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Mohammed Abbas will in der ehemaligen Saathandlung Im Wendischen Dorfe am Stint ein Lokal eröffnen. Das gefällt aber nicht allen Nachbarn. Foto: t&w
Mohammed Abbas will in der ehemaligen Saathandlung Im Wendischen Dorfe am Stint ein Lokal eröffnen. Das gefällt aber nicht allen Nachbarn. Foto: t&w

Der Stint wächst um die Ecke

ca Lüneburg. Aufregung im Wasserviertel: Anwohner sorgen sich, weil Im Wendischen Dorfe in der ehemaligen Saathandlung „Stein“ ein neues Lokal eröffnet. Das könnte noch mehr Lärm und Krach bedeuten, sagen Nachbarn. Schon jetzt seien sie von grölenden Nachtschwärmern genervt. Im Rathaus müsse man doch sehen, dass Wohnen und noch mehr Gastronomie zu Konflikten führen könnten. Die Stadt hingegen hält die Entwicklung für verträglich, sieht keine Möglichkeiten einzuschreiten.

Mohammed „Momo“ Abbas will das Lokal betreiben. Er kann die Nachbarn nicht verstehen: „Ich eröffne ein Restaurant und eine Sportsbar.“ Er wolle mittags beginnen, in der Regel solle gegen Mitternacht Schluss sein. Burger und Steaks möchte der 35-Jährige servieren, beim Sport nicht nur auf Fußballübertragungen, sondern auch auf den Super Bowl oder Handball setzen. Zielgruppe sei ein eher gehobenes Publikum, nicht das Feier-Klientel langer Nächte. Lärmschutzvorgaben halte er ein.

Abbas, der das Gebäude gepachtet hat und aufwändig herrichten lässt, weiß von besorgten Anwohnern, er lädt sie ein, sich direkt bei ihm zu informieren. Aber mit Blick auf die teuren Wohnungen, die im nahen Viskulenhof entstehen, sagt der Wirt: „Die Leute wissen doch, wohin sie ziehen.“ Die Umbauten seien mit Bauaufsicht und Denkmalpflege abgestimmt. Allerdings gab es jetzt einen Baustopp: Als eine Sohle aus Beton geschüttet werden sollte, untersagte die Bauverwaltung das. Das gehe aus Denkmalschutzgründen so nicht.

Stadtbaurätin Heike Gundermann hält die Umwandlung des Gebäudes, das einst zur Luhmannschen Braunbier-Brauerei gehörte, für „eine gute Sache“. Lüneburger Architekten hätten das Haus gekauft, Erfahrungen hätten sie bereits bei anderen Baudenkmalen gesammelt. Der Bauantrag sei noch in der Prüfung, genehmigt seien aber bereits in Abstimmung mit der Denkmalpflege Freilegungs- und Fassadenarbeiten. Der Baustopp habe mit unterschiedlichen Auffassungen zu tun, stelle nicht das Projekt infrage.

Die Stadtbaurätin empfindet die neue Gastronomie nicht als störend, sondern als belebend für das Viertel. Verbieten könne die Verwaltung Lokale nicht: „In der Innenstadt ist gastronomische Nutzung zulässig.“ Sie sieht auch keinen Widerspruch zwischen Wohnen wie im Viskulenhof und Kneipenmeile: „Im Viskulenhof selbst ist doch ein Lokal.“

Die Sorge, dass auch in das seit längerem leerstehende Geschäft von Baby Walz ein Lokal einziehen könnte, scheint unbegründet. Die Familie Anker plant den Verkauf der Immobilie: Man sei in Verhandlungen mit einem Investor, der mehrere Eigentumswohnungen plane. Ins Erdgeschoss könne möglicherweise eine Ladenzeile einziehen.