Aktuell
Home | Lokales | Abitur: Kritik an Prüfungen auch aus Lüneburg
Selbst für Mathe-Ass Niklas Winkelmann war die Abitur-Prüfung in seinem Leistungsfach eine Herausforderung. foto: t&w
Selbst für Mathe-Ass Niklas Winkelmann war die Abitur-Prüfung in seinem Leistungsfach eine Herausforderung. foto: t&w

Abitur: Kritik an Prüfungen auch aus Lüneburg

us Lüneburg. Ein bisschen ist Niklas Winkelmann die Enttäuschung noch anzumerken. Seine Abitur-Prüfung im Fach Mathematik liegt zwar schon ein paar Tage zurück, doch dass sie ihm so schwer fallen würde, damit hatte der 18-Jährige nicht gerechnet. Am Johanneum gehörte er stets zu den Besten im Leistungskursus, 13 oder 14 Punkte bei Klassenarbeiten waren die Regel. „Ich dachte, ich schaffe die Prüfung mit links, aber da lag ich wohl falsch.“
So wie Niklas ging es offenbar vielen der rund 20000 niedersächsischen Schüler, die am 29. April zur schriftlichen Mathe-Prüfung antraten. Die Anforderungen waren offenbar so hoch, dass Schüler, Eltern und selbst Lehrer gleich in Massen Protest einlegten (LZ berichtete). Inzwischen kündigte das Kultusministerium an, die Bewertung der Leistung anpassen zu wollen. Die Aufgabendichte sei für die vorgegebene Zeit möglicherweise zu hoch gewesen, räumte eine Sprecherin ein.
Das sieht auch Niklas so: „Wir hatten alle Probleme mit der Zeit. Als ich nach 40 Minuten noch immer keinen Lösungsweg gefunden hatte, wurde es echt eng.“ Dabei war er mit einem guten Gefühl in die Prüfung gegangen. Seine Klasse hatte sich zuvor die Aufgaben aus den Vorjahren angeschaut und durchgerechnet, schnell sei klar gewesen, dass es zu schaffen sei. Doch dann kam alles ganz anders: „Am Ende wusste man gar nicht mehr, was man eigentlich geschafft hat“, berichtet ­Niklas. „Schnell kam da das Gefühl: Das wird nichts.“
„Das war äußerst viel“, bestätigt auch Michael Fügener. Der Mathematik-Lehrer war bei den Prüfungen im Johanneum dabei, hat die Aufgaben anschließend nachgerechnet. „Zu schaffen war das nur, wenn man sofort den zeitökonomischsten Weg gefunden hat“, sagt Fügener, der bereits mehrfach Prüfungen abgenommen hat. Seine Kritik: Die Schüler hätten nur das 1,5-fache der Zeit gehabt, die er als Lehrer für die Aufgaben benötigte. „Angemessen wäre mindestens Faktor 2 gewesen.“
Auch am Gymnasium ­Oedeme habe es Kritik gegeben, dessen Leiter Dieter Stephan hatte sich daraufhin gleich ans Kultusministerium in Hannover gewandt. „Ich bin beruhigt, dass das Ministerium nun wohl reagieren wird“, sagt Stephan. Wie die Reaktion genau aussehen wird, ist bislang noch offen. Stephan hielte ein Nachjustieren bei den Bewertungsmaßstäben für sinnvoll, etwa durch ein Angleichen der Prozentsätze für die erreichten Punkte oder durch Herausnahme einer Aufgabe. „Schüler, die diese Aufgabe dennoch gelöst haben, erhalten dann Pluspunkte.“ Ein „Reparieren“ hält der Schulleiter ohnehin für die bessere Lösung als eine Prüfungs-Wiederholung. „Das wäre ein echter Kraftakt und würde wohl auch nicht ohne juristische Ausei­nandersetzung abgehen.“
Den Grund für die aufgetretenen Probleme vermutet Stephan auch im insgesamt deutlich kürzeren Schuljahr durch die früheren Sommerferien in Niedersachsen, außerdem sei bei diesem Schuljahrgang auch noch „G8 im Hintergrund“, wie Stephan ergänzt. „Das Handwerkszeug im Umgang mit Termen und der Lösung von Gleichungen ist dadurch nicht mehr so solide vorhanden.“ Auch die Arbeit der Prüfungs-Kommission von ihr werden die Tests erarbeitet nimmt Stephan in den Blick: „Sie muss ihre Hausaufgaben besser machen und sollte sich nicht zu sehr von den Schülern lösen.“ Die Forderung des Philologenverbands, künftig mehr Praktiker in die Kommission zu holen, unterstütze er „voll und ganz“. Zwar sollten auch in Zukunft die Aufgaben anspruchsvoll bleiben „das Niveau darf nicht hopps gehen“ , zugleich aber müsse man die konkreten Lernbedingungen vor Ort berücksichtigen.
Niklas wäre ein Anpassen der Bewertungsmaßstäbe am liebsten, gegen eine Wiederholung der Prüfung hätte er aber auch nichts. „Bei mir kommt es auf drei Punkte mehr oder weniger nicht an, bei Mitschülern schon. Deshalb wäre eine Wiederholung vielleicht die bessere Lösung.“

One comment

  1. Werner Schneyder

    Seltsam: Da jammern die Ewiggestrigen, dass das Abi immer leichter würde (was Unsinn ist) und nun regt man sich auf, dass das Mathe-Abi zu schwer sei. Die Aufgaben wurden doch von Philologen entwickelt – wird Zeit, dass das mal Pädagogen machen.