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Beate Bendorf (vorne, Bildmitte) ist stolz auf ihren Spießergarten, den sie dem Grünflächenausschuss präsentiert. Ihren Perlmuttstrauch, auch Kolkwitzie genannt, schauen sich auch Renate Thielbörger (l.) und Birte Schellmann (r.) genau an. Foto: t&w
Beate Bendorf (vorne, Bildmitte) ist stolz auf ihren Spießergarten, den sie dem Grünflächenausschuss präsentiert. Ihren Perlmuttstrauch, auch Kolkwitzie genannt, schauen sich auch Renate Thielbörger (l.) und Birte Schellmann (r.) genau an. Foto: t&w

Kleingartenkolonien unter der Lupe + + + mit Video

ahe Lüneburg. Wenn es um die Artenvielfalt geht, macht Lüneburgs Kleingärtnern keiner was vor. Davon ist Joachim Roemer überzeugt. „Wenn man die Gärten mit ihrem Pflanzenreichtum und ihrer Vielfalt mit den öffentlichen Grünanlagen oder der Landschaft vergleicht, dann ist das, was wir machen, im Grunde kaum zu überbieten.“ Für den Vorsitzenden des Kleingärtner-Bezirksverbandes kommt es deshalb gelegen, dass der Grünflächen- und Forstausschuss des Rates für seinen jährlichen Wettbewerb der Kolonien die Artenvielfalt, auch Biodiversität genannt, als Hauptthema ausgewählt hat. Jetzt startete die Rundreise durch die 17 Anlagen.

An insgesamt vier Nachmittagen verschaffen sich die Ausschussmitglieder einen Überblick darüber, was die einzelnen Vereine leisten. Die Kolonie Ilmenau war dritte Station an Tag eins. 115 Gärten werden auf dem Areal zwischen Willy-Brandt-Straße und Friedrich-Ebert-Brücke bewirtschaftet, einen davon hat Beate Bendorf gepachtet. Seit 17 Jahren ist sie Kleingärtnerin mit Leib und Seele, ihren aktuellen Garten hat sie im fünften Jahr — einen echten Spießergarten, wie Nachbarn sagen. „Damit kann ich leben“, sagt die Lüneburgerin, „ich stehe dazu: Ich habe es gern ein wenig spießig.“ Der Rasen ist frisch gemäht, die Kanten akkurat geschnitten, in den Beeten ist weit und breit kein Unkraut zu sehen. Tagetis blüht hier neben Flachs und Bartnelken, Gemüse wie Bohnen und Kohlrabi gedeiht prächtig. „Ich baue so viel an, dass ich in der Regel fürs ganze Jahr genug habe. Nur wenn meine Vorräte im Keller im Winter doch mal zur Neige gehen, kaufe ich Gemüse“, erzählt die Mittfünfzigerin. Im Sommer sei sie jeden Tag hier, doch auch im Winter komme sie von ihrer Wohnung am Oedemer Weg sehr häufig vorbei.

Vereinsvorsitzender Christian Ludwig erzählt den Ausschussmitgliedern auch von den Anstrengungen, die er und seine Vereinskollegen aktuell unternehmen, um die Anlage an der Ilmenau noch attraktiver zu machen. Sichtbar wird das am Spielplatz, der gerade mächtig aufpoliert wird. Vom Kletterberg führt eine Rutsche in die Tiefe, Schaukel und Karussell sind ebenfalls ganz neu. Es ist ein Paradebeispiel für die vielen Spielplätze in den Kolonien, die nicht nur dem Nachwuchs der Kleingärtner, sondern auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, 14 sind es insgesamt.

Bei der Bewertung spielt auch solches Engagement eine Rolle, doch die meisten Punkte einheimsen können die Vereine in diesem Jahr mit der Artenvielfalt. Und da gehen sie auch mit unterschiedlichen Voraussetzungen in den Wettkampf. Denn Auf den Sandbergen ist der Boden sehr trocken, ideal für Kartoffeln oder Möhren, aber schwere Bedingungen für Tomaten, in Kolonien wie Bockelsberg, Düvelsbrook oder eben Ilmenau dagegen ist es oft so feucht, „dass alles fast von alleine wächst“, wie es Roland Müller, Fachberater und Pflanzenexperte, ausdrückt. Rhododendren und Dotterblumen zum Beispiel mögen solche Böden.

Ausschussvorsitzender Ulrich Blanck und seine Mitstreiter werden genau hinschauen. Am 9. Juni, am Ende des letzten Besichtigungstages, werden sie ihre Eindrücke austauschen und beraten, dann die drei besten Kolonien küren. Ernten können die Sieger ihren Lohn dann allerdings erst in einigen Monaten — nach getaner Arbeit im Garten bei der Preisverleihung im Glockenhaus.