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Wer in Lüneburgs Innenstadt mit WLAN surfen möchte, verliert schnell das Signal und muss sich neu einloggen. Doch damit ist wohl bald Schluss. Foto: rg
Wer in Lüneburgs Innenstadt mit WLAN surfen möchte, verliert schnell das Signal und muss sich neu einloggen. Doch damit ist wohl bald Schluss. Foto: rg

In Lüneburg kostenlos mit Highspeed surfen?

rw Lüneburg. Und schon wieder kein Empfang: In Lüneburgs Innenstadt ist es zwar leicht, mit dem Smartphone ins Internet zu gehen, aber oft deutlich schwieriger, im Internet zu bleiben. Das Netz aus WLAN-Hotspots und Gäste-Zugängen in Cafés und Restaurants ist löchrig. Wer kann, nutzt lieber mobiles Internet via Satellit. Eine mögliche Lösung des Problems wäre ein kostenlos nutzbares, einheitliches WLAN-Netz, das über gleichmäßig verteilte Zugriffspunkte einen ununterbrochenen Netzzugriff garantiert. In anderen europäischen Städten wie Tallinn und Helsinki ist dies bereits seit Jahren Realität. In Deutschland hingegen war die sogenannte Störerhaftung ein Hemmnis: Jeder, der einen WLAN-Hotspot anbietet, muss für mögliche Vergehen seiner Nutzer unter Umständen haften, wie beispielsweise bei illegalen Downloads von Musik und Filmen.

Doch diese Hürde soll beseitigt werden: Die Bundesregierung hat jetzt beschlossen, die Störerhaftung abzuschaffen. Damit können beispielsweise Gastronomen oder Netzanbieter nicht mehr für die kriminellen Netzaktivitäten ihrer Nutzer belangt werden und bedenkenlos ihren Kunden einen Netzzugang verschaffen. Das Gesetz könnte schon diesen Herbst in Kraft treten.

In Lüneburg könnten daher die Tage des unzuverlässigen Innenstadt-WLANs gezählt sein. Oberbürgermeister Ulrich Mädge begrüßt die Berliner Entscheidung: „Die Nachricht vom baldigen, längst überfälligen Ende der Störerhaftung erleichtert es uns nun, mit weiteren Akteuren vor Ort und allen voran der Lüneburg Marketing in die Umsetzung zu gehen.“ Vorstellbar sei dies zunächst am Markt, an der Großen Bäcker-, der Schröder- und der Grapengießerstraße. In einer zweiten Phase könne dann der Stint miteinbezogen werden.

Claudio Patrik Schrock-Opitz, Geschäftsführer der Lüneburg Marketing, will sich kommende Woche mit möglichen Partnern treffen, die als Dienstleister flächendeckendes WLAN in Lüneburg installieren und betreiben können. „Auch mit potenziellen Sponsoren, der Kaufmannschaft und Gastronomiebetrieben wird zu reden sein“, fügt Schrock-Opitz hinzu, „denn sie alle haben ein Eigeninteresse, dass Kunden und Gäste bei ihnen WLAN empfangen können“.

Norbert Hill, Geschäftsführer des lokalen Netzbetreibers LüneCom, zeigt sich optimistisch: „Es würde uns nicht wundern, wenn es bald in Lüneburg ein flächendeckendes WLAN-Netz geben würde.“ Die LüneCom versorgt Kunden auch in der Innenstadt mit Glasfaser-Verbindungen, diese könnten auch zur Installation eines offenen WLAN-Netzes genutzt werden.

Eine Umfrage der LZ auf ihrer Website und bei Facebook zeigte, dass auch ein Großteil der Lüneburger für ein solches Netz ist: Von 90 Teilnehmern wollen 71 Prozent ein kostenloses WLAN-Netz in der Stadt. Einige sehen es hingegen kritisch. Bei Facebook schreibt Stephan Voßmüller: „Schwachsinn, wenn ab Herbst die Betreiberhaftung gesetzlich flachfällt, wird jeder Gastronom ein freies WiFi anbieten. Da noch öffentliche Gelder zu investieren, wäre pure Verschwendung.“ Andere Nutzer weisen auf das bereits vorhandene Freifunk-Netz in Lüneburg hin: Seit einigen Jahren bietet der Verein „Freifunk Lüneburg“ in der ganzen Stadt kostenfreie WLAN-Netze an. Doch auch sie würden sich über kostenloses Highspeed-WLAN freuen. „Als Freifunker stehen wir einer besseren Internetversorgung in der Innenstadt natürlich extrem positiv gegenüber“, meint Mitglied Claas Heinrich. „Auch wir waren schon mit verschiedenen Ladeninhabern in Kontakt.“ Er kritisiere jedoch ein mangelndes Interesse seitens der Ladeninhaber in der Innenstadt, weswegen auch das Freifunk-Netz noch nicht allzu verbreitet sei.

Heiko Meyer, Vorsitzender der Lüneburger City Management, ist einerseits ein großer Freund von kostenlosem WLAN, kann andererseits die Bedenken von vielen Ladeninhabern verstehen: „WLAN in der Innenstadt zu haben ist wichtig und ein guter Werbefaktor für Lüneburg.“ Einige Kunden ließen sich jedoch im Laden beraten, verglichen dann mithilfe ihres Smartphones im Internet die Preise und kaufen das Produkt letztlich im Netz: „Das ist natürlich schlecht für den Einzelhandel.“

Wie ein kostenloses, flächendeckendes Hochgeschwindigkeits-WLAN als Geschäftsmodell funktionieren kann, probiert momentan der Hamburger Netzbetreiber willy.tel in der City der Elbmetropole aus: Dort können Besucher mit ihrem Smartphone und Tablet kostenlos dauerhaft über WLAN ins Internet gehen. Dank Glasfasertechnik und einem dichten Netz aus Zugriffspunkten soll das auch flott und zuverlässig funktionieren, bis Ende des Jahres soll es freies WLAN in der gesamten Innenstadt geben. Zahlen müssen für den Internet-Zugang nur Geschäftsleute und Wirte, damit Kunden auch innerhalb ihrer Räume weitersurfen können.

Hintergrund

Die Initiative Freifunk bietet die Möglichkeit, private und geschäftliche Internetzugänge durch spezielle Zugangspunktrouter – sicher und unabhängig vom eigenen Netzwerk – für Dritte kostenfrei zu öffnen. Für einen einmaligen Betrag von 20 Euro kann jeder einen speziellen Router erhalten, der den privaten oder geschäftlichen Internetzugang aufteilt und neben dem eigenen einen offenen Internetzugang für Jedermann bereitstellt.

Der Router kann individuell so eingestellt werden, dass der Hauptnutzer des Zugangs nicht beeinträchtigt werde. Momentan sind 145 Knoten, also W-LAN-Router mit Freifunk-Software, über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Informationen gibt es auch auf freifunk-lueneburg.de im Internet.

One comment

  1. „Wer kann, nutzt lieber mobiles Internet via Satellit.“
    Ich glaube, der Autor meinte hier, Internet via Mobilfunk. Über Satellit ist das viel zu teuer und in den engen Gassen vielleicht auch gar nicht möglich.