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Künftig unterrichten Heike Pröfrock und Andreas Garbers nur noch in der Grundschule, die Hauptschule am Standort Embsen ist in wenigen Tagen Geschichte. Foto: be
Künftig unterrichten Heike Pröfrock und Andreas Garbers nur noch in der Grundschule, die Hauptschule am Standort Embsen ist in wenigen Tagen Geschichte. Foto: be

Abschied von der Hauptschule

kre Embsen. So macht Schule doch gleich noch mal so viel Spaß: Auf dem Grill brutzeln leckere Würstchen, während die Schrotttrommler für gute Laune sorgen und auf die Tonnen hauen, als ob es kein morgen gibt. Die Grund- und Hauptschule in Embsen feierte jetzt ihr Sommerfest und die Einweihung der Bücherei. Zwei gute Gründe also, um ausgelassen zu feiern — und doch schwingt bei aller Freude bei Schulleiter Andreas Garbers und seinem Kollegium auch eine gehörige Portion Wehmut mit. Denn mit diesem Fest wurde gleichzeitig die Hauptschule zu Grabe getragen. Wenn nach den Sommerferien das neue Schuljahr startet, heißt es nicht mehr Grund- und Hauptschule Embsen (GHS), sondern „nur“ noch Grundschule. „Ich hätte nicht gedacht, dass mir die Abwicklung dieser Schulform emotional so schwer fällt“, sagt Andreas Garbers.

Beschlossen worden war das Aus der Hauptschule schon viel früher, noch unter der schwarz-gelben Landesregierung: Im März 2011 hatte der Niedersächsische Landtag die Schulreform mit der Verabschiedung des „Gesetzes zur Neuordnung der Schulstruktur“ auf den Weg gebracht. Dass damit der Hauptschule das Totenglöcklein geläutet wurde, spürten Andreas Garbers und Konrektorin Heike Pröfrock freilich schon damals. „Als wir vor vier Jahren zum ersten Mal nur noch Grund-, aber keine Hauptschüler mehr an die Schule bekamen“, berichtet Pröfrock.

Für Garbers ist klar: „Die Hauptschule wurde über Jahre von Politik und Wirtschaft schlechtgeredet“, ärgert sich der Schulleiter und setzt nach: „Zu Unrecht!“

Bestes Beispiel ist übrigens seine eigene Vita: Der 60-Jährige hat selbst nur den Hauptschulabschluss. Im Alter von 14 Jahren ist Garbers bereits in die Tischler-Lehre gegangen, hat danach unter anderem auch noch auf dem Bau gearbeitet. Über den zweiten Bildungsweg und die Immaturenprüfung hat Garbers schließlich den Weg in den Lehrerberuf gefunden — und das keinen Tag bereut. „Für mich gibt es nichts Schöneres als mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten“, sagt Garbers. „Es ist auch ein weit verbreiteter Irrtum, dass die Hauptschule nichts weiter als ein Sammelbecken für Chaoten ist“, verteidigt der Schulleiter die Schulform, die er lange Jahre stolz vertreten hat.

Ob die sogenannte Oberschule, in der vielerorts die Haupt- und Realschulen aufgegangen sind, der Weisheit letzter Schluss ist — Garbers und seine Kollegin Heike Pröfrock haben da so ihre Zweifel: „Immer mehr Oberschulen trennen in den oberen Klassen ihre Schüler bereits schon wieder.“ Für die beiden ist das nichts anderes als die Wiedereinführung von Haupt- und Realschulen durch die Hintertür.

Wenn die letzten Embsener Hauptschüler in wenigen Tagen also von Garbers und seinen Kollegen zum letzten Mal ihre Zeugnisse erhalten, bleibt den Pädagogen aber die Gewissheit: „Dass wir unsere Schüler gut auf die Welt draußen vorbereitet haben!“ An der Hauptschule Embsen, die in wenigen Tagen Geschichte ist.