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Grüne Gebilde schwimmen auf der Oberfläche des Teichs im Kurpark und werden regelmäßig aus dem Wasser geholt. Experten begründen die Ansammlungen mit einem Überschuss an Nährstoffen. Foto: t&w
Grüne Gebilde schwimmen auf der Oberfläche des Teichs im Kurpark und werden regelmäßig aus dem Wasser geholt. Experten begründen die Ansammlungen mit einem Überschuss an Nährstoffen. Foto: t&w

Wasser im Kurpark wieder voller Grünzeug

as/ap Lüneburg. Das Laub der umliegenden Bäume und Futter, das Bürger den Enten in den Teich warfen, hatten vor eineinhalb Jahren dafür gesorgt, dass sich am Grund des Kurparkteichs eine dicke Schlammschicht abgesetzt hatte. Die Stadt ließ daraufhin im vergangenen Jahr das Wasser ab, entschlammte den Teich und baute ein Klärsystem ein. Die Frischekur schien sich gelohnt zu haben. Doch inzwischen wabert grünliches Gebilde auf der Teichoberfläche, der Grund wirkt wieder vermodert. Hat das Klärsystem nicht funktioniert?, wollte die LZ von der Stadt wissen, die immerhin 80.000 Euro in das Projekt investiert hatte. Die benennt biologische Prozesse als Grund für den derzeitigen Zustand des Teichs.

Peter Zurheide, Bereichsleiter Grünplanung bei der Stadt, erläutert: „Bei dem grün-schlickigen Zeug handelt es sich um Fadenalgen. Diese bilden sich immer dann, wenn ein Überangebot an Nährstoffen vorhanden ist und nicht genügend Nahrungskonkurrenten vorhanden sind. Nach der Entschlammung entstand so etwas wie ein biologischer Neustart des Gewässers. Die Nahrungskonkurrenten, also andere Wasserpflanzen (Uferrand-, Schwimmblatt-, und Unterwasserpflanzen) müssen sich erst so etablieren, dass sie die Nährstoffe aufzehren und die Algen verdrängen. Das dauert einige Zeit. Ebenso benötigen die Mikroorganismen Zeit ihren Beitrag zum Abbau überschüssiger Nährstoffe zu erbringen. Ebenso ist der Fischbesatz so einzustellen, dass dieser ebenfalls zum Abbau der Nährstoffe beitragen kann. Momentan werden die oberflächlich vorhandenen Algen, soweit dies möglich ist, mechanisch abgetragen. Auch dies dient als Beitrag den Nährstoffgehalt zu vermindern.“

Es dauere also einige Zeit bis sich diese Vorgänge im Teich eingespielt haben und die Algen verschwinden. Bereits jetzt sei aber schon zu beobachten, dass das Aufkommen merklich zurückgehe, sagt Peter Zurheide.

Ergänzend dazu verweist Thomas Mitschke, Vorsitzender des Naturschutzbundes Lüneburg, darauf, dass die regelmäßige Fütterung von Enten schädlich für den Teich und seine Wasserqualität sei. „Die Enten und ihr Nachwuchs leiden nicht, wie oft von Bürgern angenommen, Not.“ Sein Appell: Kurparkbesucher sollten sie nicht füttern, zumal die Tiere an verdorbenem oder verschimmeltem Brot erkranken könnten.

Auch Dr. Thomas Niemeyer, Umweltwissenschaftler am Ökologie-Institut der Leuphana, kennt das Phänomen, das er als „Umkippen eines Sees“ bezeichnet. Die Ursache für die vielen Algen an der Wasseroberfläche begründet auch er mit einer Anreicherung von Nährstoffen. Besonders in den Sommermonaten sei das „explosionsartige Wachstum“ ein gängiges Problem. „Mit zunehmender Wärme und Lichteinfall finden die Reaktionen schneller statt“, klärt Niemeyer auf. Deshalb finde man in Badeseen oft ganze „Algenteppiche“ — eine große Gefahr für die Fische. Denn durch das Absterben der Algen komme es zu einer Sauerstoffarmut unter Wasser.

Seine Tipps: „Der Teich braucht regelmäßig einen Nährstoffentzug, die Algen sollten also herausgefischt werden.“