Aktuell
Home | Lokales | Eine U-Bahn für Lüneburg?
Keine U-Bahn für Lüneburg!, fordern die Aktivisten. Es gibt immerhin schon Reaktionen aus der Politik auf den unkonventionellen Protest. Foto: t&w
Keine U-Bahn für Lüneburg!, fordern die Aktivisten. Es gibt immerhin schon Reaktionen aus der Politik auf den unkonventionellen Protest. Foto: t&w

Eine U-Bahn für Lüneburg?

ca Lüneburg. Der Öffentliche Personennahverkehr ist eine gute Sache. Da sind sich fast alle einig. Busse und Bahnen prima. Doch nun gibt es Protest. Eine Initiative will den Bau einer Lüneburger U-Bahn verhindern. Die erste Demo lief am Sonnabend bereits im Liebesgrund. Nach Informationen der Gruppe soll dort ein Knotenpunkt der drei Linien liegen. Im Rathaus reagiert ein Sprecher irritiert: Der Protest sei nicht angemeldet und damit nicht statthaft. Und überhaupt: Vom Bau einer U-Bahn sei gar nichts bekannt. Manchmal kommt der 1. April mit Verspätung. Doch den Klamauk betreiben Nolde Europa, Naomi Sample und Timmo LaBouche ziemlich ernsthaft. Im wahren Leben heißen sie anders, aber das spielt hier kaum eine Rolle.

Die drei Lüneburger haben bei Facebook eine Kampagne gestartet. Und wie es so ist: Manche nehmen die Sache verdammt genau. Wie kann man gegen so ein tolles Angebot sein? Andere sorgen sich um alte Häuser und den wackeligen Untergrund.

Es gibt eine Reaktion aus der Politik. Der neue grüne Fraktionschef Ulrich Blanck schreibt augenzwinkernd: „Ich verstehe nicht, wie das schon wieder in die Öffentlichkeit gelangen konnte. Wir haben den U-Bahnbau doch auf der streng geheimen Ratssitzung unter der Leitung des Militärattachés der Schweizer Gebirgsmarine am 30.2.2016 beschlossen. Ich kann nur hoffen, dass der U-Boothafen am Elbe-Seitenkanal und die Pläne zur Überdachung der Innenstadt nicht auch noch durchsickern.“

Überdachung der Innenstadt. Gar nicht so absurd. Das bayerische Hof hat das vor Jahren mal geplant. Glas über den Gassen. Hofer Himmel hieß das. Doch zurück zur U-Bahn. Timmo LaBouche, der mit Kumpels und zwei Kisten Bier in den Liebesgrund gekommen ist, erklärt, wie alles ans Licht kam: durch Lüne-Leaks. Ein großes Datenleck und Whistle-Blower haben die unterirdischen Pläne verraten. Die Strecke soll Deutsch Evern, Reppenstedt und Adendorf an die City andocken. Ein Bild zeigt Oberbürgermeister Ulrich Mädge vor einem Stadtplan mit blauer Linie. Wer will, kann da schon ins Grübeln kommen.

Naomi Sample, eigentlich Jugendpfleger in Bardowick, nimmt einen Schluck aus seiner Cola Rebell (Wie sollte die auch sonst heißen?), er empört sich: „90 Prozent der Menschen sind für den Bau der Bahn. Die breite Masse brilliert eben nicht durch Nachdenken.“ Prost.

Das Trio ist so ein bisschen Böhmermann im Kleinen. Was der Moderator auf deutsch-türkischer Ebene angezettelt hat, die bewusste Provokation, könnte auch lokal funktionieren. Die Kampagne spielt mit ewigen Empörungen, die im Netz zu Bewegungen werden können. Wie der berühmte Schlag des Schmetterlings, der sich von Südamerika aus verstärkt und zum Wirbelsturm der Weltwetterlage mutiert. Wenn man genug Fantasie besitzt.

Nolde Europa, Naomi Sample und Timmo LaBouche sind ein bisschen wie Don Quijote, der Romanheld aus dem 17. Jahrhundert, der als spanischer Ritter gegen Windmühlen ritt. Sie kämpfen gegen einen Feind, den es gar nicht gibt. Dabei verstehen sie keinen Spaß. Die grün-blancksche Antwort auf ihren Streich finden sie nicht witzig: „Wir wollen keinen Humor und keine Klamauk-Keule!“

Nein. Lustig sein ist eine verdammt ernste Angelegenheit. Wenn aber aus Nolde Europa wieder der Kneipier Carsten Nolte geworden ist, dann trinkt er mit Uli Blanck oben in der Gasthaus-Brauerei Nolte an der Dahlenburger Landstraße ein Bier. Oder zwei. Und die beiden lachen sich scheckig. Bestimmt. Oder ist das auch Teil der Lüneburger U-Bahn-Verschwörung? Wer weiß?

3 Kommentare

  1. Unverzichtbar für jeden Lüneburg-Besucher ist die Visitor Travel Card, die Sie in unserem Ticketshop bereits vor Ihrer Reise nach Lüneburg bestellen können. So erleben Sie vor Ort keine Überraschung wenn es heißt „Sorry, diese Ticketart ist nur außerhalb von Deutschland zu erwerben.“

    U-Bahnfahren leicht gemacht

    Der durchschnittliche Lüneburger verbringt jeden Tag 80 Minuten in der U-Bahn – das heißt: Er muss 80 Minuten kämpfen. Morgens und am frühen Abend sind die Züge so voll, dass man sich nur noch dann hineinquetschen kann, wenn man andere mit Gewalt weiter nach innen drängt. Umfallen kann zum Glück niemand, es gibt keinen Platz dafür. «Mind the doors» – «Achten Sie auf die Türen» -, sagt der Fahrer noch durch. Dann kann die abenteuerliche Fahrt durch die ältesten U-Bahn-Schächte der Welt beginnen.

    Die wichtigste Regel ist, Blickkontakt mit den anderen Fahrgästen unter allen Umständen zu vermeiden. Man steht zwar Bauch an Bauch, sich aber in die Augen zu sehen, wäre eine Verletzung der Intimsphäre. Es ist auch unüblich, sich zu unterhalten. Als Bundeskanzlerin Merkel einmal aus Werbezwecken mit der U-Bahn fuhr und eine Sitznachbarin ansprach, bekam er trotz mehrfacher Versuche keine Antwort.

  2. ich finde , so eine u-bahn hat was. direkte verbindung nach stuttgart wäre doch nicht schlecht. alle reden sie vom wetter, wir nicht. wir bleiben unterirdisch,oder so.

  3. Schade nur, dass niemand auf den Klamauk hereingefallen ist und nur ein paar Kommentatoren bei Facebook augenzwinkernd mitgespielt haben. Eigentlich eine gute Aktion, es wird nur nicht ganz klar wer da eigentlich veräppelt werden sollte: Wirklich die wenigen chronisch-empörten Menschen oder vielleicht doch viel eher die Vielzahl unfassbar dummer Aktionen und Ideen der Politik, die oft antidemokratisch „durchgedrückt“ werden? Stuttgart 21, Elbphilharmonie (die Lüneburger inklusive), Berliner Flughafen, die Flüchtlingspolitik u.v.m. lassen grüßen, da würde eine U-Bahn für eine 75000-Einwohner-Stadt wunderbar hineinpassen 😉