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Der Waldgasthof in Böhmsholz ist geschlossen. Foto: ca
Der Waldgasthof in Böhmsholz ist geschlossen. Foto: ca

Aus für den Waldgasthof in Böhmsholz

ca Lüneburg. Jens Bußmann gibt auf, er schließt den Waldgasthof in Böhmsholz. Nachdem am Dienstag laut Bußmann ein Hygienekontrolleur des Kreises die Schankanlage stillgelegt sowie den Kühlkeller und Teile der Küche moniert hatte, „ziehe ich jetzt die Reißleine“. In dem Haus waren zeitweilig bis zu 80 Flüchtlinge untergebracht, jetzt seien es rund 50. Die Gäste auf Zeit sind über das von den Behörden nun als kritisch eingestufte Lokal versorgt worden. Bußmann sagt: „Ich will dafür keine Verantwortung mehr übernehmen.“

Die Pressestelle des Landkreises wiegelte zunächst ab: „Zu Details können wir uns nicht weiter äußern.“ Später schaltete sich Sigrid Ruth, rechte Hand von Landrat Manfred Nahrstedt, ein: Sie bestätigte, dass aktuell die Schankanlage stillgelegt wurde. In einem von Schimmel angefressenen Kühlraum dürften künftig keine Lebensmittel neben Getränken gelagert werden. Man kontrolliere „engmaschig“. Ob es aber Auflagen bei Kontrollen im November und Januar gegeben habe, konnte sie nicht beantworten.

Die Geschichte des idyllischen Landschulheims samt seiner Wirtschaft ist turbulent. Der damalige Besitzer war in die Insolvenz gegangen. Nach einigem Hin und Her übernahm sein Bruder Eckhard Schmidt die Immobilie. Der schloss einen Vertrag mit Bußmann. Das lag nahe, da der 44-Jährige dort bereits mit seinen Kutschen und Pferden untergekommen war. Bußmann bietet bekanntlich in der Stadt Fahrten für Touristen an.

Als die Stadt im vergangenen Herbst kaum noch wusste, wo sie Flüchtlinge unterbringen sollte, pachtete sie von Schmidt Teile des Gebäudes und vergab an ihn auch die Versorgung der Flüchtlinge. Der wiederum beauftragte Wirt Bußmann mit dem Catering.

Bußmann sieht Schmidt in der Verantwortung, in Sachen Hygiene vernünftige Zustände herzustellen und fühlt sich allein gelassen: „Wir haben getan, was wir konnten.“ Doch größere Investitionen, etwa für Kühlräume, seien Sache des Eigentümers.

Schmidt hingegen lässt über seinen Anwalt mitteilen, laut Vertrag sei Bußmann für den Betrieb zuständig: „Sicherstellung der Auflagen ist alleine Aufgabe von Herrn Bußmann.“ Dem Vernehmen nach streiten sich beide Seiten um Geld, Bußmann soll mehrere Zehntausend Euro Pacht offen haben, Schmidt soll seinerseits Erträge aus dem Catering nicht an den Kneipier weitergereicht haben. Auch hier gehe es um Tausende von Euro. Dazu von beiden Seiten kein Kommentar.

Die Stadt geht davon aus, dass die Menschen in den nächsten Tagen in Holzhäuser am Bilmer Berg umziehen können, auch die Versorgung sei gesichert. Böhmsholz will die Stadt aber weiterhin nutzen. „Wir sehen es als Reserve“, sagt Sprecher Daniel Gritz. Denn man wisse nicht, ob der Zustrom von Asylbewerbern wieder ansteige.