingstkarl oder dem Pfingstkalb gibt es kaum noch welche, die erhalten sind. Der Brauch das Pfingstkalbs etwa wird noch in einigen Gemeinden des Landkreises Lüchow-Dannenberg gepflegt, wo ein Kind, mit Birken und Blumen geschmückt, am Pfingstsonntag an den Haustüren um Süßigkeiten, Eier und Geld bittet. In Tosterglope war das Pfingstkalb noch bis vor zehn Jahren unterwegs.

Auch der Pfingstkarl war vor wenigen Jahren, etwa in Heiligenthal und in Südergellersen, noch einmal auf Tour, von engagierten Einwohnern in ihren Orten wiederbelebt. Der Brauch erzählt die Geschichte des „Karl“, der sich beim Sturz vom Dach ein Bein gebrochen hat, die ärztliche Behandung aber nicht zahlen kann. Um ihm zu helfen, zogen dann eben die Kinder los und sammelten für den armen verunglückten „Karl“.