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Eine historische Zeichnung zeigt die St. Lamberti-Kirche um 1845. Schon 15 Jahre später wurde die Kirche wegen Baufälligkeit abgebrochen. Repro: A/t&w
Eine historische Zeichnung zeigt die St. Lamberti-Kirche um 1845. Schon 15 Jahre später wurde die Kirche wegen Baufälligkeit abgebrochen. Repro: A/t&w

Auf der Spur der verschwundenen St. Lamberti-Kirche

ca Lüneburg. Sie war die Kirche der Saline, über Jahrhunderte war die Soleförderung wirtschaftlicher Motor der Stadt. Doch zu retten war das Gotteshaus nicht — das Salz war sein Schicksal: 1860/61 brachen Arbeiter St. Lamberti ab. Trotzdem ist die Kirche im Bewusstsein der Stadt geblieben. Archäologische Grabungen spürten ihr 1998 bis 2000 nach. Aktuell beschäftigt sich Hans-Herbert Sellen mit der Geschichte: Der Schatzmeister des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt (ALA) forscht zum Inventar der Kirche.

Bereits im vergangenen Jahr hatte Sellen im ALA-Heft „Aufrisse“ zur Baugeschichte geschrieben. Lamberti wurde um 1300 errichtet, war eine dreischiffige Hallenkirche, 55 Meter lang, 30 Meter breit und damit nicht viel kleiner als St. Johannis. Im Inneren gab es Emporen, die Wände waren geweißt. Es gab Um- und Ausbauten. 1703 fegte ein Sturm die Spitze des Turms herunter. Zeitzeugen berichten von Rissen im Mauerwerk, ausgelöst durch die Senkungen des Salzabbaus.

Mitte des 19. Jahrhunderts schellte das Totenglöckchen. Es war eine Tragödie: Die Verantwortlichen der Stadt mussten entscheiden, wen sie retten wollten. Denn auch St. Nicolai plagten große Schäden. Geld, um beide Kirchen instand zu setzen, fehlte. Also Abbruch für die Kirche der Salzproduzenten und -arbeiter. Und Verkauf des Mobiliars.

Ein paar Beispiele: Teile der Orgel könnten 1867 beim Bau der Orgel in der Embsener Kirche verwandt worden sein, eine Figur von Johannes dem Täufer ging ans Museum, ein Relief konnte sich Eisenwerksbesitzer und Hotelier Arthur Wellenkamp für seine — inzwischen verschwundene — Villa an der Haagestraße sichern, ein Taufkessel fand einen neuen Platz in St. Johannis.

Jetzt verfolgt der ehemalige Steuerberater Sellen eine neue Fährte. Er möchte herausfinden, wo eine Plastik geblieben ist, die möglicherweise zu Lamberti gehörte, später dann aber auf einen Handelshof an der Salzbrückerstraße gewandert sein soll. Das Ensemble hatte die Stadt laut Sellen Ende der 1960er-Jahre gekauft. Sie wollte die Gebäude abreißen lassen, um die Salzbrückerstraße auszubauen. Sie sollte Teil eines Rings um die Innenstadt werden. Diese Pläne, für die etliche Häuser hätten weichen sollen, haben Bürgerproteste unter anderem des ALA schließlich unmöglich gemacht.

Weil die bauhistorischen Kostbarkeiten vor Jahrzehnten nur von wenigen erkannt wurden, wurde der Handelshof Mitte der 1970er-Jahre abgebrochen. Stattdessen entstand an der Stelle ein Studentenwohnheim.

Sellen berichtet, dass der Lüneburger Architekt Heinz Henschke im Rahmen seines Studiums damals Fotos von den Gebäuden machte. Sie zeigen den verfallenen Charme einer großen Lüneburger Geschichte — und wie wenig Achtung dafür herrschte.

Wer Sellen helfen kann, erreicht ihn über den ALA unter Tel.44058.

One comment

  1. Fred Jörke-Kunath

    Nachdem die Abrissbirne dieses – aus meiner Sicht auch das kulturelle Kirchendenkma – zerstört hat, muß es ein
    Bestrebungen von Stadtverwaltung und Kirche sein, diesen sowohl kulturellen wie religiösen Schätzen in Gegenwart und Zukunft mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Was wir heute erhalten bringt auch nachfolgenden Generationen etwas nahe, was dann als Kulturgeschichte bezeichnet wird.