Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Für Fledermäuse wird es immer schwieriger, ein Sommerquartier zu finden. Foto: nh
Für Fledermäuse wird es immer schwieriger, ein Sommerquartier zu finden. Foto: nh

Fledermäuse auf Wohnungssuche

rw Lüneburg. Gerade aufgewacht — und schon Schwierigkeiten auf dem Wohnungsmarkt: Für Fledermäuse wird es immer schwieriger, ein Sommerquartier zu finden. Sie brauchen einen Unterschlupf. Die meisten Fledermausarten in und um Lüneburg finden diesen in engen Spalten an Gebäuden. Die Zwergfledermaus etwa lebt im Sommer in Mauerritzen, Rolladenkästen oder hinter Verschalungen und Fensterläden, andere Arten bevorzugen Dachböden oder Balkenlöcher. Die seien jedoch immer rarer, da immer mehr Gebäude gedämmt werden. „Mit der energetischen Sanierung kommen die Probleme“, sagt Thomas Mitschke, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Lüneburg. Wenn durch die Versiegelung Lücken und Ritzen geschlossen werden, fehlt Fledermäusen Platz zum Siedeln.

Doch den nützlichen und unter Naturschutz stehenden Insektenfressern kann geholfen werden. Eine Lösung sind Ersatzquartiere. In Fledermauskästen oder Wandteilen aus Holzbeton könnten Fledermäuse eine Heimat für den Sommer finden. Doch bei der Auswahl sei Vorsicht geboten, meint Hinrich Jacobi von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Für private Haushalte empfiehlt er wartungsfreie Kästen, die unten geöffnet sind. Fledermäuse könnten so gut ein- und ausfliegen, Kot falle auf die Erde. Diese Kästen sollten an der Sonnenseite des Hauses montiert sein: „Fledermäuse mögen es, wenns schön warm ist“, begründet Jacobi. Laien rät er von Bauformen ab, die eine Wartung benötigen: Denn durch zugekotete Eingänge könnten Jungtiere eingeschlossen werden, aufgrund der Bauweise kann es im schlimmsten Fall sogar zu Erfrierungen kommen. Diese Kästen sollten nur von Experten betreut werden.

Auch im Lüneburger Kurpark hängen einige Kästen, die von Fledermäusen bewohnt werden können. An ihnen nagt jedoch der Zahn der Zeit — Ende Mai haben deshalb der Naturschutzbund und die städtische Tochtergesellschaft AGL die Kästen begutachtet und entschieden, einige auszutauschen. Weil Fledermäuse keine Miete zahlen, wollen die Naturschützer eine Patenschaft für die Kästen anbieten: Wer den Tieren helfen möchte, kann ihnen ein Sommerquartier kaufen, das von Nabu und AGL im Kurpark montiert wird. Diese Kästen werden aus Holzbeton sein und sollen bis zu 25 Jahre halten. Auf den gespendeten Kästen werden dann die Initialen der Paten eingraviert.

Übrigens: Hausbesitzer sind durch das Bundesnaturschutzgesetz dazu verpflichtet, die Brut- und Lebensstätten von Fledermäusen zu erhalten oder zu ersetzen. Dies ist allerdings nur schwer zu kontrollieren, da Besiedlungen zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten stattfinden können. Daher appelliert Mitschke an alle, die ihr Haus dämmen wollen: „Wer ein Herz für Fledermäuse hat, hängt einen Kasten auf.“ Allein Mückenstichgeplagten sollte es diese Investition wert sein: Bis zu 4000 Mücken fängt eine einzelne Fledermaus in nur einer Nacht.

Wer mehr zu Fledermauskästen erfahren oder eine Patenschaft im Kurpark übernehmen möchte, kann sich beim Nabu, Heiligengeiststraße 39-41 (Tel.402544), melden. Sprechzeit ist mittwochs von 10 bis 14 Uhr.