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Heike Pätzold und Albrecht von Bülow sind die Leiter der Ehe- und Lebensberatung. Foto: be
Heike Pätzold und Albrecht von Bülow sind die Leiter der Ehe- und Lebensberatung. Foto: be

Ehe- und Lebensberatung ist Anlaufstelle für Paare und Einzelpersonen

as Lüneburg. Welche Erwartungen hat ein Mädchen an mich? Wie gehe ich damit um, wenn mein Freund mit mir Schluss macht? Welche Möglichkeiten der Verhütung gibt es? Diese und andere Fragen standen im Mittelpunkt des Workshops „Lets talk about Sex“, den die Ehe- und Lebensberatung im vergangenen Sommer erstmals für Schüler der Jahrgangsstufe 9 anbot. Die Jugendlichen diskutierten in geschlechtsspezifisch getrennten Arbeitsgruppen, die Ergebnisse wurden dann der jeweiligen anderen Gruppe vorgestellt. Silvia Groth, freiberufliche Mitarbeiterin der Beratungsstelle, die den Workshop mit ihrem Kollegen Jürgen Rauch leitete, meint: „Die jungen Menschen haben ganz offen über ihre Erwartungen an ihre Partner gesprochen. Missverständnisse, die manchmal in der Jugend beginnen, können so frühzeitig aus der Welt geschafft werden.“

Das Projekt ist eines von vielen Angeboten, auf das die ökumenische Einrichtung jetzt in ihrem Jahresbericht 2015 hinweist. Insgesamt 313 Klienten nutzten im vergangenen Jahr die Beratung, 106 Paare kamen, 101 Personen zu Einzelgesprächen. Von den Problemen der Eltern betroffen waren 262 minderjährige Kinder. „Die Zahlen sind fast vergleichbar zum Vorjahr“, sagen Heike Pätzold, katholische Leiterin der Ehe- und Lebensberatung, und Albrecht von Bülow, evangelischer Leiter.

Gründe, warum Einzelpersonen das Gespräch suchten, waren Ängste, Trennungssituationen, Trauer um Verluste und das Suchen nach neuen Lebenszielen, um aus Krisen herauszukommen. Zuhören und verstehen, was passiert ist, ist dabei ein wesentlicher Part der Berater.

„Für viele ist es wichtig, einem Außenstehenden alles erzählen zu können. Denn Familie oder Freundeskreis erwarten, dass man irgendwann mit dem Thema durch ist. Aber die Aufarbeitung von veränderten Lebenssituationen, sei es nun bei Partnerschaften oder im Beruf, ist keine Sache von ein paar Wochen. Das braucht Zeit. Gesellschaftlich ist das aber nicht unbedingt akzeptiert“, sagt Heike Pätzold, die ihre Aufgabe auch darin sieht, Ratsuchende zu unterstützen und zu stabilisieren. „Gegebenenfalls vermitteln wir die Betroffenen auch in Therapie.“

Albrecht von Bülow weiß aus seiner Beratungstätigkeit auch, dass aktuelle Verluste gerade für ältere Menschen schwierig zu bewältigen sind, wenn traumatische Erlebnisse, die manchmal Jahrzehnte zurückliegen, nicht aufgearbeitet und bewältigt werden konnten. Er sagt: „Manchmal ist dann ein Aufenthalt in einer psychosomatischen Klinik notwendig.“ Die Beratungsstelle stellt auch fest, dass der Anteil der älteren Klienten steigt. Machten diese zur Jahrtausendwende noch 0,8 Prozent aus, so sind es inzwischen 23 Prozent. Speziell für Menschen jenseits des 60. Lebensjahres gibt es eine „Lebensweltbezogene Seniorengruppe“.

Für Paare, die immer wieder feststellen, dass sie aneinander vorbeireden, ist der Kom-Kom-Kurs gedacht. Man lernt dort, dem anderen aufmerksam zuzuhören, gibt dann eine Rückmeldung, was davon bei einem angekommen ist, um darüber ins Gespräch zu kommen. „Dass bei einem Partner manchmal etwas anderes ankommt, als gesagt wurde, ist keine böse Absicht, denn jeder hat einen eigenen Deutungshorizont“, sagt Heike Pätzold. Bewusst miteinander reden und dem anderen gleichzeitig vermitteln, was man an ihm schätzt, ist Ziel dieses Seminars.

Sprechstunde
Die offene Sprechstunde der Ehe- und Lebensberatung im Geschwister-Scholl-Haus auf dem Bockelsberg bietet Ratsuchenden ohne vorherige Anmeldung die Möglichkeit zu einem kurzen Informationsgespräch. Die Sprechstunde findet immer mittwochs in der Zeit von 16 bis 17.30 Uhr statt. Die Beratungsstelle in der Johannisstraße 36 ist unter Tel.48898 zu erreichen.