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Mukasukundo Rasheli von der Kopakama Kooperative breitet die hellen Kaffeebohnen zum Trocknen aus. Sie freut sich über ein Paket Lünebohne aus Lüneburg. Foto: nh
Mukasukundo Rasheli von der Kopakama Kooperative breitet die hellen Kaffeebohnen zum Trocknen aus. Sie freut sich über ein Paket Lünebohne aus Lüneburg. Foto: nh

Mitglieder des Vereins Lünebohne besuchen ihre Kaffeebauern in Ruanda

Sie heißt zwar Lünebohne, doch nicht die Niederungen der Ilmenau oder die Randzonen des Kalkbergs sind es, an denen die Pflanzenfrucht für den Lüneburger Stadtkaffee gedeiht. Sein Anbaugebiet ist das ost­afrikanische Ruanda. Dorthin machten sich die Lüneburger Max Timm und Jakob Dirksen vom Verein Lünebohne auf den Weg. Seit sechs Jahren importieren sie den fair gehandelten Kaffee, jetzt galt ihr Besuch den Kaffeebauern der Kopakama Kooperative in Rutsiro. Drei Tonnen Kaffeebohnen liefert sie jährlich allein in die Hansestadt.

Von Jakob Dirksen

1700 Meter hoch liegt die Heimat der Lünebohne, sie wächst auf einer Fläche von 2000 Hektar an den roterdigen Hängen im Herzen Ruandas. 853 Kaffeebauern kümmern sich um Aufzucht, Pflege und Ernte und verarbeiten hier pro Jahr die rund 1500 Tonnen Kaffeekirschen von einer halben Million Kaffeebäumen zu grünen Bohnen. Gemeinsam arbeiten und wirtschaften sie in der Kopakama Kooperative, die 1998 mit 47 Kaffeebauern startete.

Mit ihrem Importpartner El Puente, einem der ältesten Fairhandelshäuser Deutschlands, sind Max Timm und Jakob Dirksen in der Kooperative eingetroffen, wo sie von rund einhundert Kaffeebauern empfangen wurden. Auf den Hängen der Kooperative wird die Arabica-Pflanze kultiviert, die am weitesten verbreitete Kaffeesorte der Welt. Das Monopol auf die Festsetzung des Weltmarktpreises der Arabica Bohnen hat die Börse in New York. Seit Jahren unterliegt der Wert eines Kilogramms Rohkaffee starken, kurzfristigen und entsprechend schwer kalkulierbaren Schwankungen. Kaffeeanbau ist ein hartes Geschäft, die Erträge reichen den wenigsten Familien zum Überleben.

Dies war auch der Grund für den Zusammenschluss zur Kopakama Kooperative, berichtet Produktionsmanager Gervais Kayitare. Wie andere Kooperativen in allen Kaffeeanbauregionen der Welt, suchte die Kopakama durch Kooperation und Solidarität, die Qualität ihres Kaffees und die wirtschaftliche Effizienz zu steigern, berichtet er. Im Kollektiv sollen die individuellen Risiken aller minimiert werden.

Doch ihr Modell allein vermochte der oft wenig hoffnungsvollen Lage der Kaffeebauern in Asien, Lateinamerika und Subsahara Afrika kaum etwas entgegenzusetzen. „Die Preise waren zu gering und die Qualität des Kaffees unserer Mitglieder, den wir weiterverkauft haben, war nicht gut genug“, erklärt der Produktionsmanager.

2005 entschied sich die Kooperative deshalb, eine zentrale Waschstation aufzubauen, um Produktivität und Qualität zu steigern. 2010 wurde die Kopakama schließlich direkter Handelspartner von El Puente und Lünebohne. Seitdem versorgen die Kaffeebauern Lüneburg jedes Jahr mit drei Tonnen des mehrfach ausgezeichneten und fair gehandelten Stadtkaffees.

„Durch die Prämie für Fairen Handel und den besser bezahlten Verkauf unseres Kaffees können wir nun die Schulgebühren unserer Kinder bezahlen, wir haben fließend Wasser und Strom, können Häuser und Straßen bauen und restaurieren und außerdem die Produktivität unserer Felder erhöhen“, berichtet Kopakama-Farmer Mathias den Gästen aus Deutschland. Der nächste Schritt soll die seit langem geplante Bio-Zertifizierung sein, sie soll eine zusätzliche Prämie einbringen. Im Frühjahr 2017 sollen die ersten Container des zertifizierten Bio-Kaffees nach Deutschland gehen.

„Partnerschaftlicher, sozial und ökologisch nachhaltiger Handel sind der erste Schritt. Langfristig geht es vor allem darum, die Abhängigkeit der Kaffeebauern gegenüber dem europäischen Markt und dem Preisdiktat in New York zu verringern“, erklärt Max Timm die Agenda des direkten Handels. Dennoch reichen die Erträge des Kaffeeanbaus in vielen Fällen nicht aus, um das Einkommen der Familien zu sichern. Rund ein Drittel ihrer Produktion müssen sie auf konventionellen Vertriebswegen vermarkten.