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Und dann hebt er ab: Jan-Erik Körner lässt seinen RC Buggy über die Rennpiste fliegen. Foto: t&w
Und dann hebt er ab: Jan-Erik Körner lässt seinen RC Buggy über die Rennpiste fliegen. Foto: t&w

Verein baut Rennstrecke für ferngesteuerte Modellautos in Rettmer

ahe Lüneburg. Einst flogen hier kleine gelbe Filzbälle übers Netz, wenn die Tennisspieler der SV Eintracht Lüneburg sich gemessen haben, künftig fliegen hier Modellautos über Hindernisse. Gegenüber dem Garbersbau-Einkaufszentrum in Rettmer hat ein neuer Verein eine Heimat gefunden — angestrebt ist eine harmonische Eintracht mit dem gleichnamigen Sportverein, deren Mitglieder nebenan weiter Tennis spielen oder beim Fußball auf Torejagd gehen. Der RCV Lüneburg möchte hier künftig Rennen fahren — mit Modellautos, die per Fernsteuerung über einen Rundkurs gesteuert werden. Noch basteln die Aktiven eifrig an der kurven- und schanzenreichen Strecke, die sie am kommenden Wochenende bei einem Tag der offenen Tür vorstellen wollen.

René Sagawe ist ein echter Könner an der Steuerung. Im Alter von sieben Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für die lackierten oder beklebten Mini-Boliden, die nicht zum Anschauen in der Vitrine stehen, sondern über Straßen, Parkplätze, Sand- oder Lehmpisten flitzen. Heute ist er 28 und bezeichnet sich selbst als Profi. Er lässt seine Modellautos im Maßstab 1:8 oder 1:10 nicht bloß zum reinen Zeitvertreib kreisen, sondern hat stets auch sportliche Ambitionen. Schließlich sind Rennen da, um gewonnen zu werden. Und Rennen gibt es viele, ganz wie bei den großen Autos. Ein 8. Platz bei einer Deutschen Meisterschaft steht immerhin schon in der Erfolgsbilanz von Sagawe, der selbstbewusst sagt: „Ich gehöre zu den Top 30 in Deutschland.“

Überhaupt gibt es manche Parallelen zur Formel 1. Wie die Techniker von Ferrari und Mercedes basteln auch die Modellautosportler an Fahrwerkseinstellungen ihrer Boliden, pokern bei der Reifenwahl, taktieren beim Stopp in der Boxengasse und der richtigen Kurventechnik. „Vermutlich ergreift man dieses Hobby auch deshalb, weil man selbst nicht die Gelegenheit hat, am Steuer Rennen zu fahren“, sagt Sagawe und lacht. Die Geschwindigkeit der ferngesteuerten Buggys mit Elektroantrieb erreicht zwar keine Formel-1-Dimensionen, doch 70 bis 80 km/h pro Stunde bringen sie in der Spitze schon auf die Strecke. Allein die Höchstgeschwindigkeit ist aber nicht entscheidend für Sieg und Niederlage, wer Erfolg haben und nach mehreren Qualifikationsläufen den Endlauf erreichen will, muss auch mal im richtigen Moment das Tempo rausnehmen, zum Beispiel um bei einem Sprung keinen Überschlag zu riskieren, um dann nach der Landung wieder blitzschnell zu beschleunigen. Für die bessere Bodenhaftung haben alle Fahrzeuge einen großen Heckspoiler: „Frittentheke ist Pflicht“, bestätigt Sagawe augenzwinkernd.

Es ist auch die Technik, die ihn und seine Mitstreiter begeistert. Die Autos kaufen sie als Bausatz — ohne Motor. Einsteigermodelle sind ab etwa 200 Euro zu haben. Dann kommt das passende Innenleben hinzu, wird eifrig gebastelt und getunt, damit die Buggys ordentlich auf Touren kommen. Ein Profi wird so auch schon mal 1000 Euro los.
Jan-Erik Körner kann sich noch gut erinnern, wie er einst vom Papa und dessen Begeisterung für die Mini-Boliden infiziert wurde und dann sein Taschengeld für das erste eigene Modell gespart hat. „Ich war zwölf und musste lange sparen, denn das Auto hat 600 Mark gekostet.“ Zwar erlosch die Begeisterung zwischendurch, doch heute ist der 29-Jährige längst wieder Feuer und Flamme, ist sogar Vorsitzender des Vereins und hat auch schon die nächste Körner-Generation angesteckt. „Meine Tochter Leonie ist neun und fährt auch schon.“

Vor einem Jahr haben Körner und Co. den Verein gegründet, der heute 20 Mitglieder hat. Schon vorher hatten sie nach einem geeigneten Areal für ihr Hobby gesucht, bei der Eintracht wurden sie fündig, die einen ihrer Tennisplätze zur Verfügung stellte. Allerdings dürfen hier nur die Autos mit Elektroantrieb fahren, Verbrennungsmotoren wären im Wohngebiet schlicht zu laut. Seit Monaten wird nun geschraubt und gehämmert. Im Internet hat der Verein knapp 2000 Quadratmeter Kunstrasen gekauft, auf dem bis dato ein Hockey-Bundesligist aus Süddeutschland spielte. Zwar können die Lüneburger mit den Linien nicht viel anfangen, doch den Rasen immerhin haben sie inzwischen so zurechtgeschnitten und -gelegt, dass die Rennstrecke klar erkennbar ist. Schanzen, Begrenzungen und Fahrerstand sind ebenfalls fertig, so dass Besucher am Sonntag, 29. Mai, in der Zeit von 14 bis 18 Uhr live erleben und auch ausprobieren können, wie die Flitzer auf dem Kurs gegen die Uhr fahren.

Beim RCV — RC steht für Radio oder Remote Controlled (funk- oder ferngesteuert) — gibt es aber nicht nur Buggys, auch für Quadrocopter und Flugzeuge können sich die Aktiven erwärmen, sie starten nebenan auf dem Fußballplatz, wenn dort nicht gekickt wird. Nur die ferngesteuerten Boote haben in Rettmer keinen Platz zum Ablegen. Mehr Informationen zum Verein gibt es auf www.rcv-lueneburg.de im Internet.