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Die Zapfsäule am Bilmer Berg kann wieder genutzt werden. Foto: A/js
Die Zapfsäule am Bilmer Berg kann wieder genutzt werden. Foto: A/js

Kein Nachschub für das Erdgas-Auto

ap Lüneburg. Wer sein Auto mit Erdgas betanken muss, hat in Lüneburg nur eine einzige Anlaufstelle: die Zapfsäule auf dem Gelände der Star-Tankstelle am Bilmer Berg. Die war jetzt für zehn Tage geschlossen. Andreas Czerwonka beklagt: „Wir fahren ein Erdgas-Auto und standen nun vor dem Problem, zum Tanken nach Winsen fahren zu müssen. Ich finde das für eine Stadt von der Größe Lüneburgs ziemlich ärmlich, dass es hier nicht eine Tankstelle mehr gibt.“ Inzwischen allerdings ist die Tankstelle wieder in Betrieb.

Neben Czerwonkas Auto sind noch weitere 1255 mit Erdgas betriebene Fahrzeuge in Stadt und Landkreis unterwegs, teilt Hannes Wönig, Pressesprecher des Landkreises, mit. Nicht alle sind ohne Erdgas gänzlich aufgeschmissen, denn darunter seien auch die Fahrzeuge, die mit Flüssiggas, bivalentem Betrieb mit Benzin oder Flüssiggas oder mit Benzin oder komprimiertem Erdgas angetrieben werden. Laut einer Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes von Januar 2016 sind im Zulassungsbezirk Lüneburg 195 Fahrzeuge gemeldet, die ausschließlich erdgasbetrieben sind.

Die Besitzer dieser Fahrzeuge können aufatmen: Denn die Zapfsäule am Bilmer Berg kann wieder genutzt werden. „Sie funktioniert einwandfrei“, versichert eine Mitarbeiterin der Star-Tankstelle. Warum sie für einige Tage geschlossen war, wisse sie allerdings nicht. Lediglich, dass der ehemalige Betreiber, die Avacon AG, verkaufen musste.

Avacon-Sprecher Ralph Montag kennt die Umstände: „Bundesweit wurde eine Vorschrift im Energiewirtschaftsgesetz geändert. Ab einer Größe von 100000 Kunden darf ein Energieunternehmen nicht gleichzeitig Händler und Netzbetreiber sein“, sagt er. 2008 schon habe diese Änderung in Lüneburg gegriffen, nach Übergangsregelungen habe man sich im Juli 2014 dafür entschieden, ganz zu verkaufen — an die Gazu GmbH, die ihren Sitz in Frankfurt am Main hat.

Und das Unternehmen, das bundesweit 40 Erdgas-Stationen betreibt, denkt gar nicht daran, seinen Standort in Lüneburg aufzugeben. „Es läuft hervorragend“, sagt Geschäftsführer Ronny Wächter auf LZ-Nachfrage. Etwa 15000 Kilogramm Erdgas verkaufe das Unternehmen monatlich — allein in Lüneburg. „Das liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt.“

Aber aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Anlage komme es in Lüneburg immer wieder mal zu technischen Problemen. Der Grund für den aktuellen Ausfall soll nun ein defekter Verdichterkopf am Kompressor gewesen sein. „Wenn es erneut zu Prob­lemen kommt, werden wir an dem Standort noch größer investieren und ihn endgültig zukunftsfit machen“, sagt der Leiter. Auch eine zweite Tankstelle sei perspektivisch denkbar. „Aber für eine Tankstelle ist eine Investition von 250000 bis 300000 Euro zu veranschlagen.“