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Symbolbild: Polizei
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Lüneburger Polizei warnt vor neuer Betrugswelle

Die Lüneburger Polizei warnt vor einer neuen Betrugswelle: Seit Kurzem häufen sich in der Region die Fälle, in denen sich Unbekannte am Telefon als Polizeibeamte ausgeben und versuchen, das Vertrauen ihres Gesprächspartners zu erschleichen, um an persönliche Daten, Wertgegenstände oder Geld zu gelangen. Wie perfide die Täter dabei vorgehen, schildert ein Betroffener. Seinen Namen hat die Redaktion aus Sicherheitsgründen geändert.

off Lüneburg. Der Betrugsversuch dauert exakt vier Tage. Und endet für die Täter — zumindest in diesem Fall — beutelos. Schon der erste Anruf der angeblichen Polizeibeamten hat in dem Lüneburger Erwin Kaufmann Zweifel geweckt, nach etlichen weiteren Telefongesprächen schaltet der 74 Jahre alte Rentner an Tag drei die Kriminalpolizei ein. Die beginnt zu ermitteln, doch bevor sie den Tätern auf die Schliche kommt, reißen die Anrufe an Tag vier schlagartig ab. „Irgendetwas hat die Betrüger offenbar misstrauisch gemacht“, sagt Kaufmann. „Doch was sie bis dato für einen Aufwand betrieben haben, übertrifft alles, was ich bisher gehört hatte.“

Tag eins, Dienstag, Kontaktaufnahme: Das Telefon klingelt, Erwin Kaufmann nimmt ab, am anderen Ende meldet sich Tobias Wagner von der Polizei Lüneburg, nennt seine vermeintliche Dienstausweisnummer und berichtet dem 74 Jahre alten Rentner von einer Einbruchsserie in der Nachbarschaft. „Angeblich sei da eine rumänische Diebesbande am Werk gewesen, und die Polizei habe einen der Täter fassen können“, berichtet Kaufmann. Bei der Durchsuchung des Diebes sei dann ein Zettel aufgetaucht mit Namen und der Anschrift von Kaufmann. Der erste Fuß in der Tür des Opfers.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs will der vermeintliche Polizeibeamte wissen, ob Kaufmann etwas Ungewöhnliches festgestellt hat. Ob er sich vorstellen könne, woher die Täter seinen Namen haben. Kaufmanns Vermutung: „Die wollten erstmal Vertrauen aufbauen.“ Dann informiert ihn der Anrufer, dass sich Interpol mit ihm in Verbindung setzen werde. „Die ermittelten angeblich, weil es sich um eine grenzübergreifend tätige rumänische Bande handelte.“ Tatsächlich klingelt es noch während des Gesprächs auf der Zweitleitung des Seniors. Am Apparat: „Herr Schneider von Interpol.“

„Dieser Herr Schneider berichtete, dass nun Interpol für den Fall zuständig sei, dass sie bereits die staatsanwaltschaftliche Genehmigung hätten, um die Handys der Täter abzuhören, und dass sie hofften, die Täter bald zu überführen.“ Von Kaufmann wollte er wissen, ob Wertgegenstände oder Bargeld im Haus seien. „Ich habe ihm erzählt, dass alles bei der Sparkasse läge“, erinnert sich Kaufmann, „und dann habe ich ihm den Namen meines Kundenberaters genannt.“ Schneider bedankt sich. Und beendet das Gespräch. Zumindest vorerst.

Tag zwei, Mittwoch, Konto-Gespräche: Der letzte Anruf ist keine 24 Stunden her, da klingelt bei Kaufmann erneut das Telefon — „Herr Schneider von Interpol“. Ob ihm etwas Ungewöhnliches aufgefallen sei? Als der verneint, bittet Schneider ihn, für den Ernstfall eine Notfallnummer aufzuschreiben. „Wenn ich Kontakt aufnehmen wolle, dann nur über diese abhörsichere Nummer.“ Kaufmann notiert sie sich und legt auf. Spätabends dann der dritte Anruf von Herrn Schneider. „Mit der Erlaubnis der Staatsanwaltschaft hätte Interpol mein Konto überprüft, aber nichts Auffälliges festgestellt“, erzählt der 74-Jährige. Trotzdem rät ihm der falsche Interpol-Mitarbeiter auf Nummer sicher zu gehen und die Wertsachen am nächsten Tag von der Bank zu holen. „Spätestens da bin ich misstrauisch geworden“, sagt Kaufmann, „denn am nächsten Tag war Feiertag, ein Umstand, der jedem deutschen Beamten bekannt gewesen wäre.“

Tag drei, Donnerstag, Sendepause: Keiner der vermeintlichen Polizei- oder Interpol-Mitarbeiter melden sich. Dafür informiert Erwin Kaufmann die Lüneburger Polizei.

Tag vier, Freitag, ein letzter Versuch: Während Kaufmann unterwegs ist, um seinen Keller besser gegen Einbruch zu schützen, ruft erneut Herr Schneider von Interpol an. „In dem Fall war meine Frau am Apparat“, erzählt Kaufmann, „ihr teilte Herr Schneider mit, dass er in 15 Minuten Herrn Schulz vorbeischicken würde, der bei uns zu Hause alles überprüfen wolle.“ In der Zwischenzeit hatte sich allerdings die echte Kripo eingeschaltet und einen Kollegen zu den Kaufmanns geschickt. „Der wartete bei uns, um Herrn Schulz direkt abzufangen.“ Doch Herr Schulz erschien nicht.

Nach zwei Stunden verschwand der Kripo-Beamte wieder, „kaum war der weg, meldete sich ein Christian Haupt und gab sich als Beamter der Lüneburger Polizei aus“. Wieder nannte der Anrufer Kaufmann eine Dienstnummer, „außerdem verwies er auf die Nummer, unter der er anrief“. Und tatsächlich: „Als ich auf mein Telefondisplay guckte, stand da 04131 für Lüneburg und dann die Polizei-Notrufnummer 110.“ Absurd, „weil keine Polizeiwache unter 110 anruft“, sagt Kaufmann, „trotzdem kann man in so einem Moment darauf reinfallen, außerdem zeigt das, wie professionell die offenbar sind.“

Kaufmann erklärt dem „Herrn Haupt von der Polizei Lüneburg“, dass Interpol für den Fall zuständig sei — und würgt das Gespräch ab. Am späten Abend dann der letzte Anruf des vermeintlichen Interpol-Mitarbeiters Schneider. „Er wollte nur wissen, wie es uns geht und ob alles in Ordnung sei.“ Als Kaufmann ihn informiert, dass der angekündigte Herr Schulz nie erschienen sei, nennt Schneider einen neuen Termin am Montag. „Danach habe ich nie wieder etwas von den Leuten gehört.“

Der 74 Jahre alte Rentner ist überzeugt: „Die Betrüger haben gemerkt, dass ich ihnen auf die Schliche gekommen bin.“ Doch wenngleich die Täter in diesem Fall leer ausgingen, „ein ungutes Gefühl bleibt trotzdem“, sagt Kaufmann. Er hat sein Haus inzwischen noch deutlich besser gesichert. „Die sind heutzutage so raffiniert“, sagt er, „da kann ich nur allen raten, verdammt vorsichtig zu sein.“

Das sagt die Polizei

Die Masche der „falschen Polizeibeamten“ ist nicht neu und tritt laut Polizeisprecher Kai Richter seit einigen Jahren in verschiedenen Regionen immer mal wieder geballt auf. Die Geschichten und Strategien variieren allerdings. In Stadt und Landkreis Lüneburg registrierten die Beamten seit ein bis zwei Wochen vermehrt Fälle dieser Art. Ins Visier genommen hatten die Täter vor allem ältere Menschen, in den meisten Fällen wurden die Betroffenen aber misstrauisch.

In einem Fall hatten die Täter allerdings Erfolg — und zwar mit der gleichen Masche, die auch dem Lüneburger Senior widerfahren ist. Eine Seniorin aus der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf glaubte die Geschichte von der Einbruchs- und Diebstahlserie und gab Auskunft über ihre gesamten Wertsachen und Bargeld. Unter fadenscheinigen Gründen holten die falschen Polizeibeamten für weitere Ermittlungen Wertgegenstände im Wert von mehreren tausend Euro ab.

Die Polizei warnt deshalb noch mal mit Nachdruck vor Personen, die sich als Polizeibeamte ausgeben. „Diese Täter wollen ausbaldowern, ob Wertgegenstände im Haus sind, um diese anschließend vor Ort zu kontrollieren“, sagt Polizeisprecher Richter. Seine Tipps:

  • Lassen Sie sich nicht darauf ein!
  • Notieren Sie sich die Rückrufnummer!
  • Informieren Sie die örtliche Polizeidienststelle!
  • Sprechen Sie eventuell mit Angehörigen über die Sache!
  • Händigen Sie keine Wertgegenstände aus!
  • Seien Sie schweigsam und vorsichtig am Telefon!