Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Termin auf dem Truppenübungsplatz mit Bürgermeistern und CDU-Politikern (v.l.): Oberstleutnant Michael Hoppstädter, Meinhard Perschel, Deutsch Everns Bürgermeisterin Ulrike Walter, Alexander Blume, Wendisch Everns Bürgermeister Raymond Cuypers, Günter Dubber und Sonja Jamme. Foto: t&w
Termin auf dem Truppenübungsplatz mit Bürgermeistern und CDU-Politikern (v.l.): Oberstleutnant Michael Hoppstädter, Meinhard Perschel, Deutsch Everns Bürgermeisterin Ulrike Walter, Alexander Blume, Wendisch Everns Bürgermeister Raymond Cuypers, Günter Dubber und Sonja Jamme. Foto: t&w

Absage aus Berlin – Kein Gewerbegebiet auf Truppenübungsplatz

kre Lüneburg/Wendisch Evern. Die Schreiben sind militärisch kurz und in der Sache deutlich: „Die …Entbehrlichkeitsprüfung hat zu dem Ergebnis geführt, dass der gesamte Standortübungsplatz Wendisch Evern weiterhin für Ausbildungszwecke der Streitkräfte zwingend benötigt wird. Eine Abgabe von Teilflächen für eine zivile Nutzung ist daher nicht möglich“, teilt Gerd Hoofe, Staatssekretär im Bundesministerium für Verteidigung, Landrat Manfred Nahrstedt auf eine entsprechende Anfrage mit. Post aus dem Bundesverteidigungsministerium vom Parlamentarischen Staatssekretär Markus Grübel — mit gleichem Inhalt — hat auch der Lüneburger CDU-Bundestagsabgeordnete Eckhard Pols erhalten. Damit steht nun endgültig fest, dass der gemeinsame Wunsch von Oberbürgermeister Ulrich Mädge und Landrat Manfred Nahrstedt, Teile des Übungsplatzes als Industrie- und Gewerbegebiet zu entwickeln, unerfüllbar bleibt. Landrat Nahrstedt und Oberbürgermeister Ulrich Mädge bedauern diese Entscheidung.

Der Vorstoß der beiden SPD-Politiker hatte bei der Truppe für Unruhe gesorgt: „80 Prozent der Soldaten leben in der Stadt und im Landkreis Lüneburg“, betonte am Dienstag der Standortälteste und Kommandeur der Lüneburger Aufklärer, Oberstleutnant Michael Hoppstädter und fügte hinzu: Die Soldaten wüssten sehr genau, was auf dem Spiel steht, wie schnell Kasernen geschlossen werden, wenn erst einmal der Übungsplatz aufgegeben wird.“

Diese „Gefahr“ für die Truppe scheint nun fürs Erste gebannt. „Und das ist auch gut so“, findet der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes, Günter Dubber. Mit dem CDU-Stadtverbandsvorsitzenden Niels Webersinn fordert er von den „politisch Verantwortlichen vor Ort ein klares Bekenntnis für den Bundeswehrstandort Lüneburg“. In einer gemeinsamen Presseerklärung der beiden CDU-Vorsitzenden heißt es weiter: „Die Soldaten der Bundeswehr fühlen sich in der Lüneburger Stadtgesellschaft herzlich aufgenommen und trainieren am hiesigen Standort und auf dem Standortübungsplatz, um sich erfolgreich bei Friedenseinsätzen weltweit zu bewähren.“

Vor diesem Hintergrund gelte es deshalb, bei der Suche nach neuen Gewerbeflächen für Hansestadt und Landkreis Lüneburg behutsam vorzugehen und den Standortübungsplatz Wendisch Evern nicht in Frage zu stellen beziehungsweise durch vereinzeltes und unkoordiniertes Vorgehen den Standort Lüneburg zur Disposition zu stellen, heißt es weiter in der Erklärung der Christdemokraten.

Für Unverständnis hatte auch das Vorgehen von Mädge und Nahrstedt gesorgt, dass bei der Anfrage im Ministerium vorab die örtlichen Bürgermeister in Wendisch Evern und Deutsch Evern nicht informiert und mit einbezogen wurden. „Für die positive Entwicklung der Hansestadt Lüneburg … ist es zwingend notwendig, dass Umlandgemeinden und Hansestadt an einem Strang ziehen“, schreibt Niels Webersinn den beiden SPD-Spitzenpolitikern deshalb ins Stammbuch.

Unterstützung erhält er dabei vom Gemeinderat in Wendisch Evern, der während seiner jüngsten Sitzung einstimmig eine entsprechende Resolution verfasst hat. Darin spricht sich der Rat nicht nur gegen die Umwandlung des Standortübungsplatzes — auch in Teilen — in ein Gewerbe- und Industriegebiet aus, sondern fordert zudem, dass „grundsätzlich bei Planungen, die das Gebiet der Gemeinde Wendisch Evern betreffen, die Gremien der Gemeinde im Vorfeld einzubinden sind“. Eine Resolution mit gleichlautendem Inhalt will auch noch der Rat Deutsch Evern verabschieden. Für Günter Dubber und CDU-Kreistagsfraktionschef Alexander Blume macht der Einsatz für die Truppe auch aus wirtschaftlichen Gründen Sinn: „Der Standort Lüneburg ist mit 900 Arbeitsplätzen schließlich ein nicht unerheblicher Wirtschaftsfaktor.“

Landrat Manfred Nahrstedt

nahr„Am Freitag habe ich die Nachricht erhalten. Der Übungsplatz wird auch für die Ausbildung an unbemannten Fluggeräten genutzt. Hierfür war die Erklärung des Areals zum Flugbeschränkungsgebiet erforderlich. Alternative Ausbildungsinfrastruktur steht laut Staatssekretär Hoofe regional nicht zur Verfügung.

Ich finde es schade, dass mein Versuch im Kreis Lüneburg eine geeignete Gewerbefläche von der Bundeswehr zu erhalten, nicht erfolgreich war. Wenn ich mir die Größe des Truppenübungsplatzes Munster ansehe, kann ich nicht verstehen, warum die Abgabe einer kleinen Teilfläche nicht möglich war. Sollte es Überlegungen geben, die Ausbildung an unbemannten Fluggeräten an einen anderen Standort zu verlegen, werde ich mich beim Verteidigungsministerium wieder melden.“

 

Oberbürgermeister Ulrich Mädge

ulrich„Ich bedaure die Entscheidung und nehme zur Kenntnis, dass es zurzeit offensichtlich nicht gewollt ist, hier eine Fläche zu entwickeln. Mittelfristig werden wir jedoch schauen, ob sich am Standort nicht doch eine Möglichkeit ergibt, denn keine Entscheidung ist endgültig in der Politik.

Unabhängig davon werden wir in der Region weiter schauen, wo wir notwendige Gewerbeflächen zur Schaffung und Sicherung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen bekommen können. Um es deutlich zu machen: Wir stehen in der Verantwortung, notwendige Flächen für notwendige Arbeitsplätze — vor allem für junge Menschen — in der Region bereitzustellen, damit sie nicht nach Uelzen oder nach Hamburg abwandern müssen.“

 

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12 Kommentare

  1. Waltraud Obermeier-Reuzke

    Zitat OB Mädge: „Wir stehen in der Verantwortung, notwendige Flächen für notwendige Arbeitsplätze — vor allem für junge Menschen — in der Region bereitzustelllen, damit sie nicht nach Uelzen oder nach Hamburg abwandern müssen.“
    Das klingt ja zweiflellos super-verantwortungsbewusst und absolut staatstragend. Darf ich trotzdem mal an das „ökologische Gewiissen“ der Herren appelileren? In Vastorf stehen Gewerbeflächen frei! In vielen anderen Orten ebenfalls, zum Beispiel in Dahlenburg. Diese angeblich so „alternativlosen“ Gewerbeflächen-Pläne haben doch eine einfache, leicht erkennbare Ursache: kurzfristig wird durch solche Aktionen „Wirtschaftsnähe“ demonstriert. Das ist ganz wichtig, damit die Lobby applaudiert. Außerdem gibt’s EU-Subventionen! Der (von der SPD) so viel beschworene „kleine Mann“ schüttelt aber nur noch den Kopf über soviel Aktionismus. Das ganze Gerede von „Nachhaltigkeit“, „Klimaschutz“, „verantwortungsvollem Umgang mit Resourcen“ und „Generationengerechtigkeit“ entpuppt sich in solchen Momenten nämlich als heiße Luft. Aber wer unbedingt noch mehr Beton, Biogasanlagen, Flächen-Versiegelung und ungenutzte Gewerbe-Parks haben will: bitte sehr! Mit ein paar Biilliglohn-Arbeitsplätzen kann man das alles wunderbar rechtfertigen. Und dann alle die dagegen sind – als „Träumer“ und realitätsfremde „Öko-Spiinner“ – abtun. Top!

    • Sehr geehrte Frau Obermeier-Reuzke. Ich will sie nicht beleidigen oder ihnen zu nahe treten, aber vielleicht ist der Begriff „Träumer“ und realitätsfremde „Öko-Spinner“ aus Sicht mancher gar nicht falsch. Denn worum geht es bei der Schaffung von Gewerbeflächen?

      Es geht um Geld. Besser gesagt um Geldeinnahmen für Stadt und Landkreis in Form von Gewerbesteuer und anderen Abgaben. Gewerbeflächen in Vastorf und Dahlenburg interessieren da nicht. Es geht um die eigenen Einnahmen. Mit sicher nicht wenig Neid schaut man da auch nach Bardowick, das es geschafft hat erfolgreich Gewerbeunternehmen anzusiedeln, die zuvor in Lüneburg ihren Sitz hatten. Und es werden mehr. Kann da der Hebesatz für die Gewerbesteuer vielleicht eine Rolle spielen?
      Die Stadt Lüneburg wurde durch die Landesregierung angesichts der prekären Finanzlage der Stadt gedrungen die Gewerbesteuer und auch die Grundsteuer zu erhöhen. Bürger und Unternehmen dürfen mal wieder für die schlechte Finanzpolitik (Verschwendung) der Verwaltung her halten.
      Und jetzt frage ich sie noch mal: Wo passen da „Träumer“ und realitätsfremde „Öko-Spinner“ in das Bild? Gar nicht. Denn es geht um Geld!!! Die „Gottheid“ unserer Zeit (Frei nach Papst Franziskus). P.S.: Ich gehöre keiner Konfession außer meinem Gewissen an. Und noch etwas. Ob die Nutzung des Übungsplatzes in Wendisch-Evern durch die Bundeswehr ökologisch sinnvoll ist steht als Frage auch noch im Raum.

    • Hinzu kommen noch ungenutzte Gewerbegebiete am Bilmer Berg, in Bardowick (Wittorfer Heide), und Embsen / Melbeck. Es ist mir wirklich ein Rätsel, warum nun gerade auf den Flächen des Truppenübungsplatzes noch weitere (leerstehende) Gewerbeflächen entstehen sollen. Der Bedarf ist ja gar nicht vorhanden. Scheinbar hat Herr Mädge sich von seiner Dienstzeit als Zeitsoldat schon weit entfernt und ist der Immobilienlobby immer näher gerückt.
      Meiner Meinung nach sollte man die Dienstzeit von Bürgermeistern auf maximal zwei Amtszeiten begrenzen. Dasselbe sollte für Landräte gelten.

    • Hallo Frau Obermeier-Reuzke,

      Ich bin ganz ihrer Meinung, aber wie man den Kommentaren unserer kommunalpolitischen „Superhelden“ entnehmen kann , werden sie es bei der sich nächstbietenden Möglichkeit wieder versuchen!
      Die nächsten Wahlen sind ja nicht mehr weit – Stichwort Kommunalwahl NDS 2016!

  2. Sascha Stolle

    Herr Nahrstedt sollte erstmal für die nötige Infrastruktur für Gewerbe und Handel im vorhanden ländlichen Raum sorgen. Stichwort Internet, öffentlicher Nahverkehr.
    Firmen können nicht wachsen, wenn diese wichtigen Kapazitäten nicht vorhanden sind. Diese Firmen wandern nach Uelzen und Hamburg ab.
    Viele kleine, kleinst und mittlere Firmen dümpeln immer noch im digitalen Mittelalter rum.
    Man sollte erstmal das Haus ausfegen bevor man neue Stühle reinstellt.

  3. Man sollte doch meinen, dass ein Landrat, mit Bundeswehrstandort, den rechtlichen und wirtschaftlichen Unterschied zwischen einem Standortübungsplatz, wie Wendisch-Evern, und einen Truppenübunsplatz, wie Munster Nord und Süd, kennt….
    Die Lüneburger Aufklärer haben einen bevorzugten Anspruch auf Nutzung des eigenen Standortübunsplatzes. Um jedoch auf einem Truppenübungsplatz üben zu dürfen muss sich das Btl bewerben und steht dort wiederum sehr weit unten in der Vergabe. Egal wie nah diese an dem Truppenübungsplatz sind. Ein Problem mit dem die Munsteraner Truppenteile schon seit Jahren zu kämpfen haben, da diese über keinen Standortübungsplatz verfügen. Und daher nicht selten bei Wendisch-Evern oder Rothenburg üben müssen, weil sie im Ranking für Munster Nord/Süd zu weit unten stehen.

    Davon ab stehen doch jetzt schon genug Gewerbeflächen in und um Lüneburg leer. Sollen Mädge und Nahrstedt doch erst einmal diese befüllen bevor sie weitere schaffen.

  4. Wer Naturschutzgebiete und Sportplätze für Villenbebauung opfert, dem ist alles zuzutrauen. Leider waren auch die Grünen maßgeblich an dieser Politik beteiligt. Was spricht eigentlich dagegen, wenn sich Gewerbe und Industrie in Uelzen oder Richtung Hamburg ansiedelt? Beides ist gut aus Lüneburg erreichbar und ich dachte eine Metropolregion denkt gemeinschaftlich. Die Unternehmen wandern schließlich nicht ins Ausland. Bei Nahrstedt ist man leider schon gewohnt, dass er sich zu große Schuhe angezogen hat und Projekte nicht übergreifend zum Ziel führen kann. Man sieht das leider auch wieder ganz deutlich an der geplanten Sporthalle. Anstatt gleich ein dringend benötigtes Sportplatzgelände mit zu integrieren wird für sehr viel Geld wieder eine Insellösung entwickelt und die Sportplätze müssen dann wieder extra geplant werden, obwohl sie die gleiche Infrastruktur wie Umkleiden, Parkplätze etc. benötigen. Der für die Halle angekündigte Volleyballsport und Schulsport würde sich sicherlich auch freuen, wenn einzelne Trainingseinheiten im Grünen vor der Halle stattfinden könnten anstatt auf Beton im Gewerbegebiet. Kann diese Leute nicht mal jemand Stoppen? Der Wähler schafft es ja leider nicht und hat auch nur alle paar Jahre Gelegenheit dem Gemauschel der Politik mit Immobilienspekulanten, Discobetreibern und Sportmanagern ein Ende zu setzen und Menschen ins Amt zu hiefen, die sich für durchdachte, übergreifende Lösungen einsetzen und diese an den Notwendigkeiten ausrichten und nicht an den Fördertöpfen und Einflüsterern.

  5. Malte Fischer

    Macht´s besser, ihr braven Helden des Dauerempörtseins!

    Hört auf zu brabbeln! Runter vom Sofa! Engagiert euch! Lasst euch wählen! Entwickelt Ideen! Diskutiert sie! Werbt für sie! Setzt sie durch! Findet Mehrheiten! Packt gemeinsam an! Und gestaltet!

    Oder rollt euch zurück und macht erstmal ein Nickerchen.

    • Malte Fischer
      gut gebrüllt löwe, wenn es da nicht nur ein problem gäbe. eine partei nimmt tatsächlich nicht jeden in ihren reihen auf. besonders, wenn er kein parteisoldat sein will. dann kommt noch ein problem, macht man es ohne partei, ist nicht nur die eigene geldbörse gefragt, nein, man muss klingelputzen. es braucht eine bestimmte anzahl von bürgern, die sie unterstützen, wenn sie überhaupt zur wahl zugelassen werden wollen. also Malte ,was tun? unsere parteienfinanzierung ist kein zufallsprodukt. deren vereinskassen müssen gefüllt werden, damit sie für die wahlen in vorkasse gehen können. alleine geht es, gemeinsam geht es eben besser.

      • @ Klaus Bruns
        Gibt es bei Ihnen auch noch andere Begriffe ausser Vereinsbrille und Parteisoldat, die Bezeichnung, die Sie hochentwickelter Intellektueller hier an ausnahmslos allen Tagen des Jahres zum Besten geben an jene, die nicht würdig sind Ihren Worten zu lauschen und Ihren Ergüssen zu folgen, also alle die anderer Meinung sind?
        Wie wäre es damit den Begriff Duktus in Ihre Ergüsse einzubauen, damit gleich jeder merkt, „wessen Geistes Kind“ Sie sind( auch wieder ein unglaublich wichtiger Erguss von Ihnen)?

      • Schon klar, Klaus. Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, hätt der Papi mehr Verkehr.

        Wie sagt Stiva Oblonsky? Wer rodeln will, muss auch den Schlitten ziehn.

  6. Karlheinz Fahrenwaldt

    Wenn der Klausewitz Recht hat mit dem Spruch „Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ dann sind doch im Umkehrschluss Politiker, die die Bundeswehr für notwendig erachten wie die Herren Dubber und Blume, Kriegsvorbereiter. Oder liege ich da ganz falsch?