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Die Pläne für den Windpark in Amelinghausen sind vorerst gebremst worden. Foto: A/t&w
Die Pläne für den Windpark in Amelinghausen sind vorerst gebremst worden. Foto: A/t&w

Windpark-Beschluss verschoben

dth Amelinghausen. Bislang schien es so, als seien die Windparks in der Samtgemeinde Amelinghausen kommunalpolitische Selbstgänger. Doch der Gemeinderat Amelinghausen belehrte bei seiner Sitzung am Montagabend im Rathaus nun auch die lokalen Investoren, von denen einer im Rat sitzt, eines Besseren. Es gebe noch Klärungsbedarf bei den Ausgleichsmaßnahmen sowie bei der Form der Bürgerbeteiligung, schließlich solle auch bei Etzen ein „Bürgerwindpark“ entstehen. Das Thema solle nun in wenigen Wochen erneut im Rat behandelt werden.

Der Ratsherr Jochen Studtmann (FDP), einer der Investoren, und sein Rehlinger Geschäftspartner Henning Hornbostel verstanden die Welt nicht mehr. Studtmann hatte als Betroffener bei dem Tagesordnungspunkt den Ratstisch verlassen und die Debatte als Zuschauer verfolgt.

Wie berichtet, soll auf der vom Kreis Lüneburg festgelegten Windkraft-Vorrangfläche südlich von Etzen einer von insgesamt vier Windparks in der Samtgemeinde entstehen. Fünf neue Windräder sind dort geplant, im Gegenzug sollen zwei kleinere Altanlagen abgebaut werden. Jetzt ging es darum, die bei der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung eingegangenen Stellungnahmen zu bewerten und den nächsten Verfahrensschritt einzuläuten. Der Bauausschuss hatte bereits grünes Licht gegeben. Der nachfolgende, nichtöffentliche Verwaltungsausschuss wollte hingegen keine Empfehlung an den Rat abgeben. Bürgermeister Nobert Thiemann (CDU) betonte, jedes Ratsmitglied sei in seiner Entscheidung frei.

Den ersten zaghaften Versuch, die Entscheidung zu kippen, wagte Ernst-Henning Michaelis (CDU): Die vorgeschlagenen Ausgleichsmaßnahmen in Natur und Landschaft „sehen wie Alibi-Maßnahmen“ aus. Dem widersprach Bauamtsleiter Michael Göbel: Die Maßnahmen seien mit dem Kreis abgestimmt und „nur eine Auswahl der Möglichkeiten“.

Daraufhin sagte Detlev Schulz-Hendel (Grüne): „Wir wollen Erneuerbare Energien in Bürgerhand haben.“ Er säte Zweifel, ob die Investoren ein geeignetes Bürgerbeteiligungsmodell verfolgten. Auch Thiemann wollte davon nichts wissen, obwohl Göbel noch einmal auf zurückliegende Beratungen hinwies, wonach die Investoren ein Sechzehntel des Windparks an eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts übertragen hätten, die der Bürgerbeteiligung dienen solle. Thiemann bestand darauf, es gäbe zu wenig Informationen, um eine Entscheidung zu fällen. Das Projekt solle aber nicht verhindert werden.

An den anderen Windparks beteiligt sich eine Genossenschaft, die vom Kommunalpolitiker Eckhard Winkelmann (Grüne) gegründet wurde. In Etzen jedoch nicht. Studtmann vermutet, das sei der eigentliche Grund für die Hinhaltetaktik. Nach der Sitzung sagte er: „Offenbar passt es hier einigen nicht, dass wir ein anderes Modell verfolgen, an dem sich auch Leute beteiligen können, die Herrn Winkelmann nicht aufs Fell gucken können.“