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Gemeinsam kämpfen die Mitglieder des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (v.l.) Gitta Tangermann, Hans Foldenauer, Gisela Webs, Friderike Müller und Ottfried Wolter für bessere Rahmenbedingungen auf dem Milchmarkt. Foto: off
Gemeinsam kämpfen die Mitglieder des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (v.l.) Gitta Tangermann, Hans Foldenauer, Gisela Webs, Friderike Müller und Ottfried Wolter für bessere Rahmenbedingungen auf dem Milchmarkt. Foto: off

Ausweg aus der Milch-Misere

off Karze. Hans Foldenauer ist Milchbauer im Allgäu — und ein Mann mit Überzeugungen. Als Gründungsmitglied und Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) kämpft er seit mehr als 25 Jahren für einen gerechteren Milchmarkt, streitet für seine Ziele europaweit mit Politikern, Lobbyisten und immer wieder auch mit den eigenen Kollegen. Am Donnerstag war Foldenauer auf Einladung des BDM-Kreisverbandes Lüneburg zu Gast bei einem Pressetermin in Karze — seine Botschaft: „Es gibt einen Weg auf der aktuellen Krise. Vorausgesetzt Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt setzt ihn endlich um.“

Drei Milchmarktkrisen hat Foldenauer allein in den vergangenen sechs Jahren miterlebt. „Doch die aktuelle dritte Krise sucht seinesgleichen“, sagte er. Die ersten Molkereien haben den Milchpreis gerade auf unter 20 Cent pro Liter gesenkt, ein Ende der Abwärtsspirale ist nicht absehbar. „Als Milchbauern stehen wir bei solchen Preisen nicht mehr nur mit dem Rücken zur Wand, sondern schon hinter der Wand.“ Erkannt hat das mittlerweile auch die große Politik in Berlin. „Doch die Hilfspakete, die man nun schnüren will, reichen nicht“, so Foldenauer. „Damit das Geld auch Wirkung hat, muss mehr passieren.“

Der Ansatz des BDM: Man will das Übel an der Wurzel packen. „Die Preise sind so niedrig, weil innerhalb der EU seit 2014 zwölf Millionen Tonnen mehr Milch produziert wurde“, erklärt Foldenauer, „damit haben wir den globalen Markt geflutet und für ein massives Überangebot gesorgt.“ Um den Markt nachhaltig zu entlasten, „müssen wir schlicht weniger Milch produzieren“. Konkreter Vorschlag des BDM: Für jeden Liter Milch, den ein Landwirt weniger melkt, erhält er 30 Cent Entschädigung. „Damit könnten wir sofort auf die Krise reagieren.“

Die Europäische Kommission hat für eine zeitlich begrenzte Mengenregulierung bereits vor Wochen grünes Licht gegeben, „auch die Bundesländer und allen voran Niedersachsen sind dafür“, sagt Foldenauer. Wer bremst, sei allein der Bundeslandwirtschaftsminister. Zwar habe er für Ende Mai einen großen Milchgipfel in Berlin angekündigt, um über neue Hilfen für die Bauern zu beraten. „Doch an das eigentliche Problem will er nicht ran.“

Dabei wäre die Lösung laut Foldenauer denkbar einfach: Über die Fütterung und das Management könnten Landwirte die Milchmenge — auch bei sich abzeichnenden Krisen in Zukunft — problemlos reduzieren. „Zumal das Überangebot nach Einschätzung der europäischen Marktbeobachtungsstelle aktuell nur zwei bis drei Prozent beträgt.“ In Frankreich, nach Deutschland Europas zweitgrößter Milchproduzent, arbeitet die Politik laut BDM-Sprecher bereits an einem konkreten Konzept zur Mengenreduzierung. „Wir müssen einfach eine europäische Gesamtlösung finden“, sagt Hans Foldenauer, „alles andere bleibt ein Flickenteppich.“

Ob das gelingt, wird aus Sicht des Allgäuers vor allem von den Bauern selbst abhängen: „Die müssen auf die Straße gehen und den Druck öffentlich so groß machen, dass der Minister endlich handeln muss.“ Einen erneuten Boykott wie 2008 hingegen schließt Foldenauer in der aktuellen Krise aus. „Dafür geht es den Landwirten finanziell schon viel zu schlecht.“

Für Lüneburgs BDM-Kreisvorsitzender Ottfried Wolter steht zudem fest: „Wenn Milchviehhaltung bei uns noch Zukunft haben soll, brauchen wir endlich Planungssicherheit.“ Die meisten Kollegen wollten in mehr Tierschutz investieren, wollten mehr für die Umwelt tun, „doch wie soll das gehen, wenn wir ständig nur ums Überleben kämpfen müssen?“ Und auch wenn er weiß, dass nicht alle Kollegen an das BDM-Modell glauben, Wolter ist überzeugt: „Es gibt nur einen Weg in einer bessere Zukunft: ein effizientes Krisenmanagement, das einen drohenden Preisverfall rechtzeitig erkennt und entsprechen reagiert.“ Erarbeitet hat es der BDM längst. „Jetzt muss es nur endlich umgesetzt werden.“