Aktuell
Home | Lokales | lokale Wirtschaft | Kaufleute: Mit Martin Aude endet eine Ära
Der Vorstand und Beirat des Vereins Lüneburger Kaufleute nach der Jahresversammlung: (v.l.) Ernst Hildebrandt, Max Manzke, der neue Präsident Michael Zeinert, Frank Dalock, Stafan Wabnitz, Hans-Peter Reers und der neue Schriftführer Michael Jurr. Foto: t&w
Der Vorstand und Beirat des Vereins Lüneburger Kaufleute nach der Jahresversammlung: (v.l.) Ernst Hildebrandt, Max Manzke, der neue Präsident Michael Zeinert, Frank Dalock, Stafan Wabnitz, Hans-Peter Reers und der neue Schriftführer Michael Jurr. Foto: t&w

Kaufleute: Mit Martin Aude endet eine Ära

cst Lüneburg. Führungswechsel beim traditionsreichen Verein Lüneburger Kaufleute: Die mit fast 100 Mitgliedern gut besuchte Jahresversammlung wählte im Glockenhaus Michael Zeinert zum neuen Präsidenten. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg löst Martin Aude ab, der nach drei Wahlperioden beziehungsweise neun Jahren Amtszeit laut Satzung nicht wieder antreten durfte.

Bei der Wahl Zeinerts gab es lediglich zwei Gegenstimmen. Sogar einstimmig bestimmten die Kaufleute Michael Jurr zu ihrem neuen Schriftführer im Vorstand. Jurr folgt seinem Sparkassenkollegen Henning Ahrens nach, der 15 Jahre lang dieses zeitaufwendige Geschäft ausgeübt hatte. Ebenfalls einstimmig wurden die Kassenprüfer Peter Luths und Friedrich Nesemann bestätigt.

Mit Martin Aude, im Hauptberuf Regionaldirektor der VGH Versicherung, endet eine Ära in dem mittlerweile 104 Jahre alten Verein. Er hinterlässt dem neuen Präsidenten einen aktiven und gesunden Verein — mit einer Mitgliederrekordzahl (404) und einem Guthaben von fast 100.000 Euro auf dem Vereinskonto. Den Jahresbeitrag hat er seit 2007 bei 150 Euro stabil gehalten und nicht zuletzt auch maßgeblich zur Stabilisierung der Lüneburg Marketing GmbH beigetragen. Dort fungierte er als Interims-Aufsichtsratschef. Die Bilanz des Martin Aude trübt nach eigener Wahrnehmung der nie gebaute Brunnen vor dem IHK-Gebäude am Platz Am Sande, den die Kaufleute den Lüneburgern anlässlich ihres 100. Geburtstags eigentlich schenken wollten. In seinen sehr persönlichen Worten dankte Aude den Mitgliedern sowie seinem Vorstands- und Beiratsteam für die „bereichernde Zeit“ und schloss mit einem Zitat von Wilhelm von Humbold: „Im Grunde sind es doch die Begegnungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben“. Die Kaufleute verabschiedeten Aude mit stehendem Applaus.

Sein Nachfolger Michael Zeinert ist seit fast acht Jahren IHK-Hauptgeschäftsführer. Der gelernte Volkswirt hat seine Wurzeln in der Wesermarsch, ist 52 Jahre alt und, wie er in seiner Vorstellungsrede verriet, „seit 43 Tagen in zweiter Ehe verheiratet“. Der Vater zweier erwachsener Kinder räumte zwar ein, selbst kein Kaufmann zu sein, aber jemand, der dem Verein Managementerfahrung aus seiner Arbeit in der Kammer mit ihren 120 Mitarbeitern und einem Jahresbudget von 16 Millionen Euro bieten könne. Er erachte es als Ehre, für das Präsidentenamt auserkoren zu sein. Der Wunschkandidat des Vorstandes sieht nach eigenem Bekunden keine Veranlassung, an den Angeboten und dem Verein selbst tiefgreifende Änderungen vorzunehmen. Zeinert: „Martin Aude hinterlässt mir ein bestens bestelltes Feld.“ Zeinert kündigte an, dass man sich im Vereinsvorstand ohne Zeitdruck auf die Suche nach Alternativen für das gescheiterte Brunnenprojekt begeben werde. Dafür hatte Aude bei den Mitgliedern einst einen sechsstelligen Betrag eingesammelt.

Die ursprünglich im Roy-Robson-Haus am Markt geplante Jahresversammlung musste wegen der hohen Zahl von Anmeldungen kurzfristig ins Glockenhaus verlegt werden. Gleichwohl eröffnete Heiko Westermann, Chef des Spezialisten für Herrenoberbekleidung, die Versammlung mit Einblicken in sein Haus.

Das 1922 in Berlin gegründete Unternehmen hieß ursprünglich „Bruno Kirches“ und wurde erst viel später in Roy Robson umbenannt. Genau genommen 1983, als der heutige Präsident des hiesigen Arbeitgeberverbandes in die damals von seinem Vater Wilhelm geführte Firma eingetreten war. Heute steht Roy Robson auf vier Standbeinen und gehört zu den ganz wenigen textilverarbeitenden Unternehmen in Deutschland, die die Jahrzehnte der Billiglohnkonkurrenz überlebt haben: Roy Robson Fashion heißt das bekannte Hauptquartier an der Bleckeder Landstraße — Verwaltung, Design und Logistik sind hier zuhause. Möglicherweise wird der wachsende Logistikbereich, wie Westermann sagte, aber an einen neuen Standort in der Vrestorfer Heide ausgelagert. Dann Roy Robson Trade — unter dem Label versammeln sich die Partnershops und Outlets. Neben dem Lüneburger gibt es weiter Outlets in Wolfsburg, Zweibrücken und Salzburg. Standbein Nummer drei ist Roy Robson Izmir — das 2008 aufgebaute Produktionswerk in der türkischen Millionenstadt Izmir. Dort fertigen 600 Mitarbeiter pro Tag 1500 Herrenanzüge. Schließlich Strandbein Nummer vier — die LTV, die Lüneburger Textilveredelungs KG.