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Ortstermin auf der Wiese: Minister Christian Meyer (2.v.l.) lässt sich von Michaela Weber, Ralf Albert Weber, Friedemann Wecker (Demeter) und Nora Mannhardt den Standort für einen neuen Kuhstall mit Schaukäserei und Hofcafé zeigen. Foto: uk
Ortstermin auf der Wiese: Minister Christian Meyer (2.v.l.) lässt sich von Michaela Weber, Ralf Albert Weber, Friedemann Wecker (Demeter) und Nora Mannhardt den Standort für einen neuen Kuhstall mit Schaukäserei und Hofcafé zeigen. Foto: uk

Minister besucht Fest des Amelinghausener Bauckhofs

uk Amelinghausen. Für Christian Meyer war es sicher einer der angenehmeren Termine in jüngster Zeit. Noch vor wenigen Tagen hatte sich der Niedersächsische Landwirtschaftsminister mit dem Protest von Landwirten auseinandersetzen müssen, die vor dem Ministerium in Hannover auf ihre existenzbedrohende Lage aufmerksam gemacht hatten. Milchkrise, Preisverfall, Höfesterben — die Schlagworte beherrschen seit Monaten die Debatte um die Zukunft der Landwirtschaft. Beim Besuch des Grünen-Ministers auf dem Hoffest des Amelinghausener Bauckhofes war all das jedoch kein Thema.

Schließlich praktizieren die Bauckhöfe seit Jahrzehnten erfolgreich eine Landwirtschaft nach biologisch-dynamischen Prinzipien, betreiben artgerechte Tierhaltung und vermarkten ihre Produkte regional. Ein Konzept ganz nach dem Geschmack des Ministers, der bereits zum dritten Mal in Amelinghausen zu Gast war. „Der Bauckhof ist ein Juwel, das zeigt, wie gut der ökologische Landbau funktioniert“, sagte Meyer. Mit seiner Tierhaltung sei er ein Vorbild, für das sich das Land noch mehr Nachahmer wünsche. Dafür soll es weitere Anreize geben, etwa in Form einer erhöhten Prämie für die Umstellung von konventioneller auf ökologische Landwirtschaft.

„2015 haben wir 100 neue Ökobetriebe dazubekommen, es können gerne noch mehr werden“, so der Minister, denn die Nachfrage nach ökologisch hergestellten Produkten aus der Region steige. „Wir fördern nicht die große industrialisierte Landwirtschaft, sondern eine Stallhaltung, die den Bedürfnissen der Tiere entspricht. Das ist auch das, was die Verbraucher wollen“, zeigte sich Meyer überzeugt — und erntete den Applaus der Besucher, die sich bei strahlendem Sonnenschein den ganzen Tag auf dem Hofgelände tummelten.

„Schon bis 12 Uhr haben wir die ersten tausend Besucher gezählt“, freuten sich die Bauckhof-Geschäftsführer Ralf Albert und Michaela Weber. Lange Schlangen bildeten sich am Bratwurststand genauso wie im Hofladen und an der Haltestelle für die Feldrundfahrten. Für Kinder war die riesige Strohhüpfburg der Hit. Dazu sorgten Livemusik und Kunsthandwerkerstände für ein fröhlich-buntes Festtreiben.

Der Kuhstall war zwar weitgehend leer, denn die 40 Milchkühe grasten unbeeindruckt vom Getümmel auf der Weide, doch Weber nutzte die Gelegenheit, interessierten Besuchern die Kälberaufzucht zu erläutern. „Die ersten zwei Wochen bleibt das Kalb ganz bei der Mutter, danach säuft es alle acht Stunden — bis zu zehn Liter Milch am Tag.“ Eine tiergerechte, aber aufwändige Methode. Ein Teil der Kälbchen wird verkauft; ein Punkt, an dem Weber den Preisverfall beim Kalbfleisch spürt. „Jämmerliche 20 Euro haben wir zuletzt für ein Kalb bekommen, das ist nicht ansatzweise kostendeckend.“

Die Milch der 40 Kühe wird nicht an eine Molkerei geliefert, sondern in der hofeigenen Käserei verarbeitet, zu Käsespezialitäten, die im Hofladen, im regionalen Einzelhandel und im Großhandel verkauft werden. „Wir können die Nachfrage kaum noch befriedigen“, sagt Käserin Christiane Gerke. Auch der Kuhstall ist inzwischen zu eng, sodass der Bauckhof einen Neubau plant. Auf den 15 Hektar Land hinter dem bestehenden Hof soll nicht nur ein neuer Stall, sondern auch eine Schaukäserei und ein Café entstehen. „Wir bekommen für das Projekt viel Unterstützung aus der Nachbarschaft und aus der Politik“, freut sich Weber, der mit einem Baubeginn im Herbst 2017 rechnet. Ins Schwärmen kommt er aber jetzt schon: „Vom Café wird man einen Blick auf den Lopausee haben. Das wird einmalig schön.“