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Der Ministerpräsident blickt bei seinem Grußwort zum IHK-Jubiläum ins voll besetzte Kirchenschiff von St. Johannis. Auf der Leinwand hinter seinem Rücken ist das große Spiegelbild von Stephan Weil zu sehen. Foto: t&w
Der Ministerpräsident blickt bei seinem Grußwort zum IHK-Jubiläum ins voll besetzte Kirchenschiff von St. Johannis. Auf der Leinwand hinter seinem Rücken ist das große Spiegelbild von Stephan Weil zu sehen. Foto: t&w

IHK-Jubiläum rund ums Ehrenamt

cst Lüneburg. Lieber in die Zukunft schauen als zurück: Unter diesem Anspruch begeht die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg-Wolfsburg ihr 150. Jubiläumsjahr. Das untermauert die Kammer auch mit ihrer Veranstaltungsreihe „GedankenGut“, ein allmonatlicher Blick auf die Zukunft mit hochkarätigen Referenten, die an außergewöhnliche Orte eingeladen sind. Bis zum Jahresende werden dabei etwa noch die Extrem-Alpinistin Gerlinde Kaltenbrunner sowie der frühere Werder-Manager und heutige UN-Sportbotschafter Willi Lemke zu hören sein.

Auch der Schauplatz des IHK-Sommerfestes inklusive Jubiläumsempfang am Donnerstagabend war eher ungewöhnlich: Kammerpräsident Olaf Kahle begrüßte die rund 700 Gäste in der St.-Johanniskirche. Ministerpräsident Stephan Weil kam allerdings mit gehöriger Verspätung aus Hannover: Erst steckte sein Wagen auf der A7 im Stau. Dann stieg der Landesvater kurzentschlossen um auf die Bahn, die aber ebenfalls auf freier Strecke eine Zwangspause einlegen musste.

Weil beglückwünschte die Kammer, der bekanntlich auch der abgaskrisengebeutelte Volkswagen-Konzern angehört, in seinem Grußwort — „im Namen von 7,8 Millionen Niedersachsen“, wie er sagte. „150 Jahre Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg — das ist ein Grund zum Feiern. Die IHK vertritt die Interessen der regionalen Wirtschaft und ist für uns ein wichtiger Ansprechpartner, wenn es darum geht, gemeinsam die niedersächsische Zukunft zu gestalten“, betonte er. Das Kammerwesen bezeichnete Weil als ein „zeitloses Stück Gedankengut und gelebte Demokratie in Deutschland“. Den Zuhörern versprach er für 2016 verstärkte Anstrengungen beim Breitbandausbau in Nordostniedersachsen, und er legte ein Bekenntnis ab zum Bau der umstrittenen Autobahn 39. Für die möchte Kammer-Präsident Olaf Kahle am liebsten schon beim Sommerfest 2017 „in Gummistiefeln den ersten Spatenstich setzen“.

Im Mittelpunkt stellte die IHK am Jubiläumstag aber die Ehrenamtlichen. Etwa verschiedene Willkommensinitiativen für Flüchtlinge, die zum Festakt eingeladen waren von der IHK, deren Vollversammlung schon im März 2015 eine Resolution gegen Fremdenfeindlichkeit verabschiedet hatte. Natürlich auch die vielen Zeitgenossen, die sich zum Teil seit Jahrzehnten in die Kammerarbeit einbringen. „Ohne die Ehrenamtlichen wäre unsere Arbeit gar nicht denkbar“, unterstrich Kahle. Die mehr als 2500 Mitglieder der IHK-Gremien leisten pro Jahr rund 70000 Stunden ehrenamtliche Arbeit, unter anderem bei mehr als 2000 Prüfungen in der Weiterbildung und mehr als 8000 Prüfungen in der Ausbildung. Aber auch als Schlichter, Multiplikatoren und Ansprechpartner sind sie gefragt. Das zeigte auch der „Ehrenamtstalk“ auf der Bühne mit Moderator Oliver Seidler. Daneben kamen Ehrenamtler auch in Kurzfilmen zu Wort.

Um das weltweit wohl größte Ehrenamtsprojekt handelt es sich bei Wikipedia, dem großen Wissenslexikon im Internet. So jedenfalls sieht es Christian Rickerts, Geschäftsführender Vorstand von Wikimedia in Deutschland, dem in den USA gegründeten Trägerverein. 34000 Mitglieder zählt der Wikimedia-Verein hierzulande, hinzu kommen rund 6000 schreibende und recherchierende Menschen in der deutschen Wikipedia-Community. Sogar ehrenamtliche „Vandalen-Jäger“, die Unfug entfernen sollen aus zugelieferten Beiträgen, sind darunter. Um alles zu lesen, was in 15 Jahren Wikipedia allein in Deutschland zusammengetragen und im Netz gespeichert worden ist, „müssten Sie elf Jahre lang lesen — ohne Pause und ohne zu schlafen“, berichtete Rickerts. Die Wikipedianer leitet ihr Traum von der Freiheit des Wissens, der Zugang dazu und die Erlangung der Chancengleichheit in der Bildung.

Für den musikalischen Rahmen der Feierstunde sorgte in der Kirche der beeindruckende Lüneburger Gospelchor und später, draußen vor dem Gotteshaus beim Sommerfest, eine Reihe von Künstlern wie DJ Jan Ole Deimling, Nite Club oder Oded Kafri — Drum the Worls.

Einen weiteren Bericht vom IHK-Fest und zur Ehrung von Ehrenamtlichen lesen Sie am Sonnabend in der LZ.