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Bis 1977 fuhr der Dieseltriebwagen im Personennahverkehr zwischen Lüneburg und Amelinghausen. Jetzt pendelte die Museumsbahn zwischen AVL-Lokschuppen und Kurpark. Foto: t&w
Bis 1977 fuhr der Dieseltriebwagen im Personennahverkehr zwischen Lüneburg und Amelinghausen. Jetzt pendelte die Museumsbahn zwischen AVL-Lokschuppen und Kurpark. Foto: t&w

Hat die alte Bahn eine Zukunft? + + + Mit Videos

Zukunft und Vergangenheit lagen auf der Schiene selten so nah beieinander wie an diesem Wochenende. Die einen schwelgten mit ihrem Museumszug in Nostalgie und zeigten, wie wichtig es ist, Historisches zu bewahren, während die anderen versuchten, mit ihrem Zug ein politisches Ausrufezeichen für ein neues Projekt zu setzen. Beides darf — trotz Kritik — als Erfolg bezeichnet werden.

dth Lüneburg/Soltau. Die Sonderfahrten mit dem Erixx-Triebwagen am Sonntag zwischen Lüneburg und Soltau waren so stark nachgefragt, dass einige Fahrgäste stehen mussten, darunter auch Amelinghausens Heidekönigin Victoria Glaser. Der guten Stimmung an Bord tat das keinen Abbruch. So warb der Regionalverband Elbe-Heide des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) mit dem modernen Zug dafür, die Strecke Lüneburg-Soltau mit neuem Leben zu erfüllen. Tags zuvor erfreute sich auch die Museumsbahn der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg (AVL) großer Beliebtheit: Der Betreiber von Heide-Express und Bleckeder Kleinbahn hatte mit dem Triebwagen, der noch bis 1977 auf der Strecke Lüneburg-Soltau unterwegs war, einen Pendelverkehr zum Lüneburger Kurpark eingerichtet.

Bei der ersten Sonderfahrt des Erixx von Lüneburg nach Soltau blieb gestern kein Sitzplatz frei. Für den VCD ein Beleg dafür, dass die Strecke wieder Potenzial hat. Foto: t&w
Bei der ersten Sonderfahrt des Erixx von Lüneburg nach Soltau blieb gestern kein Sitzplatz frei. Für den VCD ein Beleg dafür, dass die Strecke wieder Potenzial hat. Foto: t&w

Den Vorstoß vom VCD, unter anderem unterstützt von der Gemeinde Bispingen, die alte Heidestrecke wieder fit für die Zukunft zu machen, stößt auch auf Kritik, brachte Christel John auf die Zinne: Gemeinsam mit der LZ stieg die Ortsbürgermeisterin des Lüneburger Stadtteils Oedeme bei der Haltestelle Rettmer zu und konfrontierte im Zug Leo Demuth vom VCD mit ihren Sorgen. Allerdings macht sie sich weniger Gedanken über Lärm, sondern „für mich ist die Sicherheit das Wichtigste. Wir haben an der Strecke in der Stadt drei unbeschrankte Bahnübergänge. Da passieren die meisten und schwersten Unfälle!“

„Dafür lässt sich eine Lösung finden, wenn man gemeinschaftlich will“, entgegnete Demuth. Die gewachsene Bevölkerung im Stadtteil Oedeme sieht der VCD-Vorstand sogar als Argument für eine Wiederbelebung der Bahn, so könnten noch mehr Menschen aufs Auto verzichten. Demuth: „Ende 2016 läuft die Bestandsgarantie für die Bahnstrecke aus. Wir müssen sie in Erinnerung halten.“ Sonst könnte sie komplett aufgegeben werden.

Ein ähnliches Schicksal drohte 2010 der Bahnstrecke Lüneburg-Bleckede. Hans Dierken von der AVL, die Sonnabend ihr 35-jähriges Bestehen feierte, sagte: „Wenn man eine Bahnstrecke stilllegen will, muss man sie vorher noch einmal zur Übernahme ausschreiben.“ So erhielt seinerzeit die AVL den Zuschlag für einen symbolischen Euro und betreibt auf dem Teilstück Lüneburg-Bleckede den touristischen Museumszug unter dem Titel Kleinbahn Bleckede.

Angedenk des Personnahverkehrs auf der Heidestrecke vergangener Jahrzehnte ließ die AVL den Original-Triebwagen von damals vom Bahnhofsgelände bis zum Kurpark pendeln und zog so zahlreiche große und kleine Eisenbahnfreunde an, die auch lustvoll beim Teilemarkt stöberten und alte Waggons und Loks besichtigten.

Offizielle Grüße vom Landkreis Lüneburg zum 35-jährigen AVL-Bestehen überbrachte die stellvertretende Landrätin Stefi Brockmann-Wittich. Zur Museumsbahn sagte sie: „Ich bin eine begeisterte Anhängerin dieser Idee.“ Man könne in dem ruhigen Tempo auf der Schiene viel mehr Natur genießen als mit dem Auto. Zur Sonderfahrt mit dem Erixx wäre sie wohl auch gerne gegangen, hat aber „vom Landrat kein grünes Licht bekommen“.

AVL-Vorsitzender Hans Dierken begrüßte indes die ­Initiative des VCD, für den Erhalt der Strecke zu kämpfen — auch wenn die Lüneburger Museumsbahnfreunde bei dem Vorhaben nur indirekt eingebunden wurden. Trotz teils persönlicher Animositäten zwischen den Vorständen hatte der VCD auf den AVL-Lokführer Andreas Schütte zurückgreifen müssen. Der lotste den ortsunkundigen Erixx-Lokführer bei der Sonderfahrt über die Strecke. Eigentlich zeigt es, wie fruchtbar eine Kooperation zwischen VCD und AVL sein könnte. Dierken: „Es ist auf jeden Fall wichtig, dass die Strecke erhalten wird und in Gänze benutzbar bleibt.“

3 Kommentare

  1. Manfred Bergmann

    Selbstverständlich brauchen wie die Bahnlinie von Lüneburg nach Soltau.
    Die Sicherheitsbedenken der Frau John sind mehr als vorgeschoben. Alle von ihr genannten
    Bahnübergänge sind mit funktionsfähigen Blinkanlagen gesichert, und wenn es manche dann erst in
    der Fahrschule lernen, Schienenverkehr hat immer Vorrang.
    Wir benötigen die Bahnlinie, um Individualverkehr von der Straße zu holen und den Bürgern, wenn
    möglich mit dem HVV Tarif, eine Alternative zu bieten.
    Bedenkenträger wie unseren Oberbürgermeister, den Landrat und Frau John braucht hier kein Mensch.
    Viele Studenten würden sich über gut erreichbare, bezahlbare Wohnungen im südlichen Umland freuen.
    Das würde sicher Geld kosten, aber für andere Unternehmungen sind ungedeckelt Milliardenbeträge vorhanden. Warum also kein Geld in alternative Verkehrsprojekte stecken? Die auf parallelen Strecken fahrenden Busse sind zu Stoßzeiten chronisch überfüllt und die Energiebilanz der modernen LINT Triebwagen kann so schlecht nicht sein, sehr leise sind sie außen und innen auch. Ein vernünftiger Taktfahrplan und Kreuzungsmöglichkeiten, der Rest kommt schnell von selbst.

  2. Odo Stüttgen

    Der Kommentar der Dame in dem Video, dass der Zug küntig aus Gründen der Verkehrssicherheit nicht fahren soll, ist unglaublich und in hohem Grad unseriös, wenn man die Sicherheit der Schiene im Vergleich zur Straße betrachtet. Ich wünsche dem Engagement für eine Reaktivierung der Bahnstecke Lüneburg – Soltau viel Erfolg!

  3. Helge Scheffer

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    als Teilnehmer der VCD-Sonderfahrt hat mir ihr Artikel gefallen. Fakt ist, dass letztlich die Politik sich zu einer Finanzierung bei dem notwendigen Ausbau der Schieneninfrastruktur der Strecke Lüneburg-Soltau bekennen muss. Denn nur mit einer modernen für höhere Geschwindigkeiten ausgebauten Schieneninfrastruktur lässt sich heute ein attraktiver Schienenpersonennahverkehr durchführen und die sich daraus, vom Land über die LNVG zu bezahlenden Betriebskosten im Rahmen halten.

    Es bedarf allerdings auch einer sachlichen Richtigstellung: Der Lotse wird vom die Fahrten durchführendem Eisenbahnverkehrsunternehmen bestellt und dieses war in diesem Fall Erixx GmbH.
    Als Berufseisenbahner weiß ich, dass der VCD keine gesetzliche Zulassung als Eisenbahnverkehrsunternehmen hat und daher nur als Mieter und Veranstalter auftreten konnte.

    Auch ist eine fahrende Museumseisenbahn denkbar ungeeignet, einen attraktiven täglichen Eisenbahnverkehr durchzuführen, da ihre Mitglieder in der Regel diese als Hobby in ihrer Freizeit betreiben und damit gar nicht in der Lage wären, einen regelmäßigen attraktiven Nahverkehr durchzuführen.