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Freiwillig Tempo 30 vor dem Hohnstorfer Kindergarten? Messungen haben ergeben, dass sich nur wenige Autofahrer daran halten. Auch wenn letztlich nur zwei Prozent in die Kategorie Raser einzuordnen sind. Foto: ina
Freiwillig Tempo 30 vor dem Hohnstorfer Kindergarten? Messungen haben ergeben, dass sich nur wenige Autofahrer daran halten. Auch wenn letztlich nur zwei Prozent in die Kategorie Raser einzuordnen sind. Foto: ina

Hohnstorfer wollen Tempo 30 vor Kindergarten

ina Hohnstorf/Elbe. Zurzeit scheint es nicht so recht voranzugehen in der Gemeinde Hohnstorf. Ob Vorhaben zur Verkehrsberuhigung in Teilen des Ortes oder die Erlaubnis für Anbauten im Dorfkern — die Pläne der Gemeinde stoßen beim Landkreis Lüneburg bisweilen auf wenig Gegenliebe. Entsprechend lange dauerte die jüngste Ratssitzung im von der hohen Außentemperatur aufgeheizten Saal des örtlichen „Fährhauses“. Stramme drei Stunden von 20 bis 23 Uhr tagten die Ratsmitglieder. Immerhin hatten sie 15 Tagesordnungspunkte auf ihrer Agenda.

Des Öfteren beraten hat der Rat bereits die angestrebte Verkehrsberuhigung vor dem Kindergarten in der Dorfstraße und im Adolf-Lüchau-Weg. Um diesen Plänen Nachdruck zu verleihen, hat die Gemeinde von November 2015 bis Februar 2016 zwei Geschwindigkeitswarntafeln mit integrierten Messgeräten in diesem Bereichen des Dorfes installiert. Zwar waren die Ergebnisse ansatzweise bereits auf der vorangegangenen Ratssitzung besprochen worden, doch der ehrenamtliche Verfasser der beiden Tempo-Berichte, stellte die Daten und Fakten noch einmal im Zusammenhang vor. Und Claus-Cornelius Poggensee, Elternvertreter der örtlichen Grundschule, ist mit den Ergebnissen zufrieden: Denn sie sind aus seiner Sicht eindeutig.

„Beide Aufstellungen können als Erfolg angesehen werden“, lautete denn auch sein Tenor. Während im Adolf-Lüchau-Weg der Lieferverkehr an Weihnachten besonders hoch war, lautet das Fazit in der Dorfstraße: „Das freiwillige Tempo 30 greift kaum.“ Folglich sind „die Raser“ — auch wenn sie nur knapp zwei Prozent der passierenden Wagen ausmachen — ein Problem. „Unregelmäßige Kontrollen sind erstrebenswert.“ Darüber hinaus fordert Poggensee in seinem Bericht für die Straße vor dem Kindergarten: „Nicht nur für Kindergartenkinder, sondern auch für die den Abhang vom Fährhaus hinunterkommenden Schulkinder, die mit dem Rad unterwegs sind, sowie den sonstigen Radfahrerverkehr erscheint es erstrebenswert, eine verbindliche Tempo-30-Zone, zumindest für die Betriebszeiten des Kindergartens, einzurichten.“

Als Straßenverkehrsexperte des Landkreises war Dirk Bonow anwesend. Er lobte zwar die „vorbildliche Bearbeitung und Präsentation“, widersprach jedoch inhaltlich den vom Rat formulierten Zielen. Entschieden verneinte er die Frage von Bürgermeister André Feit, ob nicht schon in diesem Jahr Tempo-30-Zonen gesetzlich vorgeschrieben würden für Straßen vor Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen oder Seniorenheimen. „Es werden nur einige Hürden gesenkt, was aber nicht bedeutet, dass die angestrebte Gesetzesänderung im Herbst sofortige Maßnahmen nach sich zieht.“ Darüber hinaus bestünde in beiden Mess-Bereichen kein wahrer Handlungsbedarf. „Mit den Ergebnissen können Sie an sich sehr zufrieden sein.“ Sein Vorschlag: „Die Kindergartenkinder könnten Warnschilder basteln. Die bringen oft mehr als die von öffentlichen Trägern.“

Großes Interesse der rund 50 Zuhörer galt Tagesordnungspunkt 10: „Beratung und Beschluss über den Antrag des TuS Hohnstorf/Elbe für den möglichen bzw. angestrebten Neubau einer Gymnastikhalle am Sportzentrum“. Dem Antrag stimmte der Rat zu — die Gemeinde wird ein Grundstück zur Verfügung stellen und sich an den Bau- und Unterhaltskosten namhaft beteiligen. Auch im Gerangel um innerörtliche Anbauten kommt Bewegung: Die Zahnarztpraxis von Dr. David Rainsborough darf sich vergrößern, der Gemeinderat stimmte einer Bebauungsplanänderung zu. Doch letztlich muss der Landkreis über das Vorhaben entscheiden.

Maria Lazer und Katrin Weymann von der Pädagogischen Initiative (PädIn) der Samtgemeinde Scharnebeck berichteten über die Betreuung der aktuell etwa 200 überwiegend aus dem Sudan Geflüchteten und den damit verbundenen Problemen. Da die zu 80 Prozent männlichen Asylsuchenden nicht arbeiten dürften, würden sie sich schnell langweilen. „Obwohl sie noch nie getrunken haben, fangen manche jungen Männer hier aus Frust mit dem Saufen an.“ Dringend benötigt würden ein Zwillingswagen, Wasserkocher und Esslöffel. Am 17. Juni ist ein Treffen geplant, bei dem sich Samtgemeindebürgermeister Laars Gerstenkorn bei den ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern bedanken wird.