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Die Ernährung der Zukunft: Ökotrophologin Heike Dittmer hat den Landfrauen in der Wassermühle Heiligenthal ein paar Glasröhrchen mit frittierten Insekten oder Algen mitgebracht. Foto: ina
Die Ernährung der Zukunft: Ökotrophologin Heike Dittmer hat den Landfrauen in der Wassermühle Heiligenthal ein paar Glasröhrchen mit frittierten Insekten oder Algen mitgebracht. Foto: ina

Algen sind 2030 eine Delikatesse

ina Heiligenthal. Die Vortragende in der Wassermühle Heiligenthal winkt vom Redepult aus mit einem Glasröhrchen. Darin klappern frittierte und getrocknete Heuschrecken. Sie erklärt: Die Welternährungsorganisationen unterstütze das Essen von Insekten. „Heuschrecken sind kalorienarm und enthalten viel hochwertiges tierisches Eiweiß.“ Die Diplom-Ökotrophologin Heike Dittmer von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellt als Wirtschaftsberaterin das Ergebnis der im April des vergangenen Jahres abgeschlossenen Studie der Nestlé Deutschland AG vor. Eingeladen von den LandFrauen Kirchgellersen hält sie einen Vortrag mit dem Titel „Ernährung 2030 — Wie wird der Tisch von morgen gedeckt sein?“

Tatsächlich bekommt man schnell den Eindruck: Wenn Algen, In-Vitro-Fleisch und Insekten-Burger tiefgekühlt mit Drohnen nach Hause geliefert werden, dann könnte es sich um eine Online-Bestellung aus dem Jahr 2030 handeln. Diesen Zukunftsszenarien stehen 80 Prozent der deutschen Verbraucher laut Studie ausgesprochen offen und positiv gegenüber. Wichtig ist ihnen dabei vor allem: „Ressourcen zu schonen, weltorientiert einzukaufen und sich gesund zu ernähren.“

Dieser Konsumentenkreis wird in der Studie „Zukunftsgestalter“ genannt. Die Definition könnte den rund 60 Zuhörerinnen im Raum gefallen: Sie sind mehrheitlich mittleren Alters, weiblich und besser gebildet, während der klassische Traditionalist (aktuell rund 20 Prozent der deutschen Bevölkerung) über 50 Jahre alt und männlich ist und tendenziell über einen niedrigen Schulabschluss verfügt. Laut Studie haben beide Gruppen das Ziel, Produkte ihren eigenen Werten entsprechend einzukaufen und beide sind der Überzeugung, dass Ernährung auch Statussymbolcharakter hat.

„Demographischer Wandel, sich verändernde Familienstrukturen, höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und ebenso höhere Anforderungen an Mobilität und Flexibilität werden Auswirkungen auf unsere Ernährungsgewohnheiten haben, sowohl auf das was als auch auf das warum und wie wir essen“, zitiert Heike Dittmer die ehemalige Familienministerin Renate Schmidt, die heute Vorsitzende des Nestlé Zukunftsforums ist.

Weitere Szenarien, auf die wir uns einzustellen haben: Genuss wird von Konsumenten reflektierter wahrgenommen, und das Gemeinschaftserlebnis beim Essen erhält einen höheren Stellenwert. Apps und personalisierte Armbänder helfen bei der Kontrolle des Gesundheitszustands, der wiederum die Ernährungsgewohnheiten beeinflusst. Ein wenig unbefriedigend ist die Perspektive für das Einkaufserlebnis: Lebensmittel des täglichen Bedarfs werden künftig online bestellt und geliefert. Laut Studie dienen die Supermärkte der Zukunft nur noch zur Anregung des Verbrauchers: Dort soll er neue Produkte kennenlernen.