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Sie präsentierten die NBank-Jahresbilanz zum letzten Mal in ihrem aktuellen Domizil An der Münze: Vorstandsmitglied Dr. Sabine Johannsen und Stephen Struwe-Ramoth, Leiter der Beratungsstelle Lüneburg. Spätestens Ende des Jahres zieht die NBank in die Stadtkoppel um. Foto: be
Sie präsentierten die NBank-Jahresbilanz zum letzten Mal in ihrem aktuellen Domizil An der Münze: Vorstandsmitglied Dr. Sabine Johannsen und Stephen Struwe-Ramoth, Leiter der Beratungsstelle Lüneburg. Spätestens Ende des Jahres zieht die NBank in die Stadtkoppel um. Foto: be

EU-Förderperiode: Lüneburg mit Vorsprung

rast Lüneburg. Als drastisch, aber nicht dramatisch bezeichnet Dr. Sabine Johannsen den Rückgang um 40 Prozent der EU-Förderung in Niedersachsen in der Förderperiode 2014 bis 2020; flossen im Zeitraum 2007 bis 2013 noch 1,67 Milliarden Euro, sind es nun 978 Millionen Euro. Laut dem Mitglied des NBank-Vorstands ist dies eine Summe des Sozial- und Wirtschaftsförderfonds, „die der Periode vor 2007 entspricht“. Die Region Lüneburg hat zwar den Status eines besonders geförderten Konvergenzgebietes verloren, für sie gilt aber weiterhin eine Übergangsregelung. Dr. Johannsen: „Das heißt, Lüneburg ist bei der Förderung mit einem Vorsprung am Start.“ Von der knappen Milliarde Euro sind ein Drittel für die Region, der Rest für die anderen niedersächsischen Gebiete vorgesehen.

Aufgabe der NBank ist es, Fördermittel im Namen des Landes Niedersachsen zu bewilligen, um die Regionen in einer Bündelung von Wirtschafts-, Arbeitsmarkt-, Wohnraum- und Infrastrukturförderung nach vorne zu bringen. Dabei ist die Beratungsstelle An der Münze in Lüneburg verantwortlich für das Gebiet des ehemaligen Regierungsbezirks Lüneburg. Wurden bislang Projekte zu 75 Prozent von der EU und zu 25 Prozent vom Land finanziert, ist der neue Schlüssel nun 50 zu 50 Prozent.

93,5 Millionen Euro flossen 2015 als Zuschüsse und Darlehen in die Region Lüneburg. 48,6 Millionen davon in den Bereich Infrastruktur, 25,8 Millionen in den Wirtschaftsbereich, elf Millionen in den Bereich Arbeit und 8,1 Millionen fürs Wohnen. Dr. Sabine Johannsen nennt weitere Zahlen: „Mit dem Geld wurden in der Region 535 Arbeitsplätze geschaffen, 281 Unternehmen gefördert, davon 107 mit weniger als zehn Beschäftigten. In der Arbeitsmarktförderung wurden 421 Projekte unterstützt. 43 Häuser und Eigentumswohnungen, etwa für kinderreiche Familien und Schwerbehinderte, wurden ebenso gefördert wie 71 Mietwohnungen und sechs energetische Sanierungen.“ Investiert hat die NBank in der Hansestadt Lüneburg beispielsweise in das Bauprojekt an der Wallstraße, wo es Wohnungen zu niedrigen Mietpreisen gibt.

Ein Schwerpunkt der NBank-Arbeit liegt auf der Innovationsförderung, Dr. Johannsen: „Das Land fördert direkt die Weiterbildung von Mitarbeitern der Unternehmen, die Aufgabe hatten zuvor die Kammern erledigt. Wir haben dafür bereits 1700 Anträge.“ Und die niedrigschwellige Innovationsförderung gilt künftig nicht nur fürs Handwerk, sondern für alle kleinen und mittelständischen Unternehmen: Pro Projekt gibt es 35 Prozent Zuschuss bis zu einer Höhe von 100000 Euro.“ Der NBank-Vorstand nennt ein Beispiel aus Amt Neuhaus: Eine Tischlerei war nicht in der Lage, einbruchssichere Fenster herzustellen, die Idee dazu aber war da. „Jetzt klappts. Ich würde mich freuen, wenn wir mit Anträgen in diesem Bereich überschüttet werden, um die Innovationskraft der Region zu beleben.“ Einige Unternehmen begleitet die NBank über Jahre hinweg, beispielsweise einen Bardowicker Betrieb, der sich auf Sicherheitsglas spezialisiert hat.

Es gibt nun auch die Möglichkeit, die europäische Förderung über das Programm „Horizont 2020“ direkt bei der EU zu beantragen, hier sollen marktfähige Produkte, Verfahren, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle unterstützt werden. Der Lüneburger NBank-Beratungsstellenleiter Stephen Struwe-Ramoth nennt das Beispiel zweier Lüneburger, die eine Internetplattform entwickelt haben, über die die Fan-Gemeinde Konzerte vorfinanzieren, sich so Künstler in ihre Stadt holen können: „Eine Art Fan-Crowdfunding.“ Ihr Antrag war erfolgreich, das Unternehmen läuft. Es ist übrigens über den Innovations-Inkubator der Leuphana Universität entstanden, in den über die NBank in den letzten Jahren knapp 63 Millionen Euro geflossen sind, Dr. Johannsen: „Bis auf ein Prozent sind alle Gelder ausgezahlt.“

Sabine Johannsen weist auf eine weitere Neuerung hin: Sie gwährt auch Kommunen zinsgünstige Darlehen mit langer Laufzeit: „Zum Beispiel für Infrastrukturmaßnahmen wie etwa Breitband.“

Die NBank selbst setzt auch auf Innovationen: Seit 2015 sind die elektronische Antragstellung und der Online-Mittelabruf in der EU-Förderung über das Online-Kundenportal möglich.