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Die Stechmückenzeit beginnt. Noch sind die Plagegeister nur vereinzelt unterwegs. Aber Wärme und Regen beschleunigen die Vermehrung. Foto: Haase
Die Stechmückenzeit beginnt. Noch sind die Plagegeister nur vereinzelt unterwegs. Aber Wärme und Regen beschleunigen die Vermehrung. Foto: Haase

Vorsicht Blutsauger: Die Mücken kommen

emi/lz Lüneburg. Nach den Unwettern muss in Deutschland mit besonders vielen Mücken gerechnet werden. Überflutete Wiesen und Äcker sowie große Pfützen seien perfekte Brutstätten für Mücken, teilt die Deutsche Wildtier Stiftung mit. Eine Plage droht der Region Lüneburg nach Ansicht von Prof. Dr. Egbert Tannich derzeit nicht. „Bis das richtig viele sind, dauert es eine Weile. Erst müssen sich mehrere Generationen vermehren“, sagt der Experte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Aber er gibt zu bedenken: „Wenn es im Frühjahr stark regnet, gibt es mehr Stechmücken.“ Geht die Temperatur nach dem Regen hoch, wirkt die Wärme zusätzlich wie ein Brutbeschleuniger für den Mücken-Nachwuchs.

Rund 50 verschiedene Mückenarten gibt es laut Tannich in Deutschland. „Doch die meisten saugen nur bei Vögeln Blut. Knapp die Hälfte aller Mücken sticht auch Säugetiere, etwa Mäuse, Hunde und Rehe. Letztlich sind es nur rund 15 Arten, die Menschen stechen.“ Dabei sorgen vor allem die weiblichen Tiere bei Menschen für Frust und schlaflose Nächte.

„Nur die Weibchen stechen, weil nur sie Eier ablegen“, erklärt Prof. Dr. Egbert Tannich. „Vor jeder Eiablage muss eine kleine Blutmahlzeit eingenommen werden, weil die Proteine daraus benötigt werden, damit die Eier reifen.“ Männlichen Mücken reiche dagegen der Nektar aus Blüten aus, um sich zu ernähren. Wer also weiß, worauf die Weibchen fliegen, kann sich besser schützen.

Eva Goris von der Deutschen Wildtier Stiftung räumt dabei mit einem hartnäckigen Vorurteil auf. Blutgruppe, Alter und Geschlecht der Opfer seien den Quälgeistern ziemlich egal: „In erster Linie beeinflusst der Körpergeruch, ob uns eine Mücke attackiert oder nicht.“ Beim Zersetzungsprozess von Schweiß entstehen Ammonium und Buttersäure auf der Haut. „Und dieser Duft wirkt auf Mücken wie ein Magnet.“

Sogar die Art der Ernährung spiele eine Rolle. „Durch Stoffwechselprozesse nach dem Verzehr von Reis gibt der Körper mehr Kohlendioxid über die Poren und den Atem ab“, sagt Goris. „Auf diesen leicht säuerlichen Geruch stehen hungrige Mücken total!“ Dagegen hält Kohl Mücken eher fern.
Wie man sich vor den Insekten schützen kann und was gegen Stiche hilft: Die LZ hat bei Dr. Heinz Jarmatz, Ehrenvorsitzender des Verbandes der niedersächsischen Hausärzte und Allgemeinmediziner in Scharnebeck, nachgefragt.

 Drei Fragen an… 

Dr. Heinz Jarmatz ist Ehrenvorsitzender des Verbandes der niedersächsischen Hausärzte und Allgemeinmediziner in Scharnebeck.
Dr. Heinz Jarmatz ist Ehrenvorsitzender des Verbandes der niedersächsischen Hausärzte und Allgemeinmediziner in Scharnebeck.

Wie schützt man sich vor Mückenstichen?
Dr. Heinz Jarmatz: Am besten hält man sich von Gewässern fern, die sich leicht erwärmen. Erfahrungen mit Antimückensprays muss jeder selbst machen, von Vitamin-B-Tabletten rate ich ab. Wer abends im Garten sitzen möchte, sollte ein attraktives Ziel für Mücken in der Nähe platzieren, etwa einen Rest Bier oder etwas Likörähnliches. Lange Beinkleider sind empfehlenswert.

Wie gefährlich sind Mücken-Stiche?
Jarmatz: Sie sind in der Regel ungefährlich. Neben Juckreiz tritt eine diskrete Rötung bis hin zu einer Fünf-Mark-Stück großen Schwellung auf. Was darüber hinausgeht, ist eine allergische Reaktion, die individuell ganz unterschiedlich ausfällt.

Was hilft gegen Stiche?
Jarmatz: Niemals die Einstichstelle auslutschen. So gelangt das Gift in die Mundhöhle und kann bei einer allergischen Reaktion den Rachen zuschwellen lassen. Es hilft, den Stich sofort zu vereisen, etwa mit einem Kühlpack oder Eiswürfeln. Wer eine Party oder einen Abend im Garten plant, sollte anti-allergische, kortisonhaltige Cremes bereithalten.