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Ein Idyll ist in diesen Tagen auch der Artlenburger Yachthafen. Das war 2013 nicht anders. Während über Norddeutschland die Sonne lachte, tobten im Süden der Republik schlimme Unwetter. Wenig später rollte eine verheerende Hochwasserwelle die Elbe herab. Nun ist die Wetterlage ähnlich. Foto: be
Ein Idyll ist in diesen Tagen auch der Artlenburger Yachthafen. Das war 2013 nicht anders. Während über Norddeutschland die Sonne lachte, tobten im Süden der Republik schlimme Unwetter. Wenig später rollte eine verheerende Hochwasserwelle die Elbe herab. Nun ist die Wetterlage ähnlich. Foto: be

Kritische Blicke auf die Elbe

tja/dth Lauenburg. Sie plätschert vor Lauenburg ganz seicht dahin die Elbe. Gestern betrug der Pegel in Hohnstorf 4,32 Meter. Während die Unwetter in Bayern und Baden-Württemberg ganze Landstriche verwüstet haben, wirkt die Situation an der Elbe entspannt. Ähnlich war es 2013 auch, und dann kam es zum Rekord-Hochwasser in der Region. Bis auf 9,64 Meter stieg das Wasser in Lauenburg an, nur 1855 war es mit 9,88 Meter mehr. Doch insgesamt ähnelt die aktuelle Großwetterlage in Mittel- und Osteuropa sehr der damaligen Situation. Doch nach Auskunft der Behörden gibt es keinen Grund zur Sorge für den Bereich der Elbe derzeit.

Bettina Kalytta, Leiterin des Lauenburger Wasser- und Schifffahrtsamtes, sagt: „Die Niederschläge sind ja im Süden am Einzugsgebiet der Elbe vorbeigegangen.“ Außerdem führe die Elbe aktuell sehr wenig Wasser und hätte entsprechend Kapazitäten, Wasser aufzunehmen und gen Nordsee abzuführen. Das war 2013 anders damals war der Wasserstand des Flusses von vornherein höher, und im Einzugsgebiet waren die Böden durch das regennasse Frühjahr gesättigt.

„Das habe ich in meinen 31 Jahren als Diplom-Meteorologe beim DWD noch nicht erlebt. So eine Ansammlung von Unwettern ist wirklich einmalig“.
Andreas Friedrich
Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes

Aus Sicht der Hochwasseranalysten des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Lüneburg ergibt sich an der Elbe, insbesondere im niedersächsischen Elbeabschnitt, nachstehendes Lagebild: „Der Wasserstand der Elbe liegt an nahezu allen Pegeln etwa einen Meter unter Mittelwert-Niveau. Zurzeit ist kein nennenswerter Wasserspiegelanstieg zu verzeichnen. Die Pegeldaten liegen im normalen Schwankungsbereich“, teilt NLWKN-Sprecherin Herma Heyken auf LZ-Nachfrage mit. „Lediglich in der Saale gibt es eine Zunahme der Abflussmenge, was sich auch am Elbe-Pegel Barby leicht bemerkbar macht.“

„Die Wetterlage ist vergleichbar mit der von Mai, Juni 2013“, sagt Andreas Friedrich, Diplom-Meteorologe und Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auf LZ-Nachfrage. Dabei handele es sich um eine Großwetterlage „Tief Mitteleuropa“, damals allerdings mit flächendeckenden Niederschlägen. „Doch das Besondere ist diesmal, dass sich diese Wetterlage seit sieben Tagen am Stück hält“, sagte Friedrich gestern. „Das habe ich in meinen 31 Jahren als Diplom-Meteorologe beim DWD noch nicht erlebt. So eine Ansammlung von Unwettern ist wirklich einmalig.“ Normalerweise gebe es eine Westwindzone. Die sei derzeit komplett zusammengebrochen. Eine Erklärung habe er dafür nicht.

Nach Stand gestern dürfte die Unwettergefahr noch bis mindestens Dienstag anhalten. Laut Friedrich gehe aber von den Niederschlägen vor allem eine lokale Gefahr für kleinere Flüsse und Bäche aus, dass sie über die Ufer treten könnten. DWD-Sprecher Friedrich: „Ich halte es derzeit für eher unwahrscheinlich, dass es eine größere Flutwelle im Elbebereich geben wird.“ Doch säßen die Pegel-Experten woanders.

Und nach Angaben der Hochwasservorhersagezentrale Magdeburg kam es aufgrund der Niederschläge in Sachsen-Anhalt bereits am Mittwoch zu einem signifikanten Anstieg des Elbe-Nebenflusses Ehle kommen, der bei Lostau im Landkreis Jerichower Land in den Hauptstrom fließt. Doch auch in der Lüneburger Kreisverwaltung gibt man sich noch entspannt. Kreissprecher Hannes Wönig sagt: „Unser Fachbereich Ordnung und Umwelt beobachtet die Pegelstände und Prognosen sehr genau, derzeit gibt keine Hinweise auf ein Hochwasser an der Elbe.“

Glaubt man den nur bis kommenden Montag reichenden Prognosen des elektronischen Wasserstandsinformationssystems der Wasserstraßenverwaltung des Bundes, dürfte sich kein Unheil zusammenbrauen, auch wenn die Pegel teilweise einen kleinen Satz nach oben machen: Für Hohnstorf sind 4,40 Meter prognostiziert, in Magdeburg soll der Wasserstand von 1,14 auf 1,88 Meter steigen (Höchstwert: 7,47 Meter), in Wittenberge waren es gestern 1,72 Meter, die auf 2,65 Meter steigen sollen (Höchstwert: 7,06 Meter) und in Dresden zeigte der Pegel gestern 1,36 Meter, Montag sollen es zwei Meter sein, der Höchstwert betrug 9,40 Meter.

„Das, was wir beobachten können, gibt keinen Anlass, nicht mehr ruhig schlafen zu können“, sagt auch Lauenburgs Bauamtsleiter Reinhard Nieberg. Jedoch: Würde ein neues Hochwasser auf die Elbestadt im Kreis Herzogtum zurollen, wäre die Altstadt nach wie vor schutzlos den Fluten ausgeliefert. Noch immer lässt der Hochwasserschutz auf sich warten. „Im Osten der Stadt ist einiges passiert und da sind wir auch schon weiter, aber nach Westen sind wir in den Planungen“, sagt Nieberg. Am Bahndamm und an der Hafenstraße dürften demnächst immerhin Bautätigkeiten starten, heißt es.