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Rektorin Barbara Geck steht an dem Portal, das seit Jahrzehnten verschlossen ist. Die Heiligengeistschule möchte es wieder öffnen. Vorher soll es restauriert werden. Foto: ca
Rektorin Barbara Geck steht an dem Portal, das seit Jahrzehnten verschlossen ist. Die Heiligengeistschule möchte es wieder öffnen. Vorher soll es restauriert werden. Foto: ca

Portal zur Heiligengeistschule soll sich zum 200. Geburtstag wieder öffnen

ca Lüneburg. Wann das letzte Mal Schüler und Lehrer durch das Portal der Heiligengeistschule gelaufen sind, lässt sich kaum ermitteln. „Es muss Jahrzehnte her sein“, sagt Rektorin Barbara Geck. Sie unterrichte seit fast 24 Jahren in dem ehemaligen Hospital: „Als ich kam, war die Tür schon geschlossen. Und auch davor war sie wohl schon lange versperrt.“ Sie möchte die grünen Pforten unter dem mächtigen Bogen gern wieder öffnen. Anlass sollte der 200. Geburtstag der Schule in diesem Jahr sein. Doch mit diesem Geschenk wird es so schnell nichts werden. Aus dem Rathaus heißt es: „Eventuell im nächsten Jahr.“

Barbara Geck hatte im vorigen Herbst im Rathaus angeklopft, um für ihr Projekt zu werben. „Wir sind als Schule zur Heiligengeiststraße nicht präsent“, sagt sie. Wer ins Haus möchte, betrete es über den Hof und nicht besonders freundliche Nebeneingänge. Schon auf den ersten Blick fällt dem Besucher auf, dass die Räume generell dringend einmal Besuch von Maurern, Tischlern und Malern vertrügen.

Von innen sind Portal und Vorraum zur Hausmeisterwerkstatt mutiert — da kommt niemand durch. Die Schulleiterin möchte den Hausmeister in einen anderen Raum umziehen lassen und für seine Geräte einen Schuppen im Hof bauen.
Freundlich und offen soll sich die ehrwürdige Schule dann zur uralten Verbindung zwischen Saline und Ilmenau präsentieren. Eine Schautafel könnte Flaneuren auf der Heiligengeiststraße die Geschichte von Gebäude und Schule erklären.

Die Rektorin hat sich um Unterstützer bemüht. Denn ihr ist klar, dass die Stadt allein die geschätzten Kosten von 42000 Euro nicht einfach locker macht. Der Schulförderverein engagiere sich bereits vielfältig, dem sei kaum noch eine Ausgabe zuzumuten. Daher habe sie beim Arbeitskreis Lüneburger Altstadt um Hilfe gebeten. Dort sichert Vorsitzender Christian Burgdorff — wie so oft — einen Zuschuss zu. Die Höhe ist noch unklar.

Im Rathaus sagt Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck: „Die Schule ist mit diesem Wunsch erstmals konkret im Januar dieses Jahres auf uns zugekommen, da waren sowohl die ersten Bauvorhaben unseres Bildungsfonds-Paketes als auch der Haushaltsentwurf für das Jahr 2016 längst festgezurrt. Unsere Gebäudewirtschaft hat die Kosten für die Herrichtung des Portals kalkuliert. Es geht ja nicht nur um optische Verschönerungen, sondern auch um die Realisierung eines neuen Zugangs zur Schule. Aufgrund der historischen Bausubstanz und unter Berücksichtigung eines angemessenen Brandschutzes rechnen wir mit Kosten in Höhe von rund 42000 Euro für das Portal. Dieses Geld haben wir in diesem Jahr nicht eingeplant und haben es daher auch nicht zur Verfügung. Zumal die Schule Bedarf für zahlreiche Schönheitsreparaturen und Arbeiten an den Toiletten angemeldet hat, die wir mit der Schule besprechen müssen und das auch tun. Wir werden in dem Zuge natürlich auch gemeinsam besprechen, wie es ab 2017 in Sachen Portal weitergehen kann.“

Es kann also noch dauern. Aber vielleicht finden sich noch weitere Geldgeber, die zum Geburtstagsfest am 16. September gratulieren wollen und als Geschenk einen Scheck mitbringen. Schüler und Lehrer würden sich freuen.

Lernen und pflegen

Die Heiligengeistschule, an der heute rund 200 Mädchen und Jungen lernen, hat eine lange Geschichte. Es gilt als Haus der Armen- und Altenfürsorge. Aus dem 1277 belegten Lamberti-Hospital, das in enger Verbindung mit der nahen Saline stand, entwickelte sich wenig später das Heiliggeist-Hospital, schreibt Doris Böker in ihrer Lüneburger Denkmaltopografie. Es gab Umbauten in dem Ensemble, zu dem eine Kapelle gehörte, am markanten Dachreiter ist das noch heute abzulesen.

Als die Franzosen die Stadt zwischen 1803 und 1813 besetzten, Napoleon eroberte bekanntlich Europa, diente das Haus als Truppenunterkunft. Nach den Freiheitskriegen „richtete man 1816 im oberen Stockwerk von Hospital und Kapelle eine Frei- und Bürgerschule ein“, notiert Doris Böker. Die Kapelle wurde 1867 abgebrochen, der Dachreiter blieb, 1869 wurde die Volksschule gebaut. Gleichzeitig besteht in Richtung Lambertiplatz eine Wohnanlage für Bedürftige weiter. – ca